Musik am Puls der Erde

"Klangwelten" haben sich in der Tuchfabrik Trier geöffnet. Beim Festival gab es authentische Musik aus Afrika, Borneo und Rajastan zu hören. 120 Zuhörer ließen sich auf die musikalische Weltreise ein. Harfenist Rüdiger Oppermann, der das Festival seit 1987 organisiert, stellte die Künstler vor.

Trier. Durch die Tür der Tufa in eine andere Welt: Auf der Bühne sitzen sechs Schwarzafrikaner an einem langen Kasten, darauf roh behauene Holztasten. In atemberaubendem Tempo lassen sie Schlegel darauf niederprasseln. Wuchtig, erdig und dumpf entfaltet sich der Rhythmus, nach geheimnisvollen Gesetzmäßigkeiten mal schneller, mal langsamer, mal hat er melodiösen oder rituellen Charakter. "Puls der Erde" nennt Rüdiger Oppermann diese Musik, und das nicht nur wegen ihres archaischen Eindrucks. Das Instrument ist ein Erd-Xylofon (Embaire), die Tasten werden normalerweise über einen Graben im Boden gelegt. Die Männer, die es so virtuos spielen, hat Rüdiger Oppermann mit großem finanziellen und bürokratischem Aufwand aus dem kleinen Dorf Nakibembe in Uganda zur aktuellen Klangwelten-Tournee eingeflogen.
Seit 26 Jahren veranstaltet der vielfach Ausgezeichnete das Festival mit wechselnden Musikern aus aller Welt, um in Deutschland die Wertschätzung für andere Völker und ihre Kulturen zu fördern. Er legt Wert auf Authentizität, das Publikum soll keine geschönte Folklore geboten bekommen. Deshalb liefert er auch viele Hintergrund-Erklärungen. Alle Musiker, die er an diesem Abend vorstellt, präsentieren sich in traditioneller Kleidung und mit traditionellen Klängen.

Ngau Jau aus dem Stamm der Ureinwohner von Borneo spielt auf einem lautenähnlichen Instrument, Sape heißt es, das er aus einem ausgehöhlten Ast selbst gebaut hat. Seine Melodien über den Regenwald, in dem er mit seiner ganzen Dorfgemeinschaft ein einziges Langhaus bewohnt, sind sehr heiter und filigran.
Sugna Ram aus Rajastan spielt ein Saiteninstrument, die Spieß-Geige Ravantha, über deren obertonreichen silbrigen Klang er seinen Gesang legt. Tabla-Meister Jatinder Thakur begleitet ihn mit perlenden Rhythmen. Doch nicht nur als Solisten verzaubern die Musiker. Vor allem, wenn sie sich inklusive der keltischen Harfe von Rüdiger Oppermann zum musikalischen Austausch treffen, liegen Afrika, Borneo und Rajastan ganz nah - an fremden Kulturen Interessierte finden ferne Länder, Klangwelten und den Puls der Erde an diesem Abend direkt vor der Haustür. ae

Mehr von Volksfreund