Palastgarten: Mittelaltermarkt in Trier - Von Singerei über Seilerei bis Samurai

Palastgarten : Mittelaltermarkt in Trier - Von Singerei über Seilerei bis Samurai

Seile knüpfen, Rüstung bauen und Leier spielen. Bei den Mittelaltertagen wird nicht nur gestaunt, sondern auch selbst Hand angelegt.

Lange Schwerter, der Geruch von frisch gebackenem Stockbrot und der laute Klang des Horns des Herolds Kalibu. Schon beim Betreten des Trierer Palastgartens werden die Besucher von dem Gesang der Spielleute Pill und Pankratz empfangen. Sofort ins Auge stechen die bunten Gewänder der Händler, Gaukler, Lagergruppen und Handwerker. Sascha Kropp, Veranstalter der Mittelaltertage, erklärt, dass er sogar eine traditionell mittelalterliche Unterhose und Beinlinge trage. „Sieht ein bisschen so aus wie eine Strapse“ sagt er und lacht. Aber tatsächlich war diese Art der Beinbekleidung früher üblich und ist ein Vorgänger der heutigen Hose.

Zwischen den weißen Zelten, prall gefüllten Ständen und vielen Besuchern des Festgeländes am Samstag  ragt ein großes Metallrad hervor. „Das ist ein Riesenrad“, sagt Kropp. Und tatsächlich: Betrieben wird das Rad von zwei starken Männern, die jeweils an einer Seite stehen und es anschieben. „Das ist die Lieblingsaktivität der Kinder“, sagt Denis Lembke aus Pluwig.

Besonders neugierige Kinder können bei Pädagogikstudierenden der Uni Trier in der kostenlosen Betreuung „Die drei Kronen“ alle wichtigen Fertigkeiten eines Ritter erlernen. Dazu gehören nicht nur Bogenschießen und Schwertkampf, sondern auch das Spielen einer Nonnentrompete in Raymars Klangschule. Bei einer Schnitzeljagd laufen sie auch dem Falkner Maus über den Weg, der seine Schleiereulen, Geier und Falken mutigen Besuchern sogar auf die Hand setzt. Fliegen lassen konnte er sie bei dem Regen aber leider nicht.

Aus ganz Deutschland sind die knapp 70 Gastgeber der sechsten Mittelaltertage zu Trier seit Mittwoch angereist. Fast 800 Kilometer weit sind Malis und Jürgen Kuhrt aus Norddeutschland gefahren, um an der Mosel das Wochenende zu verbringen. Sie erklären den Besuchern in ihrem selbst zusammengenagelten Zelt, wie damals Seile hergestellt wurden. Mit einer speziellen Vorrichtung darf ein Besucher einzelne Stränge miteinander verdrehen. Das braucht etwas Übung und vor allem Körperkraft. „Für ein 25 Meter langes Seil brauchen wir ungefähr eine halbe Stunde“, sagt Jürgen Kuhrt.

30 Minuten sind im Gegensatz zu 1,5 Jahren ganz schön wenig. So viel Zeit benötigt die Gruppe Wagonishikawa aus dem Saarland, um die Rüstung eines Samurais zu bauen. Sie zeigen, wie sich das japanische Mittelalter vom europäischen unterschieden hat. „Teilweise war das sogar brutaler, weil sich die Samurai umgebracht haben, wenn ihr Herr gestorben ist“ erzählen sie. Otto aus Luxemburg ist besonders fasziniert von der Gruppe. „Das ist einfach etwas völlig anderes“, sagt er.

Stärken können sich die Gäste bei der Imkerei Reisdorf. Das von ihnen hergestellte traditionelle alkoholische Getränk aus Wasser, Hefe und Honig nennt sich Met und hinterlässt eine süßliche Note auf der Zunge. Nach einem ereignisreichen Spaziergang durch das Festgelände werden viele Besucher von dem Gelächter angelockt, das quer über den Park zu hören ist. Der Grund dafür ist Kai Brocher, der seit 20 Jahren als Straßenzauberer Kalibu unterwegs ist, unter anderem eine verschwundene Karte im Inneren einer Orange wiederfindet und damit alle zum Staunen bringt. Auch er gehört zu der „großen Familie“, wie Sascha Kropp sie nennt, die sich jedes Jahr freut, ein Wochenende gemeinsam mit den Besuchern in eine andere Zeit einzutauchen.

Ein Seil spinnen ist nicht so einfach. Malis und Jürgen Kuhrt (rechts im Bild) lassen die Besucher in ihrer mittelalterlichen Seilerei mitarbeiten. Foto: Julia Schulz

Für weniger Freude hat das Wetter gesorgt. Am Sonntagvormittag schüttet es wie aus Kübeln. Und auch am Samstag hat der Regen offensichtlich mehr als nur einen Gast vom Besuch abgehalten. Veranstalter Markus Sollner resümiert: „Mit der Veranstaltung an sich sind wir sehr zufrieden. Nur das Zuschaueraufkommen war zu gering.“ Er geht davon aus, dass es im Vergleich zu den Vorjahren bis zu 50 Prozent weniger Besucher gewesen sind.

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