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Mithilfe des Projekts ''Contra häusliche Gewalt`` hilft die Pro Familia Trier seit zehn Jahren Männern, ihre Wut zu zügeln und schützt damit Opfer.

Soziales : Damit Männer nicht mehr ausrasten und ihre Frauen schlagen

Contra häusliche Gewalt heißt ein Projekt der Pro Familia Trier. Täter lernen dort, ihre Wut zu zügeln. So werden auch die Opfer geschützt.

Hans, 37, möchte weitestgehend unerkannt bleiben, zu einem Telefonat ist er bereit, dazu, seinen tatsächlichen Namen zu nennen, nicht. Auf die Frage, warum er an dem Projekt Contra häusliche Gewalt teilnimmt, antwortet er mit sympathischer Stimme nahezu förmlich: „Ich habe Gewalt gegenüber meiner Frau angewandt.“ Haben Sie ihre Frau geschlagen?

“Ja“, sagt er leiser. Ihre ungerechtfertigten Anschuldigungen und Beleidigungen hätten ihn wütend gemacht, sehr wütend. Er erzählt von den Kindern, seiner Frau, dass er seine Familie liebt. Hans hat Hilfe gesucht – und im Internet gefunden. Dort war er auf das Projekt der Pro Familia gestoßen.
Seit zehn Jahren leitet Diplom-Pädagoge Michael Charles mit einer Kollegin das Trainingsprogramm Contra häusliche Gewalt. In einer Gruppe lernen bis zu acht Männer, über Gefühle zu sprechen, Situationen zu erkennen, die zu eskalieren drohen und anders mit Konflikten umzugehen. Sie setzen sich unter anderem mit Macht und Ohnmacht und ihrem Rollenverständnis auseinander.
Nicht alle kommen freiwillig. „Das Jugendamt hat gesagt oder die Staatsanwaltschaft hat mir geschrieben, dass ich mich bei Ihnen melden soll“, hört Charles häufig. Bevor ein Mann, der gegenüber seiner Partnerin gewalttätig wurde, an dem Programm teilnimmt, finden zwei, drei Einzelgespräche statt. „Es geht darum, dass die Klienten ernsthaft an dem sozialen Trainingskurs mitmachen“, erklärt der Diplom-Pädagoge.
Hans sagt, anfangs habe er Angst gehabt, hinzugehen. Wer sitzt da? Was erwartet mich? Fragen, die ihn beschäftigten. „Ich habe mich alleine gefühlt und wie der schlechteste Mensch der Welt“, sagt der Familienvater. Er sei heute froh, den  Schritt gemacht und sich das Problem eingestanden zu haben. Die Männergruppe trifft sich einmal pro Woche, ein halbes Jahr lang. Mit dabei ist Sozialarbeiterin Ursula Wollscheid. „Es ist wichtig, die weibliche Perspektive in der Gruppe zu haben“, erklärt Charles die Notwendigkeit des Mann-Frau-Teams. Von großer Bedeutung sei, dass das Trainingsprogramm in der Gruppe stattfinde. „Die Teilnehmer erhalten direkte Rückmeldungen zu ihrem Verhalten und ihren Sichtweisen, von Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben“, sagt Charles. Jeder lerne von und am Beispiel der anderen. Hans besucht die Gruppe regelmäßig.

Die Gespräche hätten ihm geholfen, sich und seine Frau besser zu verstehen und die Wut zu zügeln. Vorwürfe bringen ihn immer noch auf die Palme. „Aber ich kann jetzt sagen, die Situation überfordert mich, ich muss gehen“, sagt der Familienvater. Er habe gelernt, über Gefühle zu sprechen. Nach zehn Jahren Täterarbeit resümiert der Pro-Familia-Mitarbeiter: „Das Konzept hat sich bewährt. Auch bei denjenigen, die nicht freiwillig kommen.“ Charles und seine Kollegin gehen davon aus, dass jeder Mann lernen kann, mit Gefühlen wie Ohnmacht und Enttäuschung anders umzugehen als mit Gewalt zu reagieren. „Täterarbeit leistet einen wichtigen Beitrag zum Opferschutz“, sagt der Leiter.