Mobil gespielt ist gut gebildet
TRIER. Wer in Trier Kind ist, hat es gut. Denn vor 17 Jahren hat Jörg Drekopf, damals noch als Pädagogik-Student, mit vier weiteren Kommilitonen den Verein Mobile Spielaktion gegründet. Aus der einstigen Studenten-Initiative ist mittlerweile eine etablierte Einrichtung geworden.
"Spielangebote, bei denen sich Kinder kreativ entwickeln können", machen seit den 1970er Jahren in Deutschland Schule, erklärt Jörg Drekopf (45). In München war die "Pädagogische Aktion", bei der es eines der ersten Spielmobile in der Bundesrepublik gab, Mitte der 80er Jahre zu einer festen Größe im Reigen der spielerischen Bildungsangebote für Kinder geworden. Jörg Drekopf, der zu dieser Zeit in Trier Pädagogik studierte, war dies aus der Literatur geläufig. Mit vier Kommilitonen bewarb er sich dort für die Sommersemesterferien 1987 um ein Praktikum. "Da haben wir gemerkt, dass die auch nur mit Wasser kochen."Von der Idee fasziniert und infiziert, gründeten die fünf Freunde im Jahr darauf in Trier einen ähnlichen Verein, die Mobile Spielaktion. "So etwas brauchte Trier auch." Ziel sollte wie beim Vorbild aus München sein, "spielerisch verschiedene Bildungsinhalte an Kinder zwischen sechs und 14 Jahren in der Freizeit zu vermitteln". Schnell gewannen die Studenten bei der Stadt, im Kreis und beim Fachschaftsrat Pädagogik an der Uni Befürworter ihres Konzeptes und erhielten finanzielle Unterstützung für die Vereinsgründung und um die erste Spielaktion am Weidengraben zum Thema "Leben wie die Römer" durchzuführen.
"Uns war es wichtig, das Projekt Mobile Spielaktion so professionell wie möglich aufzuziehen", erinnert sich Drekopf an die Anfänge. "Da war eine Menge Aufwand nötig und wir haben eine wissenschaftliche Begleitung eingestellt." Seit 1990 ist Jörg Drekopf hauptberuflicher Geschäftsführer der Mobilen Spielaktion. Von den Gründungsmitgliedern ist außer ihm nur noch Karin Schmid mit im Boot.
Die erste historische Spielstadt, "die noch heute eines unserer Aushängeschilder ist", veranstaltete der Verein 1992. Im Laufe der Zeit sind viele Spielaktionen in den Trierer Stadtteilen, museumspädagogische Angebote, Beteiligungs- und Kooperationsprojekte, wie Spielplatzplanungen und der jährliche Trierer Kindertag zum Aufgabenfeld hinzu gekommen. Im Auftrag der Stadt erstellt die Mobile Spielaktion Spielraum- und Wohnumfeldanalysen, wobei die Kinder ihre Sicht und ihre Wünsche einbringen können und sollen. Davon profitierten beide Seiten, so Geschäftsführer Drekopf.Für kreative Arbeit an einzelnen Projekten bleibt dem 45-Jährigen heute kaum noch Zeit. Dass er aber aus seiner eigenen Idee seinen eigenen Arbeitsplatz geschaffen hat, macht ihn stolz. Die Mobile Spielaktion gehört in Trier zum Inventar. "Das ist schon toll und das hilft auch über Stress und Schwierigkeiten hinweg." Denn "in dieser Größenordnung gibt es nur wenig ähnliche Einrichtungen in der Bundesrepublik". Zwar gäbe es viele Spielmobile, die begnügten sich aber mit bloßem Spieleverleih. Modellcharakter haben die Beteiligungsaktionen der Mobilen Spielaktion mit Kindern in benachteiligten Wohngebieten, die als Leitlinien für das Land Rheinland-Pfalz vom Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend zur Nachahmung herausgegeben wurden.
"Wir wollen nicht nur Kinderbelustigung machen, sondern auf dem Wissen der Kinder aufbauen und sie einen Schritt weiter zur Erforschung ihrer Umwelt bringen, ihnen neue Denkanstöße geben, die Wirkung haben." In Zukunft könnte sich Drekopf vorstellen, noch stärker mit Schulen zusammenzuarbeiten. Die Chance, im Rollenspiel andere Einstiege etwa in geschichtliche Themen zu schaffen als dies Lehrern im Unterricht möglich ist, reizt den 45-Jährigen, das Arbeitsfeld auszuweiten.