Moselbahn Mehring Bahnhof Restaurierung

Infrastruktur : Vor der Arbeit ein Schnaps von Irmchen

Irmgard Wagner (80) freut sich über den Ausbau des Mehringer Bahnhofs und erinnert sich, wie sie dort als junges Mädchen in der Kneipe ausgeholfen hat.

Dass die Familie Annen aus Mehring den früheren Mehringer Bahnhof gekauft hat, um ihn nach historischem Vorbild zu restaurieren und danach gastronomisch zu nutzen, ist sehr positiv aufgenommen worden. „Nachdem der Artikel im TV erschienen ist, haben mir viele Leute gesagt, dass sie froh sind, dass am Moselradweg endlich etwas passiert”, sagt Stefan Annen. Seit dem Jahr 2006 liegt die frühere Haltestation des „Saufbähnchens”, wie die Moselbahn im Volksmund genannt wurde, brach. Davor war das markante, um das Jahr 1887 erbaute Fachwerkgebäude bewohnt und beherbergte auch einen Imbiss.

In dem Zeitungsbericht hatte Stefan Annen darum gebeten, dass sich Personen melden, die noch Erinnerungen an den alten Moselbahn-Bahnhof haben. Fotos von außen gebe es einige, aber es fehle an Vorlagen, die zeigten, wie das Objekt vor einem Umbau Mitte der sechziger Jahre im Inneren ausgesehen habe. Von solchen Zeitdokumenten erhoffen sich die Annens – beim Umbau helfen auch die Söhne Fabian und Sebastian – Erkenntnisse für einen möglichst originalgetreuen Ausbau. Das ist auch im Sinne des Denkmalamts, denn die Immobilie steht unter Denkmalschutz.

Besonders gefreut hat sich Stefan Annen über die Rückmeldung von Irmgard Wagner aus Schweich. Sie hat als junges Mädchen morgens in der Bahnhofswirtschaft ausgeholfen, bevor sich die Fahrgäste mit dem 6.30-Uhr-Zug in Richtung Trier aufmachten.

„Frau Jakobs, die Wirtin, hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mir ein paar Mark dazuzuverdienen. Daraus sind dann acht Jahre geworden”, sagt die gebürtige Mehringerin. Schon damals sei sie nur „Irmchen” gerufen worden, sagt die 80-Jährige, die heute in Schweich lebt und immer noch im Sportlerheim des TuS Mosella hinter dem Tresen aushilft, wenn mal Not am Mann ist. Seit zwei Jahren ist sie Ehrenmitglied des Sportvereins.

Sie habe im Mehringer Bahnhof morgens den Männern immer den Schnaps eingeschenkt und Bier gezapft – Trester und Königsbacher. „Ich war 14 und habe gleich nach der Schule in einer Textilreinigung in Trier angefangen zu arbeiten. Um 6 Uhr bin ich immer mit meinem Vater zum Bahnhof, er war Maurer und fuhr auch mit der Moselbahn nach Trier.”

Als sie gelesen habe, dass die Annens den Bahnhof so herrichten wollen,  wie er war, habe sie zuerst einmal vor Freude geweint, sagt die rüstige Seniorin. „Mehring ist noch immer meine Heimat.” Damals sei es nicht so genau zugegangen wie heute. „Wenn die Jungs zu spät für den Zug waren, sind sie auf der anderen Seite der Brücke runter und haben gerufen. Da hat der Lokführer angehalten.” Auch die Schweicher seien oft nicht pünktlich gewesen, obwohl die ja mit der „Staatsbahn” hätten fahren können (Anm. d. Red.: die heutige Strecke Koblenz-Trier). Die Moselbahn war eine Privatbahn.

Irmgard Wagner erinnert sich noch ganz genau an den Abend des 31. Januar 1968. Um 21.40 Uhr startete der letzte Triebwagen in Mehring zur Fahrt nach Trier. Diese Fahrt bedeutete das endgültige Aus der Moselbahn nach 65 Jahren. „Es war ein schlimmer Tag. Mein Vater trug seinen schwarzen Anzug mit Zylinder, ich das Brautkleid meiner Mutter. Der Triebwagen war mit Girlanden geschmückt, alle Gäste waren unendlich traurig.” Viele hätten das Ende des Saufbähnchens nicht wahrhaben wollen, sagt die 80-Jährige. „Am nächsten Morgen standen noch Leute am Bahnhof, obwohl auf der anderen Moselseite ein Bus nach Trier gefahren ist.”

Die Erinnerungen von Irmgard Wagner helfen Stefan Annen dabei, den Mehringer Moselbahn-Bahnhof originalgetreu zu restaurieren. Foto: Albert Follmann

Die Familie Annen und Irmgard Wagner haben vereinbart, in Kontakt zu bleiben. Einige wertvolle Anregungen zum Innenausbau, etwa zur Nutzung der Räume und der Deckenkonstuktion, hat „Irmchen” bereits beigesteuert.

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