Nach 1700 Jahren bröckelt der letzte Putz
Zwei in luftiger Höhe an der Konstantin-Basilika werkelnde Damen sorgen für Aufsehen. Mission ihres High-Tech-gestützten Einsatzes: Notsicherungs-Maßnahmen und Untersuchungen an den letzten römischen Putzresten an den Fensterlaibungen der einstigen Palast-Aula.
Trier. 1700 Jahre alt ist Kaiser Konstantins Thronbau. Heute präsentiert er sich "nackt" - ganz im Gegensatz zum 4. Jahrhundert, als römische Herrscher in Trier residierten.
Früher verputzt, heute nackt
Der Ziegelbau war ursprünglich rundum verputzt und farbig gefasst. Die letzten Überbleibsel des Original-Putzes befinden sich heute noch in den Fenster-Laibungen der Konstantin-Basilika, doch an ihnen nagt der Zahn der Zeit.
Und zwar so bedrohlich, dass sich das Land Rheinland-Pfalz als Eigentümer des monumentalen Gemäuers zu einer mehrstufigen Rettungsaktion entschlossen hat. Phase 1 geht in dieser und der nächsten Woche über die Bühne. Diplom-Restauratorin Nicole Riedl (37) aus Bamberg und ihre Kollegin Friederike Funke untersuchen die Putz-Partien und nehmen da, wo besonders dringend nötig, erste Notsicherungs-Maßnahmen vor.
Damit werden die beiden Damen selbst zur Touristen-Attraktion. Denn ihr "Arbeitsplatz" befindet sich in luftigen Höhen zwischen zehn und 25 Metern, in die sie mittels einer von einer Luxemburger Firma geliehenen, fahrbaren High-Tech-Arbeitsbühne gelangen. Den unten auf dem Basilika-Vorplatz winkenden und fotografierenden Touristen können die beiden Spezialistinnen dabei nur wenig Aufmerksamkeit widmen.
Sie leisten konzentriert Filigranarbeit. "Wir haben es hier mit dem einzig noch erhaltenen bemalten römischen Außenputz nördlich der Alpen zu tun", berichtet Nicole Riedl. Die Bamberger Diplom-Restauratorin hat 2006 ihre Doktorarbeit über "Provinzialrömische Wandmalerei in Deutschland geschrieben" und dafür auch am Rheinischen Landesmuseum geforscht. Es nun "ganz praktisch" mit durch Wind, Wetter und Umwelteinflüsse gefährdeten Hinterlassenschaften römischer Bauleute zu tun zu haben, findet die 37-Jährige "ungemein spannend".
Bis Ende kommender Woche sind sie und Kollegin Friederike Funke mit Notsicherungsarbeiten sowie Fotografieren und Vermessen der Putzpartien beschäftigt. Anschließend will die Trierer Niederlassung des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) ein Konzept zur Restaurierung und Erhaltung des raren Römer-Putzes entwickeln.