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Nach der Amokfahrt „Trier trauert, Trier leidet – aber Trier resigniert nicht!“

Nach der Amokfahrt : „Trier trauert, Trier leidet – aber Trier resigniert nicht!“ (Fotos/Video)

Bei einer bewegenden Gedenkfeier gedenken viele Trierer der Opfer der Amokfahrt. Der Tatverdächtige sitzt in Untersuchungshaft. Am Donnerstag gibt es eine Schweigeminute. Hier fassen wir alles Wichtige vom Tag zusammen.

Einen Tag nach der Amokfahrt durch die Trierer Fußgängerzone haben  mehrere Hundert  Menschen vor der Porta Nigra der Opfer gedacht und sich mit den Angehörigen der Toten und Verletzten solidarisch gezeigt. „Trier trauert, Trier leidet, aber Trier resigniert nicht“, fasste Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe die Stimmung in der Bevölkerung zusammen. Gemeinsam mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer legte er einen Kranz vor dem „zentralen Symbol der Stadt“ (Leibe) nieder. Man brauche jetzt einen Erinnerungspunkt, sagte der OB.  An der Gedenkfeier nahm auch CDU-Fraktionschef Christian Baldauf teil. Die Solidarität, die er in Trier erlebe, sei umwerfend, sagte er.

Zahlreiche Menschen zündeten zum Gedenken an die Opfer Kerzen an und legten Blumen nieder – auch an den Stellen in der Fußgängerzone, wo ahnungslose Passanten am Vortag von dem Amokfahrer durch die Luft gewirbelt worden waren. Fünf Menschen starben, darunter ein neun Wochen altes Baby und sein 45 Jahre alter Vater. Beide hatten neben der deutschen auch die griechische Staatsbürgerschaft. Die Mutter des getöteten Mädchens und der anderthalbjährige Bruder wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht. Darüber hinaus starben drei Frauen im Alter von 25, 52 und 73 Jahren, darunter nach Ministeriumsangaben die Lehrerin einer berufsbildenden Schule.

Gegen den mutmaßlichen Amokfahrer wurde am Mittag von einem Richter Haftbefehl wegen fünffachen Mordes erlassen. Der 51-jährige Mann aus dem Trierer Stadtteil Zewen war am Vortag von Zivilpolizisten überwältigt und festgenommen worden, nachdem er mit seinem Geländewagen im Anschluss an die Todesfahrt unweit der Porta Nigra angehalten hatte. Er stand rauchend neben dem geliehenen Wagen, bestätigte ein Polizeisprecher entsprechende Informationen unserer Zeitung.

Der mit 1,4 Promille alkoholisierte Mann wollte so viele Menschen wie möglich töten oder zumindest verletzen, glauben die Ermittler.  Nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Peter Fritzen ist das Motiv für die Tat weiter unklar. In seinen stundenlangen Vernehmungen durch Beamte der Trierer Mordkommission habe der zuletzt offenbar obdachlose Mann „wechselnde und in Teilen nicht nachvollziehbare Angaben“ gemacht, aus denen sich bislang „weder ein nachvollziehbares Motiv für die Tat noch Einzelheiten zum Tathergang“ herleiten ließen. Es gibt aber laut Fritzen weiter keine Anhaltspunkte für ein mögliches politisches, religiöses oder ähnliches Motiv.

Der 51-jährige Tatverdächtige sitzt nun in Untersuchungshaft und soll in den nächsten Tagen weiter vernommen werden. Außerdem will die Staatsanwaltschaft einen psychiatrischen Sachverständigen beauftragen, der ein Gutachten zur Schuldfähigkeit des 51-Jährigen erstellen soll. Der Beschuldigte habe während der Festnahme und in Polizeigewahrsam psychische Auffälligkeiten gezeigt, hieß es zur Begründung. Allerdings bestünden derzeit  keine konkreten Anhaltspunkte für einen vollständigen Ausschluss der Schuldfähigkeit, sagte Chef-Staatsanwalt Fritzen.

Ein Polizeisprecher sagte unserer Zeitung, der Beschuldigte sei weder vorbestraft noch bislang polizeilich in Erscheinung getreten. Der Zewener Ortsvorsteher Christoph Schnorpfeil sagte, der ganze Stadtteil sei geschockt. „So wie die ganze Stadt über diese Tat geschockt ist.“

Nachdem am Mittwoch in ganz Rheinland-Pfalz die Flaggen wegen des Amoklaufs auf Halbmast wehten, soll es am Donnerstag in der Stadt eine Schweigeminute geben. Exakt um 13.46 Uhr, als die Amokfahrt am Dienstag in der Trierer Konstantinstraße begann, soll die Stadt als Zeichen der Trauer für eine Minute innehalten. Dann werden auch alle Kirchturmglocken läuten.