Moselaufwärts zum Spektakel
Das Mirabellenfest in Metz ist Karneval, Kirmes und Party in einem. Zum finalen Umzug lud das Städtebündnis Quattropole die Bürger von Saarbrücken, Luxemburg und Trier in die Partnerstadt ein. Aus Trier machten sich Hunderte auf den Weg moselaufwärts - in Bussen, Sonderzügen oder privat.
Metz/Trier. Eine winzige Ankündigung hat genügt: So rasch waren die Gratis-Touren nach Metz ausgebucht, sodass die Stadt spontan ein paar Gelenkbusse der SWT chartern musste. Nun machen sich 350 erwartungsfrohe Trierer am Sonntagvormittag auf den Weg vom Busparkplatz am Metzer Stadion in die hübsche Altstadt, wo sie Landsleute treffen, die per Bahn oder Auto angereist sind.
Um 12 Uhr gehört die Stadt den Trierern fast allein. Man erkennt sie daran, dass sie ordentlich an roten Fußgänger-Ampeln stehen bleiben, selbst wenn kein Auto kommt. Ganz Metz liegt offenbar erschöpft von den bereits seit einer Woche andauernden Feierlichkeiten und dem monumentalen Feuerwerk am Vorabend in den Betten. Offene Restaurants sind Mangelware, die Suche ist gleichzeitig ein Crash-Kurs in Sachen französische Essgewohnheiten: Bei den Nachbarn pflegt man abends auswärts zu speisen, und nicht am hellichten Sonntagmittag.
Für etliche ist der Metz-Besuch trotz der räumlichen Nähe eine Premiere, so wie beim Studenten-Pärchen Lars und Ina. Sie staunen über die attraktive Innenstadt rund um die imposante Kathedrale. Dorthin zieht es auch Raymund Weber und seine Frau. Der langjährige Französisch-Experte am Trie-rer Hindenburg-Gymnasium, ein alter Hase in Sachen Metz, erinnert sich an Zeiten, da das Verhältnis zwischen den Rathäusern in der Großregion frostiger war. "Schön, dass sich das mit Quattropole geändert hat", sagt Weber und bestellt fachgerecht "une bière pression" auf der Terrasse des Bistros zu Füßen der Kathedrale.
Ein Paradies hinter schlichter Verpackung
Ein Muss ist der Besuch auf dem Mirabellen-Markt. Er gilt als große Attraktion, besteht aber im Grunde nur aus einigen schmucklosen Stoff-Pavillons. Da kapiert man, warum die Franzosen so vernarrt in den Trierer Weihnachtsmarkt sind.
Wer allerdings genau hinsieht, entdeckt hinter der schmucklosen Verpackung ein Mirabellen-Paradies. Unglaublich, was in den Obst-Anbaugebieten rund um Metz alles aus der kleinen gelben Frucht gezaubert wird - egal ob getrocknet, verflüssigt oder anderweitig veredelt. Mirabellen-Honig, -Wein oder -Bonbons hätte man vielleicht noch erwartet, aber Mirabellenbrot oder Mirabellenbier? Da halten sich die Trierer doch lieber an die kunstvollen Backwaren.
Nur wenige schauen angesichts sengender Sonne bei der Mammut-Baustelle des "Centre Pompidou". Das Kulturzentrum, größtes seiner Art nach Paris, sollte zum Kulturhauptstadtjahr 2007 fertig werden, dann hieß es 2008, inzwischen 2009. Aber wer den betonstarrenden Rohbau mit den unzähligen Stahlgerüsten sieht, dürfte auch letzteres für Zweck-Optimismus halten.
Zeit für die Haupt-Attraktion: Der angekündigte Mirabellen-fest-Umzug sorgt dafür, dass sich die Stadt am frühen Nachmittag mächtig füllt. Zu sehen ist eine Art Rosenmontagszug im Sommer, freilich ungleich bunter und origineller als die Umzüge hierzulande. Bildhübsche Motiv-Wagen aus riesigen Blumen-Kunstwerken ziehen an zehntausenden Schaulustiger vorbei, immer wieder brandet Beifall auf. "Ein süßer Zug", findet Petra Krause. Stelzengänger ziehen vorbei, aber auch Komiker wie ein Fahrrad-Orchester aus Holland oder Skifahrer, die im Schneeanzug durch die Hitze tappen.
Da erschöpft allein das Zusehen derart, dass die Trierer gegen Abend sichtlich erschöpft zu ihren Bussen zurückwandern. Das Fazit ist positiv, sowohl bei der "Absacker"-Runde im nahegelegenen Freizeitpark als auch bei Organisatorin Brigitte Wojcik. "So kriegen wir Leben in den Städtebund", sagt die Quattropole-Koordinatorin im Rathaus. Weitere Projekte sind schon geplant - aber dann auch in die andere Richtung.