Monster mahnen Raser

Nach nur einem Tag sind sechs auffällige Schilder an der Straße "Auf dem Petrisberg" in Trier wieder entfernt worden. Für die Initiative von Bürgern gegen Temposünder gibt es viel Lob, aber auch Kritik.

Trier. Wer am Mittwoch vom Wissenschaftspark auf dem Petrisberg durch das neue Wohngebiet fuhr, begegnete einer seltsamen Gestalt, und das gleich dreifach. "Fahr 30, und wir bleiben Freunde! Dein Tempo-30-Monster", lautete der Appell der dicken Figur mit Kulleraugen und zwei gestreiften Hörnern. "Hallo?! Fahr! Jetzt! 30", forderte das Monster an anderer Stelle mit leicht mürrischem Gesichtsausdruck. "Fahr 30! Ich weiß, wo dein Auto steht": Das Exemplar mit dieser Aussage reißt sein Maul weit auf und zeigt spitze Zähne.

Die drei Schilder in jeder Fahrtrichtung waren jeweils rund drei Meter hoch und bestanden aus stabilen Platten. Sie waren teils mit Metallschellen, teils mit Draht befestigt - eine professionelle Arbeit.

Claude Ries fielen die Schilder sofort ins Auge, berichtet er bei einem Anruf in der TV-Redaktion. Das Anliegen findet er richtig und wichtig, nur der Spruch mit dem Auto passt ihm überhaupt nicht: "Ich störe mich an der Drohung. So etwas ist einfach nicht angebracht."

Keine Genehmigung von der Stadt



Solche Bedenken kann Jan Eitel, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Petrisberg (EGP), absolut nicht nachvollziehen: "Die Aktion ist genial. Mit reinem Humor statt belehrend werden die Leute für das Verkehrsproblem sensibilisiert. Hier gibt es mehr als 100 Kinder, darunter viele Schulanfänger."

Er habe innerhalb kurzer Zeit viele positive Reaktionen bekommen. Das Lob gebühre allerdings nicht der EGP, sondern einer Gruppe von Bewohnern des Petrisbergs, die auf eigene Initiative und Kosten Schilder entwarfen und anfertigen ließen. Angebracht wurden sie allerdings in falscher Reihenfolge: Erst kam das böse Monster, dann das freundliche.

Am Mittwochabend montierten die Initiatoren die Schilder vorzeitig wieder ab - sie hatten offenbar kalte Füße bekommen. Vor diesem Hintergrund mochte sich auch niemand namentlich als Mitglied der Gruppe "outen" und Stellung beziehen.

Das Trierer Straßenverkehrsamt musste nicht mehr eingreifen. Stadt-Pressesprecher Ralf Frühauf: "Privatpersonen dürfen keine Schilder aufstellen, die den amtlichen ähnlich sehen und auf das Verkehrsverhalten einwirken sollen. Die Schilder könnten sogar vom Verkehrsgeschehen ablenken und zu einer Gefahr führen."

In der Straße hatte die Stadt schon mal ihr mobiles Tempo-Anzeigegerät aufgestellt, und die Polizei hatte die Geschwindigkeit kontrolliert. Der Kürenzer Ortsvorsteher Karl Lübeck ermuntert die Bewohner, sich in der Frage einer Verkehrsberuhigung an ihn oder den Ortsbeirat zu wenden.

Liebe Leserinnen und Leser, was halten Sie von den Schildern? Finden Sie die Aktion witzig oder geschmacklos? Mailen Sie uns Ihre Meinung an echo@volksfreund.de. Anschrift bitte nicht vergessen.

EXTRA Reaktionen: "Der Hinweis auf das Tempolimit ist angebracht", stellt eine Anliegerin fest. Allerdings wisse man nicht, was mit dem Spruch über den Autostandort genau gemeint sei, sagt sie und ahmt mit der Hand eine Kratzbewegung am Autolack nach. Ihre Nachbarin verweist auf die vielen Baufahrzeuge, Temposünder und zugeparkten Gehwege. Die Schilder findet sie lustig: "Meine Kinder haben mich gefragt, was das Monster denn dann macht." (cus)