Motorrad statt Rollstuhl

TRIER. (mer) Für viele Behinderte ist der Motorrad-Ausflug des Club Aktiv ein heiß ersehntes Ereignis gewesen: Endlich einmal konnten sie ihren Rollstuhl verlassen und im Beiwagen eines Motorrads den Geschwindigkeitsrausch erleben. Zum dritten Mal kamen Motorradfahrer aus ganz Deutschland und dem Ausland zusammen.

"Mittlerweile hat sich unsere alljährliche Tour weit herumgesprochen, so dass viele Biker teils von weit her nach Trier kommen", erläuterte Peter Bilstein von der Tagesförderstätte des Club Aktiv Trier. Die Einrichtung, die behinderten Menschen ein "normales" Leben zu ermöglichen versucht, konnte sogar einen motorisierten Pastor aus Österreich willkommen heißen. Zusammen mit zahlreichen anderen Motorradfahrern hatte er behinderte Menschen dazu eingeladen, im Beiwagen des Motorrads ein paar unvergessliche Stunden zu erleben. "Für uns Nichtbehinderte ist das ein alltägliches Erlebnis. Doch für einen, der auf den Rollstuhl angewiesen ist, ist so eine Tour ein sensationelles Erlebnis", sagte Bilstein. Für viele Behinderte ging ein lang gehegter Traum in Erfüllung: Im Beiwagen die reizvolle Strecke von Trier nach Bollendorf zu erleben. Um die gewagte Idee seiner "Boots-Tour" (Boot steht für Beiwagen) zu verwirklichen, hatte Bilstein auf eine E-Mail-Liste von Fahrern der italienischen Marke Moto-Guzzi zurückgegriffen, denen er das Projekt schilderte. Prompt meldeten sich zahlreiche Fahrer aus ganz Deutschland und dem Ausland. Der Guzzi-Fahrer Boris Volland aus Bayern reiste mehr als 800 Kilometer. "Das ist eine super Aktion", lobte er. Für ihn hatten sich die Mühen und Kosten der Anreise gelohnt, als er in die glücklichen Gesichter seiner Beifahrer blickte. Darin war die Begeisterung deutlich abzulesen, etwa bei Daniel May. Zum dritten Mal war er bei der Tour dabei. Jedes Mal freut er sich über den Nervenkitzel auf der Straße. Einmal frischen Fahrtwind spüren, sich in die Kurven legen, frei sein - was für die meisten Menschen nichts besonderes mehr ist, lässt Daniel ein paar Stunden sein Schicksal vergessen.

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