Mosel-Saar nur in der Gäste-Gunst ganz vorn

Mosel-Saar nur in der Gäste-Gunst ganz vorn

Soviel steht fest: Die Mosel-Saar-Region wird auch 2012 das zugkräftigste Urlaubsgebiet in Rheinland-Pfalz sein. Die Tourismus-Manager blicken dennoch nicht nur mit Optimismus in die Zukunft: Der Ausstieg des Landkreises Trier-Saarburg aus der Mosellandtouristik GmbH wirkt immer noch wie ein Schock.

Berlin. Solche Lobeshymnen sind Balsam fürs Gemüt der Touristiker. "Die Mosel hat sich in den letzten zehn Jahren toll entwickelt. Ich mache regelmäßig Rad- und Wandertouren dorthin und besuche gerne die Weinfeste. Da ist alles authentisch und nicht künstlich auf Event getrimmt", sagt Wolfgang Edelmann. Der 55-Jährige aus Schlangenbad im Rheingau versorgt sich am Stand der Mosellandtouristik mit frischem Prospektmaterial: "Ich komm bald wieder."
Kein Einzelfall: Die Ferienregion Mosel-Saar ist bei Reiseveranstaltern wie Privatbesuchern gleichermaßen gefragt auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin. Letztes Jahr wurden in den Beherbergungsbetrieben zwischen Saarburg und Untermosel rund zwei Millionen Gäste (plus 2,7 Prozent) und knapp sechs Millionen Übernachtungen (plus 1,6 Prozent) gezählt.
Gut jeder Vierte, der in Rheinland-Pfalz Urlaub macht, tut das an Mosel und Saar. Die müssen auch in diesem Jahr nicht um ihre gemeinsame Spitzenposition im Land bangen: Zur Heilig-Rock-Wallfahrt (13. April bis 13. Mai) werden mindestens 500 000 Menschen nach Trier kommen und schätzungsweise mindestens ein Drittel davon länger als einen Tag in der Region bleiben. Passend dazu hat die Mosellandtouristik GmbH ihre Angebotspalette um "Spirituelles Wandern" erweitert. Von Bernkastel-Kues aus geht es über Klausen und Schweich nach Trier. Einschließlich fünf Übernachtungen in Hotels, Gasthäusern und Pilgerbetrieben kostet das Ganze knapp 300 Euro pro Person- und findet gewaltigen Anklang: "Es gibt auch großes Medieninteresse", berichtet Cheftouristikerin Sabine Winkhaus-Robert (51).
So richtig Freude aufkommen mochte während der gestern zu Ende gegangenen ITB aber nicht. Der Schock des Austritts des Landkreises Trier-Saarburg aus der GmbH sitzt tief. Es sind weniger die knapp 90 000 Euro Mitgliedsbeitrag, die künftig bei einem Gesamtetat von 800 000 Euro wegfallen. Es ist die noch nicht einzuschätzende psychologische Wirkung, die entsteht. Bislang waren alle Anrainer im Boot: vier Landkreise, 13 Verbandsgemeinden sowie die Stadt Trier. Dass nun ein Gesellschafter ausschert, gefährdet nach Einschätzung von Sabine Winkhaus-Robert die Geschlossenheit: "Das ist erschreckend."
Tourismusstrategien und -produkte zu entwickeln und zu vermarkten, wie es die Mosellandtouristik GmbH (sieben Vollzeit-, zwei Teilzeitkräfte) seit 1991 tut, wird künftig im gesamten Trierer Raum schwerer, denn der Kreis Trier-Saarburg hat sich aus allen regionalen Tourismus-Organisationen zurückgezogen (der TV berichtete). Ersparnis pro Jahr: rund 260 000 Euro.
Hans-Albert Becker, Direktor der Tourist-Information Trier, spricht in Berlin von "einem völlig falschen Signal. Es ist schade, in Zeiten, wo der Tourismus gerade im ländlichen Raum immer mehr an Bedeutung gewinnt, solch ein Zeichen zu setzen."