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Mutterhaus Trier verkauft Klinik in Ehrang​: Was neuer Eigentümer plant​

Neuer Investor : Mutterhaus Trier verkauft Klinik in Ehrang – Was der neue Eigentümer plant

Die Ungewissheit für den Klinikstandort Trier-Ehrang ist beendet. Die Quartiersmanufaktur Trier hat das komplette Gelände gekauft. Was dort nun geplant ist, lässt aufhorchen.

Das vom Hochwasser zerstörte Krankenhaus in Ehrang hat einen neuen Eigentümer. Das ist am Freitag bei einer kurzfristig einberaumten Pressekonferenz bekannt gegeben worden. Das Trierer Unternehmen Quartiersmanufaktur mit den Geschäftsführern Jan Eitel und Martin Koch will die Gebäude auf dem großen Areal erhalten, sanieren und ergänzen. Bis 2028 sollen unter dem Motto „Das vertikale Dorf“ auf einer Nutzfläche von 9500 Quadratmetern 100 Wohnungen und acht bis zehn medizinische Einheiten entstehen. Noch einmal mehr als 5000 Quadratmeter kommen mit den Nebengebäuden hinzu,

„Vor uns liegt ein wunderbares und herausforderndes Projekt mit hoher sozialer Verantwortung“, kommentiert Jan Eitel die Unterzeichnung des notariellen Kaufvertrags, die am 1. Dezember vollzogen wurde. „Als lokal ansässiges Unternehmen freuen wir uns darauf, in den kommenden Jahren dem ehemaligen Krankenhauskomplex neues Leben einzuhauchen.“

In dem innovativen Gesundheits- und Wohnstandort soll neben Wohnungen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen eine medizinische Infrastruktur mit Arztpraxen und sekundärmedizinischen Einrichtungen wie Physiotherapie und Logopädie entstehen. Damit soll die Lücke geschlossen werden, die in Ehrang und den Gemeinden im Umland durch die Schließung des Krankenhauses entstanden ist.

Geplant ist auch die Kooperation mit der benachbarten Seniorenresidenz St. Peter der Creatio-Gruppe. Diese Einrichtung war beim Hochwasser im Juli 2021 ebenfalls schwer beschädigt worden, ist inzwischen aber wieder vollständig in Betrieb. Zusammengearbeitet wird absehbar beim Thema Inklusion. Besondere Wohnprojekte für Senioren und andere Menschen mit Einschränkungen sind Teil des Nutzungskonzepts.

„Die Hälfte der Wohnungen wird als geförderter Wohnraum entstehen“, verspricht Eitel. Er nennt einen Mietpreis von aktuell 6,80 Euro pro Quadratmeter und eine 30-jährige Mietpreisbindung. Familien und Alleinerziehende stehen besonders im Fokus. Angebote wird es aber auch für Paare und Singles geben. Für Senioren soll altersgerechtes Wohnen in Gemeinschaften mit den notwendigen Service- und Betreuungsleistungen möglich sein.

Krankenhaus Ehrang: Neuer Eigentümer Quartiersmanufaktur hat Erfahrung bei ähnlichen Projekten

Die Quartiersmanufaktur beschäftigt sich seit einem Jahrzehnt in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und dem Saarland mit der Konversion von großen Flächen und hat unter anderem Erfahrung bei der Umwandlung von ehemaligen Kasernen in nachhaltige Wohnquartiere nach dem Prinzip „aus Alt mach Neu“. Auf der Referenzliste stehen ehemalige Werks- und Fahrzeughallen, die in Wohnlofts umgebaut wurden, umgenutzte Kasernengebäude und auch ehemalige Kirchen wie Christi Himmelfahrt in Ehrang, die eine neue Nutzung erfahren haben.

Nachhaltigkeit und der Anspruch, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, gehört zur Firmenphilosophie. So sollen die Gebäude der ehemaligen Klinik und auch das ehemalige Schwesternwohnheim erhalten und umfassend saniert werden. Dort könnten moderne Wohnungen für Pflegepersonal entstehen. Was mit dem alten Verwaltungs- und Schulgebäude passiert, ist noch nicht ganz klar.

Klinikum Mutterhaus ist von Konzept für die ehemalige Klinik überzeugt

Die Entscheidung des Krankenhausträgers Mutterhaus der Borromäerinnen, die Klinik in Ehrang nach der Zerstörung der kompletten Haustechnik durch das Hochwasser nicht mehr weiterzuführen, war in Ehrang und den umliegenden Gemeinden auf heftige Kritik gestoßen. Geschäftsführer Dr. Christian Sprenger betonte nun, bei der bundesweiten Ausschreibung habe es keine Interessenten für die Übernahme als reinen Gesundheitsstandort gegeben. „Wir sind aber überzeugt, mit der Quartiersmanufaktur einen Käufer gefunden zu haben, der mit seinem Konzept dem Anspruch einer bestmöglichen Nutzung der Immobilie im Sinne der Ehranger Bürger Rechnung trägt.“ Das sei in allen Gesprächen wichtig gewesen.

Verkaufspreis für die Klinik Ehrang bleibt ein Geheimnis

Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Es sei zwar für das Mutterhaus aus wirtschaftlicher Sicht ein sinnvoller Betrag, so Sprenger. Verkäufer und Käufer hätten dazu aber Stillschweigen vereinbart, hieß es auf eine entsprechende Nachfrage unserer Redaktion. Auch zu den kalkulierten Investitionskosten war noch nichts Konkretes zu erfahren. Quartiersmanufaktur-Geschäftsführer Jan Eitel spricht von einem zweistelligen Millionenbetrag. Nach seiner Einschätzung wird es vermutlich mindestens 1,5 Jahre dauern, bis die konkrete Planung für das Großprojekt steht. „Bis zum Baubeginn rechnen wir optimistisch mit zwei Jahren.“

Das Konzept für die neue Nutzung der ehemaligen Klinik soll den Menschen in Ehrang demnächst in einer öffentlichen Ortsbeiratssitzung vorgestellt werden.

Die Chronologie des Klinkstandorts Trier-Ehrang:

Auf Wunsch von Bischof Korum und dem damaligen Pfarrer von Ehrang, Dechant Görgen, ließen sich am 28. Februar 1895 vier Schwestern der „Franziskanerinnen der allerseligsten Jungfrau Maria von den Engeln“ in Ehrang nieder. Sie übernehmen die ambulante Krankenpflege in der Umgebung, leiten einen Kindergarten, eine Nähschule und betreuen Fabrikarbeiterinnen. In den Jahren 1902/1903 entstanden auf dem heutigen Klinik-Areal erstmals ein Krankenhaus und ein Schwesternwohnheim.

Die Bauteile A und B des heutigen Gebäudes entstanden von 1957 bis 1960 durch einen Anbau des damaligen Schwesternwohnheims und Krankenhauses. Von 1964 bis 1970 wurde der Bauteil A erweitert und neugestaltet. In diesem Zeitraum entstanden zudem ein neues Schwesternwohnheim sowie die Kapelle, die beide noch vorhanden sind. In den folgenden Jahren gab es Anpassungen und Erweiterungen.

Durch eine Fusion des katholischen Marienkrankenhauses in Ehrang und des evangelischen Elisabeth-Krankenhauses in Trier-Nord entstand im Jahr 2009 das Ökumenische Verbundkrankenhaus Trier (ÖVK). Im Jahr 2010 wurde das Gebäude in Ehrang um den Bauteil C

erweitert. Im September 2012 sollte die Geburtshilfestation vom damaligen Elisabeth-Krankenhaus ins Marienkrankenhaus verlegt werden. Aufgrund des Drucks der Öffentlichkeit wurde die Entscheidung aufgehoben. 2016 erfolgte die Übernahme des ökumenischen Verbundkrankenhauses Trier durch das Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen.

Am 15. Juli 2021 wurde das Untergeschoss des Krankenhauses durch ein Hochwasser der Kyll vollständig überflutet. Die Schäden waren so groß, dass der Krankenhausbetrieb nicht fortgeführt werden konnte.

Seit dem 1. Dezember 2022 ist der Trierer Projektentwickler Quartiersmanufaktur Eigentümer der ehemaligen Klinik. Bis 2028 soll ein innovativer Wohn- und Gesundheitsstandort entwickelt werden.