Nach Bernkastel-Kues zum Unterricht - Berufsschulangebot wird auch für Lehrlinge in der Lebensmittelbranche reduziert

Nach Bernkastel-Kues zum Unterricht - Berufsschulangebot wird auch für Lehrlinge in der Lebensmittelbranche reduziert

Wegen Nachwuchsmangels in immer mehr Branchen müssen Berufsschüler weite Wege in Kauf nehmen. So wird etwa bei Bäckern, Fleischern und Fachverkäufern im Lebensmittelhandwerk das Berufsschulangebot in der Region reduziert. Dadurch verlieren die Berufe weiter an Attraktivität.

Trier. Wenn das so weitergeht, geht es in ein paar Jahren nicht mehr darum, dass kleinere Brötchen gebacken werden. Dann werden nämlich keine Brötchen mehr in der Bäckerei um die Ecke produziert. Denn der Nachwuchs fehlt. Nach Auskunft der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier gibt es an den Berufsbildenden Schulen in Bitburg und Gerolstein derzeit jeweils einen angehenden Bäcker.

Für den Landkreis Trier-Saarburg und die Stadt Trier ist die Situation ähnlich. Innungsobermeister Michael Borens aus Tawern sagt, dass im Durchschnitt ein bis drei junge Menschen jährlich den Bäckerberuf ergreifen.

Doch nicht nur ums Backwerk sollte man sich Gedanken machen. Denn in der gesamten Region Trier sinkt die Zahl der Auszubildenden in Berufen in der Lebensmittelbranche. Deshalb wird ab dem neuen Schuljahr umstrukturiert. Für die Auszubildenden bedeutet dies, dass sie teilweise weitere Wege zur Schule zurücklegen müssen.

Eifelkreis Bitburg-Prüm und Landkreis-Vulkaneifel: Bäcker, Fleischer, Konditoren und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk gehen im ersten Ausbildungsjahr künftig nur nach Prüm zur Schule. In Gerolstein und Bitburg gibt es dann keinen Unterricht mehr.

Stadt Trier, Landkreis Trier-Saarburg und Landkreis Bernkastel-Wittlich: Sowohl in Bernkastel-Kues als auch an der Berufsbildenden Schule für Ernährung, Hauswirtschaft und Sozialpflege Trier werden weiter Auszubildende im ersten Jahr unterrichtet.

Nach dem ersten Lehrjahr wird es dann anders. Alle angehenden Bäcker und Konditoren sowie die entsprechenden Fachverkäufer werden künftig in Bernkastel-Kues oder Prüm unterrichtet. Trier ist künftig Schulstandort für angehende Fleischer, angehende Fachverkäufer Fleischerei sowie Bäckerei.

Laut ADD-Pressestelle sind die Neuerungen beim ausbildungsbegleitenden Unterricht mit den Kreishandwerkerschaften, den Innungen, den Schulen und den Schulträgern abgestimmt.

Doch was bedeutet diese Neuregelung für die Auszubildenden? Angehende Bäcker aus dem Raum Saarburg sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln künftig rund 90 Minuten nach Bernkastel-Kues unterwegs. Vom Wohnort Kell aus dauert es mit Bus und Bahn mehr als zwei Stunden. Schüler aus Welschbillig werden sich vielleicht künftig überlegen, die Schule in Prüm zu besuchen. Mit dem Bus ist man jedenfalls schneller in der Abteistadt als in Bernkastel-Kues.
Die Fahrerei für die Auszubildenden hat über den Einzelfall hinaus Auswirkungen. Bäcker-Innungsobermeister Michael Borens geht davon aus, dass die Neuorganisation bei den Berufsschulen möglicherweise negative Folgen haben wird. "Denn es spielt sicher bei der Wahl des Ausbildungsberufs auch eine Rolle, bis wohin man zur Berufsschule fahren muss."

Die Folgen des ausbleibenden Nachwuchses im Bäckerhandwerk werden nach und nach deutlich. Der Innungsobermeister kennt eine Reihe von Betrieben, die händeringend Gesellen und Meister suchen. Inzwischen gebe es sogar Kollegen, die aufgrund fehlenden Fachpersonals aufgeben müssen.

Fleischer-Innungsobermeister Peter Klassen (Temmels) bleibt bei der Neuorganisation im Berufsschulwesen zwar relativ gelassen. Schließlich gibt es jährlich meist ein halbes Dutzend neue Auszubildende als Fleischer. Und Trier bleibt weiter Schulort. Doch auch er weiß, dass bei den immer kleiner werdenden Jahrgängen in Zukunft weiter zentralisiert werden wird. "Blockunterricht wäre vielleicht die bessere Lösung." Dabei wird der schulische Teil der Berufsausbildung in mehrtägigen Abschnitten zusammengefasst.Meinung

Warum nicht Teleunterricht?Zur Steigerung der Attraktivität des Bäckerberufs trägt es nicht bei, dass Auszubildende künftig teilweise sehr lange Strecken auf sich nehmen müssen, um zur Berufsschule zu kommen. Dass angehende Verwaltungsmitarbeiter schon heute bis Gerolstein reisen, ist da ein schwacher Trost. Ebenso wenig nutzt da die Aussicht, dass das Angebot für andere Berufe in den kommenden Jahren zwangsläufig ausgedünnt werden muss. Schlicht und einfach deshalb, weil es an Schülern mangelt. Ob diese Zentralisierung der richtige Lösungsansatz ist, kann bezweifelt werden. Wöchentlich einmal aus dem Saargau nach Bernkastel-Kues fahren zu müssen, ist ebenso beschwerlich wie der Weg aus dem Islek westlich von Prüm nach Gerolstein oder der von Morbach nach Bitburg. Das muss nicht sein. Wenn man beispielsweise einmal testen würde, ob Teleunterricht am Rechner eine Alternative ist. Dann könnte der Schüler aus dem Hochwaldraum von Hermeskeil aus verfolgen, was der Lehrer zu erzählen hat. Ob dieser Lehrer in Bernkastel-Kues, Trier oder Gerolstein sitzt, ist da zweitrangig. h.jansen@volksfreund.deExtra

Neben der praktischen Ausbildung im Betrieb werden angehende Handwerker auch noch in Berufsschulen unterrichtet. Neben Trier gibt es solche Schulen im Landkreis in Hermeskeil und in Saarburg. Schon heute werden nicht alle Ausbildungsberufe überall unterrichtet. Angehende kommunale Verwaltungsfachangestellte aus der gesamten Region werden nur in Gerolstein unterrichtet. Klassen für angehende Bürokaufmänner und -frauen gibt es hingegen in Trier, Saarburg, Bernkastel-Kues, Bitburg, Prüm und Gerolstein. har