Mutter sagt im Trierer Mordprozess aus: Wenn jedes Wort weh tut

Mutter sagt im Trierer Mordprozess aus: Wenn jedes Wort weh tut

Im Prozess um den gewaltsamen Tod eines 16-jährigen Mädchens aus Trier-Nord hat gestern die Mutter des Opfers über den letzten Abend mit ihrer Tochter gesprochen. Ein unglaublich schwerer Moment, für den sie all ihre Kraft brauchte.



Richterin Petra Schmitz kommt der Zeugin so weit entgegen, wie es Pietät und Verständnis gebieten - und wie es die Prozessordnung zulässt. "Ich weiß, dass es Ihnen heute nicht so gut geht", sagt sie der Mutter des 16-jährigen Mädchens, das im März in Trier getötet worden ist. "Wenn Sie merken, dass es nicht mehr geht, brechen wir ab. Sie können Ihre Aussage dann an einem anderen Prozesstag fortsetzen."

Die blasse Frau mit den blonden Haaren nickt. Der Mann, den die Staatsanwaltschaft für den Mörder ihrer Tochter hält, sitzt ihr am anderen Ende des Sitzungssaals gegenüber. Der 25-jährige Angeklagte vermeidet jeden Blickkontakt.
Der seit Anfang September laufende Prozess hat viele Details des Abends, an dem die 16-Jährige sterben musste, bereits ans Licht gebracht (der TV berichtete mehrmals). Sie war zu Fuß auf dem Weg zum Hauptbahnhof und wollte von dort mit dem Bus zu ihrem Ex-Freund nach Trier-Süd fahren. Doch sie kam nie am Bahnhof an. Auf einem unbeleuchteten Weg im Stadtteil Trier-Nord wurde sie angegriffen und durch vier Messerstiche getötet.

Der 25-jährige Angeklagte hat in einer Erklärung seines Anwalts Thomas Julien gestanden, das Messer geführt und den Tod des Mädchens verursacht zu haben. Er spricht von der Eskalation eines Streits. Die Staatsanwaltschaft glaubt ihm nicht und spricht von Mord: Der Verdächtige habe geplant, die 16-Jährige zu vergewaltigen. Als dieser Plan nicht funktionierte, habe er sie getötet und sei später zum Tatort zurückgekommen, um ihre Leiche anzuzünden und damit seine Tat zu verbergen.

Richterin Schmitz konfrontiert die Mutter des Opfers vorsichtig, aber dennoch präzise mit den Anforderungen an ihre Zeugenaussage. "Bitte schildern Sie uns so genau, wie Ihre Erinnerung es zulässt, wann Sie Ihre Tochter zum letzten Mal gesehen haben, ab wann Sie sie vermisst haben und an wen Sie sich dann mit der Bitte um Hilfe gewandt haben."
In jedem einzelnen Wort, in jeder Regung des Gesichts wird deutlich, wie ungeheuer schwer der Zeugin jedes einzelne Wort fällt. "Wir sind an diesem Tag gerade vom Einkaufen gekommen, als sie per Handy eine Kurznachricht erhalten hat."
Diese Nachricht stammte von einem Ex-Freund, den die 16-Jährige dann auch noch am selben Abend in Trier-Süd besuchen wollte - das hat die Beweisaufnahme bisher klar ergeben. "Sie wollte um zehn Uhr abends wieder da sein."
Als die Richterin fragt, wie verlässlich das Mädchen im Einhalten solcher Absprachen war, kommt die Antwort ohne das geringste Zögern. "Sie war immer pünktlich."

Die Mutter betont, sie habe sich keine Sorgen gemacht. Sie nennt den Namen eines weiteres Freundes, der zusammen mit der 16-Jährigen am Tag ihres Todes Gast auf einer Party war. "Ich habe ihn gekannt, er war oft bei uns. Und er hat sie immer sicher nach Hause gebracht."

Doch nicht an diesem Tag. Denn die besagte Party hatte offenbar Folgen: "Ihm war zu schlecht", berichtet die Zeugin. "Deshalb konnte er nicht mit ihr gehen. Das hat er mir gesagt." Auch den Ex-Freund, den das Mädchen besuchen wollte, habe die Mutter gekannt. "Meine Tochter hat die Trennung von ihm gut weggesteckt", berichtet sie. "Schließlich hat sie Schluss gemacht."

Gegen 21 Uhr sei sie bereits nervös geworden und habe sich Sorgen gemacht. "Ich habe dann versucht, sie auf ihrem Handy anzurufen, aber sie ging nicht ran." Nach einer schlaflosen Nacht sei die Mutter dann zur Polizei Trier gegangen, um eine Vermisstenanzeige aufzugeben.

Der Prozess geht am 30. November und 16. Dezember weiter. Ob es danach weitere Verhandlungstage geben wird, steht noch nicht fest.

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