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Moselfest, Public Viewing & Co.: Ein Jahr, in dem vieles anders wird

Veranstaltungen : Moselfest, Olewiger Weinfest, Public Viewing & Co.: Ein Jahr, in dem vieles anders wird

Von pyrotechnischen und anderen Feuerwerken: Über einigen Trierer Veranstaltungen 2020 stehen noch Fragezeichen. Ein Großereignis wird es erstmals seit 2010 wohl nicht mehr geben.

Wer sich auf der Internetseite www.trier-info.de über die lokalen Veranstaltungs-Highlights 2020 kundig machen möchte, stellt schnell fest: Da fehlt doch was! Und zwar das Zurlaubener Heimatfest, auch Moselfest genannt. Normalerweise würde die Vier-Tages-Fete vom 10. bis 13. Juli am Zurlaubener Ufer über die Bühne gehen, doch der Termin ist nicht in der Auflistung vermerkt. Die Veranstaltervereine KG Wieweler und MGV Zurlauben hüllen sich in Schweigen. Im Augenblick könne man „leider noch gar nichts zur Zukunft des Festes sagen“, heißt es auf TV-Anfrage.

So darf nun spekuliert werden. Entweder war die 64. Auflage des Traditionsfestes im vergangenen Juli, bei der die eigens gegründete Unternehmergesellschaft finanziellen Schiffbruch erlitten hat, die letzte. Oder es findet sich ein anderer Veranstalter. Doch eine Ersatzlösung kann erst offiziell auf den Weg gebracht werden, wenn sich die bisherigen Festmacher erklärt haben.

Kein Moselfest – das würde auch bedeuten: kein Großfeuerwerk im kommenden Jahr in Deutschlands ältester Stadt. Ein Szenario, an das man sich vielleicht gewöhnen muss. Denn die Vereinigung der Trier-Olewiger Winzer, die traditionsgemäß das Trierer Weinfest in ihrem Stadtteil veranstalten, hat sich intern bereits gegen ein Pyrotechnik-Spektakel beim 72. Weinfest (31. Juli bis 3. August) entschieden. Vereinschef Peter Terges (66) glaubt, mit dem Verzicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können: „Keine Feinstaub-Belastung und ein deutlich reduzierter organisatorischer Aufwand.“ Überhaupt findet Terges, dass die jährlich umfangreicher werdenden Auflagen für Festveranstalter – etwa Absperrungen sowie Sicherheits- und Sanitätsdienste – finanziell kaum mehr zu stemmen seien. Andererseits ist ein Feuerwerk immer eine Publikums-Zugnummer. Sowohl Zurlauben als auch Olewig verzeichneten immer dann den größten Andrang, wenn die große Lichtershow am Nachthimmel steigt.

Für die weitaus meisten der Feuerwerke bei regionalen Großveranstaltungen ist die Firma Steffes-Ollig aus Müllenbacher (Kreis Cochem-Zell) verantwortlich. Geschäftsführer Helmut Reuter (62) sieht sein Unternehmen durch die Umweltschutz-Diskussion nicht in der Existenz bedroht: „Wir haben die Zeichen der Zeit erkannt und sind auf dem Weg zu den ersten CO2-neutralen-Feuerwerken Europas. Im November haben wir in Zusammenarbeit mit der Organisation Plant My Tree bereits 200 Bäume in der Nähe von Bitburg gepflanzt, die das von uns produzierte Kohlendioxid neutralisieren.“ Weitere Pflanzaktionen sollen folgen.

Von den Stammkunden aus dem Raum Trier stehe für 2020 erst eine definitive Absage (für die Laurentiuskirmes Anfang August in Daun) zu Buche. Bei vielen großen anderen (zum Beispiel Konz und Saarburg) habe er „ein gutes Gefühl, dass die Veranstalter weiterhin unsere Dienste in Anspruch nehmen“.

Feuerwerke sind gewissermaßen auch eine Spezialität der Karnevals-und Theatergesellschaft (KG) Trier-Süd 1923, allerdings solche der völlig pyrotechnikfreien Art. „Wir möchten auch in der Session 2020 wieder ein Feuerwerk an Humor,  guter Laune und tollen Tänzen zünden“, erklärt KG-Pressesprecher Ulrich Krugmann (59). Allerdings kann er noch nicht sagen, wo das denn geschehen soll. Über die vereinseigene Festhalle am Bach (Nähe Südbahnhof) hat die Stadt ein baurechtliches Nutzungsverbot verhängt. Bislang ist unklar, ob die KG Trier-Süd eine Ausnahmegenehmigung bekommen kann, oder die drei geplanten Sitzungen (2., 15. und 22. Februar) sowie das Ordensfest (24. Januar) an einem ebenfalls noch nicht feststehenden Ausweichort steigen. Anfang Januar sollte laut Krugmann „klar sein, wohin der Hase läuft. Dann können wir auch endlich den Kartenvorverkauf starten“.

Solche Sorgen hat die Viezbruderschaft Trier nicht. „Wir bereiten gerade ganz entspannt unser Jubiläum vor“, sagt der Vorsitzende Hanspitt Weiler (70). Die fünfte Auflage des alle zwei Jahre stattfindenden Viezfestes wird am Samstag, 22. August, wie gehabt auf dem Domfreihof und bei freiem Eintritt gefeiert.

Auch bei den Vorbereitungen des Altstadtfestes, dem von der städtischen Tourismus und Marketing GmbH (TTM) organisierten größten Trierer Freiluftevent, scheint alles reibungslos zu laufen – zumal es ohnehin kein Feuerwerk gibt. Termin diesmal: 26. bis 28. Juni.

Nicht stattfinden wird hingegen das gesellige Fußball-Rudelgucken anlässlich der Europameisterschaft (12. Juni bis 12. Juli) auf dem Viehmarkt, jedenfalls nicht in der bisherigen Machart. „Nein, ich plane kein Public Viewing mehr“, bestätigt Kaufmann und Gastronom Eric Naunheim kursierende Gerüchte, er habe nach dem 2018er WM-Debakel von Jogis Jungs keine Lust mehr auf große Investitionen bei ungewissem Ausgang.

Naunheim organisierte seit der WM 2010 die öffentlichen Live-Übertragungen mit bis zu 8000 Besuchern auf dem Viehmarkt und kooperierte dabei mit den dortigen Gaststättenbetreibern. Allerdings führt der 53-Jährige nicht nur den „exorbitant hohen Aufwand“ für seine Abkehr vom Public Viewing an: „Ich finde, das Format ist ein Auslaufmodell. Was zu ,Sommermärchen’-Zeiten funktioniert hat, lässt sich heute nicht mehr wiederholen. Da große Interesse ist weg.“

Ein anderes Event der Marke Naunheim bleibt dem Trierer Veranstaltungskalender erhalten: Die Sekt-Gala Nummer drei vor dem Kurfürstlichen Palais steht vom 7. bis 10. August auf dem Programm.

Einen Rückblick auf die großen Feste und Veranstaltungen im Jahr 2019 finden Sie auf den Seiten 10 und 11.