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Nach der Zukunft gefragt, im Workshop nachgedacht und geantwortet

Stadtentwicklung : Vom Radweg bis zum Bürgerhaus - was sich Trierer Stadtteile für die Zukunft wünschen

Rund 70 engagierte Bürgerinnen und Bürger aus Kernscheid, Kürenz und Heiligkreuz haben am Wochenende für „ihre“ Stadtteile den Prozess „Stadtdörfer“ vorangebracht.

Was sind „Stadtdörfer“? Ein recht neuer Begriff, mit dem man Stadtteile von Städten bezeichnet, die überwiegend ihren dörflichen Charakter bewahrt haben. Damit dies so bleibt, startete  das Land 2016 in Landau testweise das Projekt „Stadtdörfer“, bei der die Bürgerbeteiligung eine zentrale Rolle spielt. Die Bewohner der „Stadtdörfer“ sollen dabei selbst Wünsche für die Zukunft ihres Wohnumfeldes formulieren, selbst Anregungen und Vorschläge in sogenannten Zukunftsthemen einbringen.

In Workshops können sie dabei sogenannte Leitprojekte herausarbeiten. Von diesen wird pro beteiligtem Stadtteil jeweils eines von den kommunalen Gremien (Ausschüsse, Ortsbeiräte, Stadträte) für eine Förderung vorgeschlagen. Die Fördersumme beträgt jeweils rund 300 000 Euro. Das Landauer Planungsbüro stadtimpulse begleitet und koordiniert das Projekt in den Orten im Auftrag des Innenministeriums. Für das Modellprojekt „Stadtdörfer“ in Trier, Koblenz, Ludwigshafen und Landau hat das Land eine Gesamtfördersumme von 3,5 Millionen Euro bereitgestellt.

Die Stadtteile Kürenz, Heiligkreuz und Kernscheid waren für Trier ausgesucht worden, weil dort nach Angaben von Koordinatorin Sabine Borkam, Amt für Stadtentwicklung, schon zuvor ein erhöhtes Interesse der Bewohner an der Fortentwicklung ihrer Orte bestanden habe. Mit Fragebogenaktionen wurden im ersten Schritt die aus Sicht der Bürger jeweils wichtigsten Zukunftsthemen ermittelt.  Die Ergebnisse waren je nach Stadtteil unterschiedlich:

Für die Kürenzer ist der Themenkomplex „Verkehr/Wegesystem“ von höchster Bedeutung, gefolgt von der Wohnentwicklung. In Kernscheid steht das Thema „Schaffung einer sozialen örtlichen Mitte“ ganz vorne, eng gefolgt vom Thema „Nahversorgung“. Den Heiligkreuzern stehen „Wohnen“ sowie „Verkehr/Wegesystem“ fast gleichrangig oben an.

Am Wochenende folgte in der Arena Trier der zweite Schritt: In mehrstündigen Workshops sollten Bewohnerinnen und Bewohner der drei Stadtteile über ihre gewünschten Leitthemen entscheiden. Dazu war Kürenz mit 14 Teilnehmern erschienen, 23 Menschen für Kernscheid, und Heiligkreuz stellte die stärkste Gruppe mit 28 Teilnehmern. Die  Landauer Mitarbeiter vom Planungsbüro stadtimpulse koordinierten die Gruppenarbeit. Die Gesamtmoderation hatte Tobias Brokötter (stadtimpulse).

Fast fünf Stunden rauchten die Köpfe an den Tischen in der Arena. Dann präsentierten die Moderatoren die sehr unterschiedlichen Ergebnisse: Ganz vorn bei den Kürenzern steht ein Rundweg um das Dorf,  der ein vernetztes Wegesystem umschließt. An zweiter Stelle käme die Anlage von gemeinsamen Nachbarschaftsgärten, eine „grüne Mitte“ zwischen Pfarrsaal und Schlosspark steht auf Platz drei,  gefolgt von einem Begegnungszentrum im ehemaligen Walzwerk.  

Den besonderen Stolz auf ihren Stadtteil heben die Heiligkreuzer hervor. Sie nennen ihn auch den „Sonnenstadtteil“. Bei den Leitprojekten ganz vorne steht der Wunsch nach einem sozialen Begegnungsort, einem Bürgerhaus für alle Alt- und Neu-Heiligkreuzer. Als geeignetes Objekt schlägt die Gruppe das ehemalige Umspannwerk der Stadtwerke vor, um das sich auch grün gestaltbare Flächen befinden. Die Maxime dort: keine weitere Flächenversiegelung. Als dritten zentralen Punkt nennt Heiligkreuz den Erhalt und die Festigung der Dorfgemeinschaft. Das heiße auch, ankommende Neubürger entsprechend zu empfangen, anzusprechen und zu integrieren.

Die Kernscheider sehen sich noch als „echtes Dorf“, in dem die Nachbarschaft  funktioniert. Dazu gehören so nette und gern angenommene  Details wie die „Bastelstunde“ und die  „Leseoma“, für die aber leider ein fester Raum zur Begegnung fehlt.

Die Kernscheider Gruppe setzt daher die Umwandlung der leeren Parterreräume des ehemaligen Schulmeisterhauses (städtischer Besitz) auf Platz eins ihrer Leitthemen. „Nachhaltige Nahversorgung“ steht bei den Kernscheidern an zweiter Stelle: Regionale Produkte, die in und um Kernscheid hergestellt wurden, sollten mindestens einmal die Woche an einem festen Ort gehandelt werden. An dritter Stelle kommt die Fortführung des Fahrradweges vom Irscher Hof bis Kernscheid.

Soweit die wesentlichen, im Workshop entwickelten Wünsche, Vorschläge und Ideen. Es gibt da allerdings noch mehr. Die Teilnehmer erklärten am Ende, dass man sich ernst genommen und in die Entscheidungsfindungen eingebunden fühle.