Nach Beschwerden: Stadt Bonn verlegt ihren Straßenstrich in Boxen

Nach Beschwerden: Stadt Bonn verlegt ihren Straßenstrich in Boxen

Während die politische Diskussion um den Trierer Straßenstrich gerade erst anfängt, hat man in Bonn schon Nägel mit Köpfen gemacht. Der Straßenstrich wurde dort nicht nur verlegt. Für 120 000 Euro baute die Stadt den Prostituierten zudem garagenartige Boxen als Sichtschutz und platzierte zusätzlich einen Sanitärcontainer.

Trier/Bonn. Nicht zwei - wie in der Ruwerer Straße in Trier-Nord - sondern bis zu 30 Straßenprostituierte sorgten in Bonn in den vergangenen beiden Jahren für Gesprächsstoff. Am Straßenstrich in der Gerhard-Domagk-Straße (Stadtteil Endenich) störten sich die anliegenden Gewerbebetriebe und die Studenten der benachbarten Universität. Nicht ohne Grund, wie die Tageszeitung Bonner Generalanzeiger berichtet: Die Prostituierten verrichteten ihre Notdurft in den Büschen, konsumierten Drogen in der Öffentlichkeit und konnten teilweise auch beim Sex beobachtet werden. Als Freier dann auch noch Studentinnen ansprachen, reichte es Uni und Anliegern: Sie gingen auf die Barrikaden und verlangten von der Stadt die Abschaffung des Straßenstrichs.
Auch in Trier denkt die CDU-Fraktion über ein Verbot des Straßenstrichs nach, der sich vor wenigen Wochen in der Ruwerer Straße angesiedelt hat (der TV berichtete).
Doch so einfach ist ein Verbot beziehungsweise die Ausweitung des Sperrgebiets gar nicht: Die Bezirksregierung gestand der Stadt Bonn zwar zu, den Straßenstrich übergangsweise erst ab den Abendstunden zu erlauben, forderte aber gleichzeitig, dass Bonn den Frauen an anderer Stelle auch tagsüber die Gelegenheit zur Prostitution geben müsse.
Zwei Jahre lang beriet der Bonner Stadtrat über einen geeigneten Ort. Gut beleuchtet und gut mit Bus und Bahn zu erreichen sollte dieser sein, und mit einer Wendemöglichkeit für Autos, damit sich der Verkehr nicht staut. Dazu sollte der neue Straßenstrich in einem belebten Gebiet und nahe der City liegen, aber nicht in der Nähe von Schulen, Kindergärten, Sportplätzen oder Wohn- und Naherholungsgebieten.
Für geeignet wurde schließlich die nur wenige Ecken weiter gelegene Immenburgstaße befunden.
Bei einer bloßen Verlegung der Straßenprostitution beließ es der Stadtrat auf Initiative der schwarz-grünen Ratsmehrheit allerdings nicht:
Aus Bretterwänden ließ die Stadt für 120 000 Euro sechs garagenartige Boxen bauen. In diese müssen sich die Prostituierten samt Freiern und deren Autos zum Sex zurückziehen. Die "Anbahnungszone", in der die Prostituierten am Straßenrand stehen, wurde gleichzeitig auf 300 Meter begrenzt.
Die Holzboxen sollen Passanten vor ungewollten Einsichten in den Joballtag der Prostituierten schützen, aber auch diese und ihre Kunden vor neugierigen Blicken von Spannern. Um die Sicherheit der Frauen zu gewährleisten, hat Bonn die Boxen mit Notschaltern ausgerüstet. In einem Container schiebt ein Wachmann Dienst, ein zweiter Container ist als Sanitärraum für die Frauen eingerichtet worden.
Auch in Trier hatte die grüne Ratsfraktion angedeutet, dass man nicht nur über den Standort der Prostituierten nachdenken solle, sondern auch über deren Arbeitsumstände und Sicherheit.
Die Stadt Bonn stellt den Prostituierten und ihren Freiern die Boxen kostenlos zur Verfügung, erhebt allerdings eine zusätzliche Sex-Steuer von sechs Euro pro Tag von den Damen und erhofft sich daraus jährliche Einnahmen in Höhe von 300 000 Euro.
Die Stadt Köln hat ihren Prostituierten schon vor Jahren solche Verrichtungsboxen aufgestellt. In Bonn überlegt man derweil schon weiter: Kleinere Boxen für Freier, die mit dem Fahrrad oder zu Fuß kommen, sind angedacht.