Musikalische Partnerschaft

TRIER. Zum vorletzten Konzert der diesjährigen Mosel Festwochen hatten der Trierer Kammerchor unter Manfred May und das Vokalensemble Herzogenbusch unter Jos Akkermans zu einer gemeinsamen Chorserenade in die Promotionsaula des Bischöflichen Priesterseminars geladen.

Seit Beginn der Städtepartnerschaft zwischen Trier und dem niederländischen Herzogenbusch 1968 steht die Kultur im Zentrum des breit gefächerten gegenseitigen Austausches. Was liegt also näher, als Chöre aus beiden Städten gemeinsam auftreten zu lassen? Das Vokalensemble Herzogenbusch hatte den Vortritt. Die etwas mehr als 20 Sängerinnen und Sänger verfügen über gutes Stimmmaterial und gehen genau auf die Anweisungen ihres Dirigenten ein. Mit Arnold Schönbergs "Schein uns, du liebe Sonne" hatten sich die holländischen Gäste kein leichtes Werk ausgesucht. Die schwebende Tonalität erfordert erstklassige Intonation, und da ließ der Chor leider etwas zu wünschen übrig. Der frühe Schönberg erinnert oft noch an Brahms, und so passten zwei aus dessen sieben Liedern op. 62 ("Dein Herzlein mild", "Waldesnacht") bestens als nächster Programmpunkt. Interpretatorisch gab es nichts auszusetzen, aber auch hier hätte man sich etwas mehr Sauberkeit in der Intonation gewünscht. Auftritt Trierer Kammerchor. Mit zwei Liedern von Robert Schumann ("Jägerlied", "Der Schmied") zeigte Manfred May, was man nach mehr als 40 Jahren kontinuierlicher Arbeit mit einem Chor erreichen kann. Phrasierung und Textverständlichkeit stimmten, und die dynamischen Schattierungen waren bestens heraus gearbeitet. Nur beim fortissimo wäre etwas weniger mehr gewesen. Höhepunkt der gesanglichen und interpretatorischen Leistung des Kammerchors waren die "Six Chansons" nach Rainer Maria Rilke von Paul Hindemith. Der virtuose Vortrag des kurzen, rasanten "Puisque tout passe" ließ ein bewunderndes Raunen durch das Publikum gehen. Nach der Pause sang der Trierer Kammerchor noch zwei vierstimmige italienische Madrigale von Claudio Monteverdi. Es überzeugten vor allem die kontrastierenden "Lasciate mi morire" und "Io mi son giovinetta". Zwei wirkliche Raritäten bot dann das Vokalensemble Herzogenbusch. Der Chor hatte sich gesteigert, und so wurden drei Lieder des zeitgenössischen U.S.-Amerikaners Samuel Barber zu einem Erlebnis. Ebenso vier Lieder von Einojanni Rautavaara nach Gedichten von Federico García Lorca, mit ihrer ungewöhnlichen Lautmalerei. Zur Zugabe blieb das Vokalensemble Herzogenbusch auf der Bühne, während der Trierer Kammerchor von der Empore sang: die richtige Aufstellung für Giovanni Gabrielis Madrigal "Lieto godea" für zwei vierstimmige Chöre.