Nach Beinahe-Raub in Trier: Landesmuseum bringt Goldschatz in Sicherheit

Kostenpflichtiger Inhalt: 2600 Goldmünzen : Nach Beinahe-Raub in Trier: Landesmuseum bringt Goldschatz in Sicherheit

Der Sammlerwert der römischen Münzsammlung des Rheinischen Landesmuseums beträgt wohl mehrere Millionen Euro. Fast hätten Einbrecher es geschafft, das wertvolle Exponat zu stehlen.

Auch als die Täter längst geflohen und unauffindbar waren, sicherte die Polizei am Dienstag den Palastgarten und die Weimarer Allee ab. Etliche Streifenwagen und Polizisten in Uniform und zu Fuß waren unterwegs. Einer der Gründe: Die Einbrecher, die in der Nacht zum Dienstag in das Museum eingestiegen waren, haben die Vitrine, in der der Goldschatz des Rheinischen Landesmuseums bis dato aufbewahrt wurde, nahezu zerstört. Die mehr als 2600 Goldmünzen wurden daher noch am Dienstag an einen geheimen, sicheren Ort gebracht.

Das so genannte Münzkabinett, in dem der Schatz bisher ausgestellt war, bleibt vorerst für Museumsbesucher geschlossen. „Die Vitrine ist ein Totalschaden und auch die Tür zum Münzkabinett ist zerstört“, sagt Museumsdirektor Dr. Marcus Reuter im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund.

Die Täter – die Polizei geht von einem Duo aus – haben mit brachialer Gewalt und einem Hilfsmittel, zu dem die Ermittler sich nicht näher äußern wollen, auf den Glaskubus eingeschlagen. Das Panzerglas splitterte auf der kompletten Fläche – blieb aber intakt. Die Täter versuchten dann offenbar, in den seitlichen Aufbau des Kubus ein Loch zu schlagen. Das gelang auch, wie unser Foto zeigt, führte aber ebenfalls nicht zum gewünschten Ziel: „Das Innere der Vitrine blieb verschlossen, alle Münzen sind noch da“, sagt Reuter.

Dass das wertvollste Exponat des Museums noch vollständig erhalten ist, ist wohl vor allem dem schnellen Einsatz der Polizei zu verdanken. Nur wenige Minuten nach der Alarmierung durch die Sicherheitsanlage des Museums waren die ersten Einsatzkräfte vor Ort. Die Täter konnten zwar fliehen, den geplanten Raub aber nicht zu Ende bringen – vielleicht fehlten dafür nur wenige Minuten.

„Unser Sicherheitskonzept und die entsprechenden Vorrichtungen haben funktioniert“, sagt Reuter, ohne auf Details eingehen zu wollen. Auch die Polizei wollte sich am Mittwoch aus „ermittlungstaktischen Gründen“ nicht näher zu ihren Erkenntnissen und den Umständen des Beinahe-Goldraubs äußern. Die Täter sind noch nicht ausfindig gemacht. „In anderen Museen sind solche Einbrüche in der Vergangenheit anders ausgegangen – da waren die Räuber erfolgreich“, sagt Reuter (siehe Info).

Der aktuelle Goldpreis liegt laut der Internetseite www.gold.de derzeit bei gut 44 000 Euro pro Kilo. Schon der reine Warenwert des 18,5 Kilogramm schweren Trierer Goldschatzes beläuft sich damit auf mehr als 800 000 Euro. Der Wert als Kunstschatz lässt sich kaum taxieren. Römische Goldmünzen werden zwar auf dem offiziellen Kunstmarkt gehandelt. „Dann ist aber häufig deren Herkunft unklar“, sagt Reuter. Etwa 80 Münzen des Trierer Goldschatzes aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus sind zudem Unikate – also Einzelstücke. „In der Vergangenheit hatten wir schon Sammler, die uns sechsstellige Summen für eine einzige Münze angeboten haben“, berichtet der Museumschef.

Insgesamt wäre mit den Münzen sicherlich ein höherer Millionenbetrag zu erzielen. „Einfach würde das allerdings nicht. Jede Münze ist fotografiert und veröffentlicht – die Räuber hätten die Beute also nicht so ohne Weiteres veräußern können“, sagt Reuter. Aber egal, ob und für wie viel Geld die Münzen hätten verkauft werden können oder ob die Räuber das Gold einfach eingeschmolzen hätten: „Es wäre ein unersetzlicher Verlust für unser Museum und die Öffentlichkeit gewesen“, sagt Reuter.

Wann das wichtigste Exponat des Landesmuseums in einer neuen Vitrine wieder öffentlich ausgestellt wird, steht noch nicht fest.

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