Mundart-Kolumne Trierisch balaawern

Trierisch balaawern : Sei dut gien

Man kann nicht sagen, dass das Trierische vom Standarddeutsch abgekoppelt als eigene Sprache daherkommt. So findet man Sätze, die  in beiden Varianten gleich klingen.

Ich gehe kaufen. Die Übertagung ins Trierische: Eisch gie kaafen. Eisch gien hamsdern, Eisch gien aanen dröngken. Kein Unterschied. Gehen verlangt in beiden Sprachenvarianten eine weitere Erläuterung.

Wir sind laufen gegangen, sagte früher ein Mitschüler. Die heftige Reaktion des Deutschlehrers hatte er nicht einkalkuliert. Entweder laufen oder gehen lautete seine Zurechtweisung. Sprachlicher Unsinn! Doch im Trierischen hört sich das wesentlich unspektakulärer an. Mir sö laawe gaang. Der Trierer vemeidet das ge-gangen. Einfach gaang. Punkt. Listig!

Gehen übernimmt hier fast die Funktion eines Modalverbes, wie müssen, sollen, wollen, dürfen etc.

Ein anderes Wort schenört seisch önn Trier nött, zu den Modalverben aufzuschließen: Dun.

Es klingt sehr angenehm in Trierer Ohren. Eisch dun datt schaffen. Ich schaffe das. Eisch dun deisch gut heeren. Ich höre dich gut. Damit wird tun im Unterschied zu gehen zum vollwertigen Modalverb. Neist giet mie oni dun. Es geht nichts mehr ohne den Zusatz tun. Ich tue arbeiten. Im Standarddeutsch unmöglich! Eisch dun schaffen. Im Trierischen normal.

Was geschieht, wenn man beide Wörter gleichzeitig verwendet? Die dut gien. Sie geht. Es geht noch besser. Dän dut kaafe gien. Eine herrliche Kombination. Sonst geächtet. Er tut kaufen gehen! Fast die Höchststrafe. Egal. Dut datt aanfach su maachen.

                                    Josef Marx  

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