Mobbing im Mittelpunkt

TRIER. "Macht viel Krach, schont sie in keiner Weise, denn niemand will sie hier" – mit solchen Worten soll die Leiterin der Kindertagesstätte Schneidershof zwei ihrer Erzieherinnen aufgefordert haben, eine Kollegin zu "mobben". Um diesen Vorwurf drehte sich ein Prozess vor dem Arbeitsgericht Trier.

Die Kita-Chefin bestreitet, Mobbing betrieben oder dazu aufgefordert zu haben. Doch es ging vor dem Arbeitsgericht unter dem Vorsitz von Uta Lenz nicht primär um Verleumdung oder üble Nachrede, sondern um die Rechtmäßigkeit einer Kündigung (der TV berichtete). Diese Kündigung galt Irmgard Meier (Name geändert), sie hat zwölf Jahre lang als Erzieherin in der Kita Schneidershof gearbeitet. Dann wurde sie krank - anderthalb Jahre lang. Als sie wieder gesund war und ihre Wiedereingliederung bevorstand, fand ein Gespräch zwischen der Leiterin und zwei Kolleginnen von Meier statt. Die beiden Erzieherinnen sagten übereinstimmend aus, ihre Chefin habe davon gesprochen, Irmgard Meier den Wiedereinstieg so schwer wie möglich zu machen und sie gezielt zu belasten. Diese Darstellung dokumentierten sie in eidesstattlichen Versicherungen. Die Chefin wies diesen Vorwurf zurück: Ein Gespräch habe es gegeben, aber keine Aufforderung zum Mobbing. Die Erzieherinnen mobbten Irmgard Meier nicht, sondern informierten sie. Als die Gewerkschaft Verdi dem Trägerverein der Kita Schneidershof schriftlich rechtliche Konsequenzen in Aussicht stellte, warf der Vorstand Irmgard Meier raus. Die Mobbing-Aufforderung habe es nie gegeben. Und hier fallen dann doch noch die Begriffe "Verleumdung" und "üble Nachrede". Auf jeden Fall ein Kündigungsgrund. Das sah das Arbeitsgericht ganz anders."Keine Hinweise auf Lügen"

"Der Arbeitgeber muss beweisen, dass seine Vorwürfe der Verleumdung und üblen Nachrede zutreffen", erläuterte Richterin Uta Lenz. "Das kann er nicht, weil hier Aussage gegen Aussage steht." Fazit: Der Verein muss Irmgard Meier weiter beschäftigen, die Erzieherin arbeitet bereits wieder für die Institution. Ob es die Aufforderung zum Mobbing tatsächlich gab - diese Frage klärte das Arbeitsgericht nicht bis ins letzte Detail. Uta Lenz: "Ich habe keine Hinweise auf Lügen gefunden, alles klang plausibel." Das Prinzip der Subsidiarität regelt, dass die Stadt Trier die Selbstverantwortung des ehrenamtlich tätigen Trägerverein "helfend ergänzt" und hohe Anteile der Personal- und Sachkosten trägt. "Wir hatten nie den Eindruck, dass der Vorstand mit der Situation nicht fertig wird", sagt Sozialdezernent Georg Bernarding. "Unverträglichkeiten dieser Art gibt es oft im Arbeitsleben."

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort