Nach Tötung einer 16-Jährigen in Trier-Nord: Gelände bleibt vorerst Müllhalde

Trier · Illegale Müllhalden abzutransportieren, kostet die Stadt regelmäßig viel Geld. Für das zugemüllte ehemalige Moselbahngelände in Trier-Nord war eine kostengünstige Lösung in Sicht. Dann wurde dort vor vier Wochen eine 16-jährige Triererin erstochen. Jetzt soll das Gelände erstmal so bleiben, wie es ist.

Trier. Unrat, Sperrmüll, stinkende Haushaltsabfälle: Seit Jahren laden Unbekannte auf dem alten Moselbahngelände an der Schöndorfer Straße in Trier-Nord illegal Müll ab. Alle Anläufe der Stadt, der Sache Herr zu werden, sind bislang gescheitert. Mehrfach hatte das Rathaus das städtische Gelände zumindest teilweise abgesperrt. "Aber die Metallgitter waren schon wenige Tage später mit einer Flex wieder aufgeschnitten", berichtet Rathaus-Pressesprecher Ralf Frühauf.

Bis vor einiger Zeit eine Entsorgungsfirma beauftragt, die Abfälle von Zeit zu Zeit einzusammeln und per Container abzutransportieren. "Im Herbst 2014 gab die Firma allerdings auf, da die Müllmassen extrem zunahmen", berichtet Frühauf.Giftköder gegen Ratten


Die Müllberge lockten Ratten an. So viele, dass die Stadt Ende 2014 zusammen mit dem Gesundheitsamt Giftköder auslegen musste.

Illegale Müllhalden, die auch an anderen Stellen im Stadtgebiet immer mal wieder entstehen, abzutragen, kostet viel Geld. Auf dem alten Bahngelände in Trier-Nord wollte die hoch verschuldete Stadt Spareffekte nutzen. Ein Bagger, der eingeplant war, um die alte Bahnhalle auf dem Gelände abzubauen, sollte auch für das Wegschaufeln der Müllberge eingesetzt werden. Geplant war die Aktion für Anfang März. Das Tiefbauamt, der Abfallentsorger ART, die Bahn und die Arbeiter des Bürgerservices waren laut Rathaus-Pressesprecher Frühauf eingespannt.

Der Rückbau der Halle verzögerte sich allerdings. Der Landwirt, der die Halle der Stadt abgekauft hat und der sie in Trier abbauen und in der Eifel wieder errichten wollte, schob die Arbeiten - und damit die Reinigungsaktion - auf. Dann passierte am 13. März auf dem Gelände die schreckliche Tat. Eine 16-jährige Triererin wurde erstochen und dann, in der Nähe eines Wegs, der über das Gelände führt, verbrannt.

Die furchtbare Tat lenkte den Blick der Öffentlichkeit auch auf das zugemüllte Gelände. Dadurch, dass die Stadt die Verwahrlosung des Areals zugelassen habe, sei ein Angstraum entstanden, hieß es bei einigen Kommentatoren im Internet.

"Dass die Säuberung des Areals schon vor der tragischen Tat geplant war, klingt jetzt vielleicht nach einer Verteidigungsstrategie - aber dass das tatsächlich terminiert war, lässt sich belegen. Mehrere Ämter waren eingebunden, genauso wie die ART und der Bürgerservice", sagt Rathaussprecher Ralf Frühauf.

Jetzt, nur vier Wochen nach der Tat, den Bagger loszuschicken, die Halle abzureißen und die Müllberge abzutragen, kommt für die Stadt allerdings nicht in frage. "Das erschiene uns für diesen Ort der Trauer erstmal nicht angemessen", sagt Frühauf. Dass die Müllberge das Gelände zusätzlich zu einem Schandfleck machen, ist also offenbar ein Dilemma, das zunächst nicht gelöst werden wird.

Wie mit dem Gelände künftig umgegangen werden soll, ob etwa eine Gedenkstelle errichtet wird, dazu steckten die Überlegungen noch in den Anfängen, sagt Frühauf.Extra

Die Junge Alternative, Nachwuchsorganisation der Partei Alternative für Deutschland (AfD), hat für Samstag, 11. April, eine Müllsammelaktion auf dem Moselbahngelände organisiert, zu der freiwillige Helfer eingeladen sind. Die Müllsammler treffen sich um 10 Uhr an der Moselbahnhalle in der Schöndorfer Straße. Der Abfallentsorger ART stellt kostenlos amtliche Müllsäcke zur Verfügung, die gegen 14 Uhr abholt und entsorgt werden. woc

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