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Mosel-Floßfahrt als Protest gegen Atomtransporte

Mosel-Floßfahrt als Protest gegen Atomtransporte

Mit einer Flusstour auf der Mosel macht eine Gruppe Umweltaktivisten zwei Wochen lang auf Urantransporte aufmerksam.

Das Floß liegt fest vertäut an einer Anlegestelle am Zurlaubener Ufer in Trier. Im Schatten der zeltartig aufgespannten Anti-Atomkraft-Banner ruht gut gelaunt und braun gebrannt Hanna Poddig, Aktivistin der Initiative Contratom, im Schneidersitz auf einer Reihe Aluminium-Kisten. Im Hintergrund widmet sich ihr Aktionsgefährte Alexander Gerschner von der Umwelt-Organisation Robin Wood Arbeiten am Antrieb des Floßes.

In den kommenden zwei Wochen werden die Zwei gemeinsam mit Gleichgesinnten mit dem Floß von Trier nach Köln fahren. Auf der Strecke machen sie in insgesamt zehn Orten Halt, um mit Initiativen wie dem Anti-Atom-Netz Trier über die umstrittenen Atomtransporte zu informieren.

Poddig und Gerschner wurden schon früh für das Thema Atomkraft sensibilisiert. Wenn Hanna Poddig als Kind aus dem Fenster ihres Elternhauses schaute, nahmen draußen die hohen Türme eines Atomkraftwerkes die Landschaft ein. Für Alexander Gerschner sind die Folgen von Tschernobyl noch in guter Erinnerung: "Damals war dieses Thema für die gesamte Bevölkerung relevant und nicht nur für ein paar Umweltaktivisten." Dabei sei die Gefahr angesichts der weiter betriebenen maroden Atomkraftwerke wie in Cattenom (Frankreich) oder Tihange (Belgien) alles andere als aus der Welt.

Doch im Fokus der Floßtour-Aktion stehen nicht nur die Kraftwerke selbst, sondern vor allem die fortwährenden Urantransporte auf deutschen Straßen, Schienen, Flüssen, sogar durch den Luftraum. "Die meisten Menschen sind sich dessen gar nicht bewusst, dass vor ihrer Haustür ständig solche Transporte stattfinden", sagt Poddig. Die Floßroute von Trier über Koblenz nach Köln ist deshalb ganz bewusst ausgewählt worden: Auf der parallel verlaufenden Bahnstrecke beobachten Aktivisten regelmäßig Güterzüge mit als radioaktiv gekennzeichneter Ladung.

Trotz des von der Bundesregierung beschlossenen Atomausstiegs seien diese Transporte nach Recherchen verschiedener Anti-Atomkraft-Organisationen angestiegen, erklärt Poddig. "Dieser Anstieg steht nicht in Zusammenhang mit den Kraftwerken in Deutschland. Aber Deutschland darf dieses Risiko nicht länger in andere Länder exportieren!"

Ausgangspunkt und Ziel der meisten Transporte seien die Urananreicherungsanlage Gronau (Westfalen) und die Brennelementefabrik Lingen (Niedersachsen).

Das Floß der Aktivisten ist bereits zu vielen Umweltthemen über viele Flüsse in Deutschland getrieben. Alexander Gerschner war schon oft mit an Bord und hat viele Erfahrungen mit dieser Aktionsform gesammelt: "Wir erreichen viele Leute in den Orten, in denen wir anlegen. Es gab immer wieder Menschen, die uns spontan begleitet haben. Wir sind quasi ein Mitfahr- und Mitmachprojekt."

In folgenden Orten und Häfen macht das Floß Station:
Dienstag, 13. Juni: Bernkastel-Kues. Mittwoch, 14. Juni: Traben-Trarbach. Donnerstag, 15. Juni: Bremm. Freitag, 16. Juni: Cochem. Samstag, 17. Juni: Alken. Sonntag und Montag, 18. und 19. Juni: Koblenz. Mittwoch und Donnerstag, 21. und 22. Juni: Bonn. Freitag bis Sonntag, 23. bis 25. Juni: Köln.