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Moselaufstieg ade: Kreis und Kammern wütend

 Auch in Zukunft werden sich Autos durchs Moseltal quälen. TV-Foto: Archiv/Friedemann Vetter
Auch in Zukunft werden sich Autos durchs Moseltal quälen. TV-Foto: Archiv/Friedemann Vetter
Konz/Schweich/Saarburg. Landrat Günther Schartz sieht schwarz für die Region Trier: Seine Kritik an der Entscheidung der Landesregierung gegen Moselaufstieg und Nordumfahrung fällt hart aus. Der Naturschutzbund begrüßt den geplanten Ausbau der Bahntrasse im Trierer Westen. Christian Kremer

Konz/Schweich/Saarburg. Der Koalitionsausschuss der rheinland-pfälzischen Landesregierung hat seine Prioritäten für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur in der Region gesteckt. Während die rot-grüne Koalition den 19 Millionen Euro teuren Ausbau der Bahn-Westtrasse in Trier und die Erweiterung der Biewertalbrücke (B 52) auf vier Spuren priorisiert, sind weder die Trierer Nord- noch die Westumfahrung (Moselaufstieg) Teil ihrer Pläne (siehe Extra). Beide Großprojekte werden nicht im Bundesverkehrswegeplan 2015 bis 2025 auftauchen. Der Bundesverkehrswegeplan ist ein Instrument der Bundesregierung, das die Verkehrsinfrastrukturprojekte der kommenden Jahre regelt. Die Landesregierung hatte zwar schon zuvor signalisiert, dass die Projekte keine Rolle für sie spielen, aber in dieser Endgültigkeit ist die Entscheidung neu.

Landrat empört sich: Es handele sich um einen schwarzen Tag für Trier und Umgebung, sagt der Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz. Die Entscheidung gegen Moselaufstieg und Nordumfahrung hält er für falsch: "Damit bleiben die Autobahnlücken und die bereits heute offensichtlichen Verkehrsprobleme in und um Trier herum auf viele Jahre hinaus bestehen", meint Schartz. Gravierend sei, dass die Saar-Obermoselregion von einer vernünftigen Verkehrsinfrastruktur abgeschnitten bleibe.
Der Landrat kritisiert auch den Weg zu der Entscheidung. Im Koalitionsvertrag habe die Landesregierung angekündigt, wichtige Entscheidungen unter Einbindung der Bevölkerung in einem transparenten Verfahren zu fällen. Bei den Planungen zur Verkehrsinfrastruktur habe dieser Vorsatz keine Rolle gespielt. Anders als zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen: Dort seien die Bürger über Internetforen und Regionalkonferenzen beteiligt worden. Auch die Kommunen seien um Stellungnahmen gebeten worden. "Öffentlich wird Bürgerbeteiligung und Transparenz gepredigt, doch ein nächtlicher Kuhhandel praktiziert", kritisiert Schartz.

Kammern protestieren: Die Industrie- und Handelskammer (IHK) hält die Beerdigung der Nord- und Westumfahrung für eine "klare Watsche für Trier, die wir nicht ohne weitere Diskussion hinnehmen", sagt IHK-Verkehrsexperte Wilfried Ebel. Ohne das Aufzeigen einer Alternative werde hiermit das tägliche Verkehrschaos in Trier besiegelt und Stadt und Umland die Hoffnung auf die zwei zentralen Chancen zur Verbesserung der Mobilität genommen. Die Handwerkskammer (HWK) sieht die Lage ähnlich: "Für uns ist unklar, wie die Verkehrsprobleme im Raum Trier ohne West- und Nordumfahrung gelöst werden sollen. Deshalb hält die HWK beide Projekte nach wie vor für notwendig", sagt Matthias Schwalbach von der HWK.

Umweltschützer erleichtert: "Wir nehmen das mit Erleichterung und Freude zur Kenntnis", sagt Manfred Weishaar, Vorsitzender des Naturschutzbunds (Nabu) Region Trier. Der Bau der Nord- und Westumfahrung für Trier wären aus Sicht des Nabu mit riesigen ökologischen Einschränkungen verbunden, deshalb habe er sich immer gegen die Nord- und Westumfahrung eingesetzt. Den Ausbau der Bahntrasse im Trierer Westen begrüße der Verband hingegen.Meinung

Mehr Alternativen müssen her
Es muss eine neue Moselbrücke her. Nur so werden weite Teile des Kreises Trier-Saarburg an das überregionale Vekehrsnetz angebunden. Diese Brücke muss nicht der Moselaufstieg sein. Doch die Alternativen fehlen im Plan der Landesregierung. Denn vom Ausbau der Bahntrasse im Trie rer Westen haben die Menschen auf der anderen Moselseite - speziell im Raum Konz-Saarburg - nichts. Nur wenn bei Konz ein zweites Gleis über die Mosel geführt würde, könnten die Saar- und Obermoselstrecken an die Westtrasse angebunden werden. Auch das tägliche Auto-Pendlerchaos auf der B 419 bleibt, wenn an die Obermosel keine neue Brücke kommt. c.kremer@volksfreund.deExtra

Der sogenannte Moselaufstieg, die Trierer Westumfahrung, teilt die Region in Befürworter und Gegner. Die einen sehen in der direkten Anbindung der B 51 bei Konz über die Mosel zwischen Igel und Trier-Zewen zur A 64 die Lösung der Verkehrsprobleme in der Region. Kritiker halten das Projekt für zu teuer, umweltfeindlich und ineffektiv. DieMeulenwaldautobahn oder Nordumfahrung steht für eine Fortführung der A 64 und einen Anschluss an die A 1. Sie geriet wegen baulicher, ökologischer und finanzieller Unwägbarkeiten in die Kritik. Westtrasse: Zurzeit fahren im Trierer Westen nur Güterzüge. Es sind aber Haltepunkte für den Personenverkehr in Trier-West/Euren, Pallien, Zewen, Biewer sowie am Messepark geplant. So soll der Bahnverkehr nach Luxemburg gestärkt werden. Biewertalbrücke: Die B 52 verläuft über die Biewertalbrücke zurzeit nur über zwei Spuren in Richtung Moseltal und auf einer in Richtung Luxemburg. Der Ausbau auf vier Spuren soll die Probleme dort entschärfen. cmk