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Nach Brandstiftung in Trierer Jugendamt: 25-Jähriger und 16-Jähriger angeklagt

Trier. Die Staatsanwaltschaft Trier hat nach dem Brand im Trierer Jugendamt im Oktober vergangenen Jahres gegen zwei aus Trier stammende Tatverdächtige, einen 25- jährigen Mann und einen 16-jährigen Jugendlichen, Anklage wegen Brandstiftung und Diebstahls erhoben. Christiane Wolff

Es ist Donnerstag, 20. Oktober 2016. Ein 25-Jähriger und ein 16-Jähriger, beide aus Trier, verbringen den Abend gemeinsam in einer Kneipe in der Nähe des Augustinerhofs. Irgendwann ziehen sie weiter.

Ausgerechnet oder zufällig, dort führt kein Weg entlang, kommen sie an der rückwärtigen Wand des Rathausgebäudes am Augustinerhof vorbei, in dem das Jugendamt untergebracht ist. Die Fassade ist eingerüstet, bis in den dritten Stock reichen die Treppe des Baugerüsts und die Laufebenen. Die beiden klettern hoch, drücken ein gekipptes Fenster auf und steigen ein. Sie stehlen: fünf finanziell wertlose Computermodems, Süßigkeiten und einen Fünf-Euro-Schein, der auf einem der Schreibtische liegt. An die Wände schmieren sie Schriftzüge. Viel Unsinn, aber auch eine auf die Mitarbeiter des Jugendamts gezielte unflätige Beleidigung.

Bevor sie fliehen, legen sie Feuer. In fünf unterschiedlichen Büros. Die Flammen wüten so heftig, dass Schreibtische, Schränke, Stühle verbrennen. Auf 120 000 Euro taxiert die Feuerwehr den Schaden.

Auch rund 250 aktuelle Akten verbrennen - etwa ein Drittel der laufenden Fälle des allgemeinen sozialen Dienstes des Jugendamtes, der mit Fällen betraut ist, die das sogenannte Kindswohl betreffen, vom Schulverweigerer bis zum Missbrauch. Nur, weil keine Fenster zu Bruch gehen und so kein frischer Sauerstoff die Flammen nährt, entsteht kein Großbrand, erklärt der Feuerwehreinsatzleiter am nächsten Tag.

Triers Sozialdezernentin Angelika Birk spricht unmittelbar nach der Tat von einem "gezielten Angriff auf die Institution Jugendamt" und befürchtet, die Täter hätten aus Aggression und Wut gegenüber dem Amt gehandelt (der TV berichtete).

Wenige Tage später fasst die Polizei die mutmaßlichen Täter. Der 25-Jährige sitzt seitdem in Untersuchungshaft, der 16-Jährige ist - unter Auflagen - auf freiem Fuß. Die Idee zum Einbruch sei ihnen an dem Abend ganz spontan gekommen, erklären sie gegenüber der Polizei. Den Brand hätten sie gelegt, um ihre Spuren zu verwischen.

"Wir halten diese Erklärung für plausibel. Es gibt keine konkreten Hinweise, dass die beiden Angeklagten gezielt das Jugendamt angreifen wollen", erklärt Oberstaatsanwalt Peter Fritzen, der gestern mitteilte, dass die Trierer Staatsanwaltschaft gegen die beiden Tatverdächtigen wegen Diebstahls im besonders schweren Fall und Brandstiftung Anklage erhoben hat.

Zwar seien Mitarbeiter des Jugendamts mit dem 16-Jährigen schon mal befasst gewesen - auch noch kurz vor der Tat. "Aber ein direkter Zusammenhang mit dem Einbruch drängt sich daraus nicht auf", sagt Fritzen. Bei dem 25-jährigen Tatverdächtigen sei keine Verbindung zum Jugendamt ermittelt worden. Näheres zu Tat und Motiv der Angeklagten werde die Hauptverhandlung ergeben, sagt Fritzen. Ein Termin für den Prozess vor dem Jugendschöffengericht steht noch nicht fest.

Die Büroetage war nach dem Brand nicht mehr nutzbar und musste komplett renoviert werden. Erst vorige Woche konnten die 25 Mitarbeiter von ihren Ausweichbüros zurückkehren. Eine Brandmeldeanlage oder eine automatische Sprinkleranlage waren in der Etage bis dato nicht installiert. Das sei auch nicht vorgeschrieben gewesen, hatte die Stadtversammlung damals erklärt.

Nach der Sanierung wird nun untersucht, ob möglicherweise Brandmelder nachgerüstet werden, sagte Rathaus-Pressesprecher Hans-Günther Lanfer gestern auf Nachfrage des TV.