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Müder Motor und rostige Nieten

Müder Motor und rostige Nieten

Der Pölicher Ex-Seemann Rainer Lerch und sein Freund Gerd Wilke können auf eine abenteuerliche Schiffstour zurückblicken: Fünf Tage brauchten sie, um einen 72 Jahre alten Klein-Schlepper von Lahnstein nach Pölich zu überführen. Nun will Lerch, der in Pölich einen Bootsbaubetrieb unterhält, das stark mitgenommene Schiff restaurieren.

Pölich. Der ehemalige Schiffsingenieur Rainer Lerch liebt alte Technik, insbesondere wenn sie auf dem Wasser schwimmt. Aber auch zu Lande darf es etwas Bejahrtes sein, wie etwa der Chromleisten-Ford Taunus aus den späten 50er-Jahren, der am Rand des Pölicher Bootshafens parkt. Star und "Alterspräsident" im Hafen ist aber nun der 1936 gebaute Nahe-Schlepper, der noch keinen Namen trägt, sondern sich schlicht "Pahibo" (Pannen-Hilfsboot) nennt.

Im September hatte Lerch den Schiffsveteranen mit genietetem Stahlrumpf auf dem Gelände eines Bootshandels in Lahnstein entdeckt. Das 8,5 Meter lange und nur 1,80 Meter breite Schiff lag dort seit fünf Jahren auf dem Trockenen und befand sich in einem traurigen Zustand.

"Für mich war sofort klar, dass ich dieses Boot haben musste um es zu retten", sagt Lerch.

Über den Preis wurde man sich schnell einig. Doch war die Neuerwerbung nach jahrelanger Zwangspause auf dem Land noch fähig, selbstständig den künftigen Heimathafen Pölich anzusteuern? "Ob das glatt gehen würde, war gar nicht so sicher", sagt Lerch.

Zwei Fragen bereiteten besonderes Kopfzerbrechen: Wie dicht ist der genietete Rumpf und was macht der betagte 60-PS-Dieselmotor? Die Frage nach der Rumpf-Dichtigkeit konnte ein Test beantworten: Von einem Kran gesichert, wurde das Boot zu Wasser gelassen und es hielt dicht. Als Problemfall erwies sich hingegen der Antrieb. Obwohl der Motor erst nach 30 Versuchen ansprang, sollte er sich später sogar als das zuverlässigste Teil der Technik erweisen. Die maroden Nebenaggregate machten die Überführung nach Pölich jedoch zu einem mit Notreparaturen gespickten Hindernislauf. Luftfilter, Kühler, Brennstoffpumpe mit Leitungen und zuletzt das Lager der Schraubenwelle: Kaum etwas an Bord, das Lerch und sein Begleiter während der Fahrt nicht zerlegt und wieder zusammengebaut hätten. Ständiger "Fürsorge" bedurften dabei die Kraftstoffpumpe und der Kühler.

Anfang letzter Woche starteten die beiden zur Fahrt ins Ungewisse. Von Lahnstein ging es rund 20 Kilometer rheinabwärts bis Koblenz, dort ein Turn ums Deutsche Eck und die lange Mosletappe mit ihren Schleusenpassagen begann.

Mit oft kochendem Kühler und rumpelnder Schraubewelle arbeiteten die Reisenden die Moselorte ab. Übernachtet wurde meist in Hotels am "Wegesrand", oder auch mal in der winzigen Kajüte.

Motorpanne im Schleusenstrudel



Durch die unzuverlässige Technik gerieten insbesondere die Schleusendurchfahrten zum Abenteuer. Dazu aus Lerchs Bordbuch:

"Zweiter Tag: Motor geht direkt vor Schleuse Enkirch aus - wieder die Treibstoffpumpe. Geraten in Strudel und Boot setzt mit dem Heck auf. Freigemacht und per Hand in die Schleuse gezogen."

Nach fünf Tagen tuckert der Schiffsveteran mit eingeschalteten Positionslichtern dem Pölicher Schiffsanleger entgegen. An Bord zwei ölverschmierte Gestalten, erschöpft aber glücklich. An Land warten Verwandte und Freunde. Es gibt Applaus und einen Sektempfang. Dann dreht Lerch noch mal eine Ehrenrunde auf der Mosel, bevor er das Schiff endgültig im Hafen vertäut.

Lerch: "Ich werde es erst einmal von Grund auf renovieren. Möglich wäre dann sein Einsatz als Schlepp- und Serviceboot in einem Yachthafen."