Kontrolle während Gottesdienst: Nach der Kirche kommt das Knöllchen

Kontrolle während Gottesdienst : Nach der Kirche kommt das Knöllchen

Vor einem Jahr starb ein 16-Jähriger durch einen tragischen Unfall, ein Zug erfasste ihn auf den Gleisen bei Euren. Während des Gedenkgottesdienstes am vergangenen Sonntag verteilten draußen Kontrolleure der Stadt Verwarnungen wegen falschen Parkens.

Pater Aloys Hülskamp gehört zu den beliebtesten Geistlichen in  Trier. Der vergangene Sonntag hat den in der Pfarreiengemeinschaft Trier-Euren wirkenden Pfarrer offensichtlich hart getroffen. So hart, dass er seinem Unverständnis auf Facebook Luft gemacht und damit viele  Reaktionen und Emotionen ausgelöst hat.

„Muss es unbedingt sein, dass sonntagmorgens während eines Kirchenbesuchs, 50 Meter von der Kirche entfernt, Knöllchen verteilt werden?“, fragt Hülskamp in diesem Beitrag. „Was soll damit bezweckt werden? Kein Mensch wurde während des 50-minütigen Parkens und  Gottesdienstbesuches gefährdet.“

Was ist geschehen? Am vergangenen Sonntag, 23. Juni, lag ein tragisches Ereignis genau ein Jahr zurück – der Unfalltod eines 16-Jährigen an den Bahngleisen zwischen den Trierer Stadtteilen Euren und Zewen. In der Kirche Christkönig in Trier-West feierte Pater Hülskamp deshalb am Sonntag einen besonderen Gottesdienst. „Die Kirche war voll mit mehr als 250 jungen Leuten“, sagt der Pfarrer im Gespräch mit dem TV. „Es war ein wunderschöner Gottesdienst mit der Familie und vielen Freunden und Mitschülern.“

Die Mitarbeiter des zum Trierer Ordnungsamt gehörenden Verkehrsüberwachungsdienstes (VÜD) und ihr Chef, Dezernent Thomas Schmitt (CDU), wussten nichts vom besonderen Charakter dieses Gottesdiensts. Das betont Schmitt, als der TV ihm das Problem schildert. „Aber selbst wenn wir es gewusst hätten, hätten wir nicht anders handeln können.“

Der VÜD kam am Sonntag in die Wilhelm-Jackson-Straße, in der viele Besucher der Pfarrkirche Christkönig ihre Autos abgestellt hatten. Während der Gottesdienst noch lief, verteilten sie Verwarnungen wegen falschen Parkens.

„Das war kein Routineeinsatz oder gar eine geplante Aktion, um den Besuchern der Kirche aufzulauern“, sagt der Ordnungsdezernent, und man hört ihm den Ärger an. „Solche Vorwürfe sind Unsinn.“ Dennoch tauchten sie in der Diskussion auf Facebook auf, und zwar nicht selten. Schmitt betont: „In Wahrheit sind wir von Anwohnern gerufen worden.“ Denn einige Falschparker hätten den Gehweg und den Wendehammer blockiert. Schmitt: „Das hätte im Notfall für die Feuerwehr und die Rettungsdienste sehr problematisch werden können. Wir hätten einige Fahrzeuge deshalb auch problemlos abschleppen dürfen.“

Dazu kam es dann zwar nicht, aber dennoch war der Ärger nach dem Ende des Gottesdienstes groß. 13 Falschparker erhielten eine Verwarnung für das Blockieren des Wendehammers. Vier davon standen zusätzlich auf dem Gehweg. Die Höhen der Bußgelder sind unterschiedlich. Parken auf einem Gehweg beginnt beispielsweise mit 20 Euro. Wird jemand dadurch blockiert oder behindert, sind es schon 30 Euro.

Dezernent Schmitt bleibt standhaft. „Die Verwarnten haben klar behindernd geparkt, und die Regeln der Straßenverkehrsordnung gelten auch für Besucher eines Gottesdienstes.“ Pater Hülskamp dagegen erhält  viel Unterstützung im Internet. „Ich habe den lieben Gott gebeten, dass er mit uns allen nicht zu kleinlich umgeht“, schreibt er auf Facebook.

Aloys Hülskamp. Foto: Medienthaus Trierischer Volksfreund/Roland Morgen

Die Verwarnten müssen ihre Knöll­chen bezahlen, aber der Konflikt zwischen Kirchenbesuchern und Kontrolleuren scheint dennoch gut zu enden. „Ich hatte sehr gute Gespräche mit der Stadtverwaltung, in denen es darum ging, solche Situationen in Zukunft zu verhindern“, sagt Pater Hülskamp im Gespräch mit dem TV. Er bittet alle Betroffenen, am kommenden Sonntag (30. Juni, 11 Uhr) wieder zum Gottesdienst zu kommen. „Wir wollen die Kosten der Knöllchen gemeinsam und solidarisch tragen“, sagt er. „Ich habe sogar schon eine Nachricht von jemandem, der alle Knöllchen bezahlen will.“

Mehr von Volksfreund