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Moselaufstieg ade: Wut und Protest in Trier

Trier. Mit Wut und Unverständnis reagieren Wirtschaft und Politik in Trier auf den Beschluss der rot-grünen Mainzer Koalition, West- und Nordumfahrung nicht für den Bundesverkehrswegeplan 2015 bis 2025 anzumelden (der TV berichtete). Die Industrie- und Handelskammer will die Entscheidung nicht hinnehmen, und auch die Stadtverwaltung protestiert. Jörg Pistorius

Trier. Die Befürworter der Nord- und Westumfahrung haben es befürchtet und kommen sehen. Schließlich haben die seit 2011 in Mainz mitregierenden Grünen bereits im Koalitionsvertrag durchgesetzt, auf den Moselaufstieg zu verzichten und stattdessen auf einen Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs zu setzen. Deshalb sind auch 19 Millionen Euro für den Ausbau der Bahn-Westtrasse in Trier mit Haltepunkten in Trier-West/Euren, Pallien, Zewen, Biewer und am Messepark geplant.
Die in der Nacht zum Dienstag getroffene Einigung des Koalitionsausschusses, die West- und Nordumfahrung der Stadt Trier nicht für den Bundesverkehrswegeplan anzumelden, ist in ihrer Endgültigkeit neu und wohl das endgültige Ende der umstrittenen Projekte.

Der Bundesverkehrswegeplan ist ein aus mehreren Schritten bestehendes Planungsinstrument. Die erste Hürde, die ein Straßenbauprojekt auf dem Weg zur Aufnahme nehmen muss, ist die Anmeldung durch das jeweilige Bundesland. Die wichtigsten Projekte werden im vordringlichen Bedarf zusammengefasst. Das letzte Wort hat der Bundestag mit der Verabschiedung des Fernstraßenausbaugesetzes.

Der Moselaufstieg, die Trierer Westumfahrung, polarisiert seit 30 Jahren. Befürworter sehen in der direkten Anbindung der B 51 bei Konz über die Mosel zwischen Igel und Trier-Zewen zur A 64 die Lösung der Verkehrsprobleme der Region und vor allem der Stadt Trier. Kritiker halten das Projekt für zu teuer, umweltunfreundlich und nicht effektiv. DieNordumfahrung steht für eine Fortführung der A 64 und einen Anschluss an die A 1.

Die Industrie- und Handelskammer hält die Beerdigung der Nord- und Westumfahrung für eine "klare Watsche für Trier, die wir nicht ohne weitere Diskussion hinnehmen", sagt IHK-Verkehrsexperte Wilfried Ebel. Ohne erkennbare Alternative werde hiermit das tägliche Verkehrschaos im Oberzentrum besiegelt und Stadt und Umland die Hoffnung auf die zwei zentralen Chancen zur Verbesserung der Mobilität im Raum Trier genommen. Die Handwerkskammer sieht die Lage ähnlich: "Für uns ist unklar, wie die Verkehrsprobleme im Raum Trier ohne West- und Nordumfahrung gelöst werden sollen. Deshalb halten wir beide Projekte nach wie vor für notwendig", sagt Matthias Schwalbach, Abteilungsleiter Wirtschaftsförderung.

Die Stadtverwaltung Trier appelliert an die Landesregierung, der Forderung des Stadtrates zu folgen und sowohl Moselaufstieg als auch Meulenwaldautobahn doch für den Bundesverkehrswegeplan anzumelden und den Koalitionsbeschluss an dieser Stelle zu revidieren. Das betont Ralf Frühauf vom Presseamt.

Der Naturschutzbund Region Trier applaudiert. "Wir nehmen die Entscheidung mit Erleichterung und Freude zur Kenntnis", sagt sein Vorsitzender Manfred Weishaar. Der Bau der Nord- und Westumfahrung wäre aus Sicht des Nabu mit riesigen ökologischen Einschränkungen verbunden.


PROEin sinnvoller Kompromiss

Rainer Neubert

Was ist wünschenswert, was bezahlbar? Angesichts der Milliardenschulden bei Bund und Land muss diese Frage in Zukunft noch viel intensiver diskutiert werden, wenn es um Großprojekte wie den Moselaufstieg und erst recht um die Nordumfahrung geht. Eine neue Autobahn am Rande des Meulenwalds ist unsinnig und überflüssig, zumal für weitaus weniger Geld die Verbindung von Ehrang in Richtung A 64 nach Luxemburg ausgebaut werden kann. Mehr Straße produziert mehr Verkehr. Deshalb ist es angesichts der bestehenden Zwänge sinnvoll, auf den Ausbau des Personenverkehrs auf der Schiene zu setzen. Die Aktivierung der Westtrasse mit neuen Haltepunkten wird allerdings nur dann Menschen von der Straße bringen, wenn der Fahrplan auf der Strecke attraktiv ist, sprich eine Zeitersparnis bringt. Und teurer als mit dem Auto darf es auch nicht werden. r.neubert@volksfreund.de
KONTRAWahrhaftig kein Triumph der Vernunft

Jörg Pistorius

Die Wahrheit ist sehr simpel, und niemand wird sie ernsthaft widerlegen können. Trier braucht eine Umgehung. Dringend. Der Moselaufstieg und die Meulenwaldautobahn sind keine optimalen Lösungen. Sie bringen massive Hürden und Nachteile mit, sie verursachen enorme Kosten, und sie belasten die Umwelt. Das sind typische Merkmale großer Straßenbauprojekte. Doch an diesen Merkmalen sind West- und Nordumfahrung nicht gescheitert. Sie wurden ein Bauernopfer für die Grünen als Koalitionspartner in der Landesregierung. Wie Figuren in einem Schachspiel opferte Rot-Grün in Mainz die Umfahrungen, obwohl sie für Trier und Trier-Saarburg enorm wichtig gewesen wären. Das Ende des Moselaufstiegs ist wahrhaftig kein Triumph der Vernunft, sondern ein extremer Rückschlag im Kampf um eine Verkehrsentlastung.
j.pistorius@volksfreund.de