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Nach Überfallauf Hornbach-Baumarkt Trier Prozess wegen Raubs

Justiz : Jähes Ende eines Beutezugs

Die Flucht im März endete nach wenigen Metern. Nach knapp sechs Monaten muss sich nun ein Mann wegen des Überfalls auf den Hornbach-Baumarkt vor Gericht verantworten.

Es ist ein Samstagvormittag im März. Einen Tag zuvor  sind die Schulen wegen der Ausbreitung des Coronavirus geschlossen worden. Der bald folgende Lockdown mit den Geschäftsschließungen ist noch unvorstellbar. Im Gegenteil. Die Käufer strömen angesichts des guten Wetters unter anderem in den Trierer Hornbach-Baumarkt. Doch plötzlich flüchten die Kunden regelrecht. Sie steigen hastig in ihre Autos und verlassen scharenweise den Parkplatz.  Warum? Der Baumarkt ist Ziel eines Überfalls, es soll geschossen worden sein, heißt es.

Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen kann ist, dass die Flucht des mutmaßlichen Räubers ein abruptes Ende findet. Seit diesem Tag sitzt der damals 18-Jährige in Untersuchungshaft, der sich nun gemeinsam mit einem weiteren Angeklagten vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts Trier verantworten muss.

Am ersten Prozesstag wird deutlich, worum es im Verfahren geht. Laut Staatsanwaltschaft Trier werden den zwei Angeklagten folgende Taten in Trier zur Last gelegt:

An jenem frühlingshaften Märztag soll sich der Angeklagte S. zu einem Überfall auf den Hornbach-Markt in Trier entschlossen haben. Maskiert mit einer Sturmhaube und bewaffnet mit einer geladenen Schreckschusspistole soll der heute 19-jährige gegen 10.15 Uhr das Geschäft betreten habe. Er habe laut Staatsanwalt Matthias Juchem eine Verkäuferin aufgefordert, die Kasse zu öffnen und ihm Geld auszuhändigen. Die Verkäuferin habe daraufhin 657,09 Euro in den Rucksack des Angeklagten gelegt.

Der Angeklagte S. soll sich dann zu einer weiteren Verkäuferin umgedreht und diese ebenfalls aufgefordert haben, die Kasse zu öffnen. Die Verkäuferin soll darauf hingewiesen haben, dass sie keinen Zugriff auf die Kasse habe. Daraufhin habe S. einen Schuss in die Luft abgegeben, sagt Juchem.

Durch das Knallgeräusch hätten Zeugen laut Anklageschrift erkannt, dass es sich nicht um eine scharfe Schusswaffe handelt. Die Kunden seien auf den Angeklagten zugegangen, um diesen zu überwältigen. Dieser soll weitere Schreckschüsse abgegeben haben, unter anderem auf den Bauch eines Kunden. Davon ließen sich einige Kunden nicht beeindrucken. Der Räuber ergreift daraufhin die Flucht. Ohne den Rucksack, in dem sich die Beute befindet.

Damit nicht genug. Einer bewirft den Mann unter anderem mit einem Eimer aus dem Baumarkt, andere nehmen die Verfolgung auf. Nach einigen Metern wird der Täter gestellt (der TV berichtete).

Das ist jedoch nicht alles, was der Angeklagte getan haben soll. Gemeinsam mit zwei weiteren jungen Männern sollen sie Anfang des Jahres beschlossen haben, sich Geld durch einen Überfall zu verschaffen. Dazu soll der Angeklagte Y. dem Angeklagten S. ein Palästinensertuch zur Maskierung gekauft haben. Am 18. Januar soll S. dann eine Nahkauf-Filiale in der Trierer Innenstadt betreten haben, während Y. und B. sich in der Nähe aufgehalten haben sollen.

Mit einer echt aussehenden Pistole soll er laut Staatsanwaltschaft mit den Worten „Geld her, sonst passiert was“ die Herausgabe von Geld verlangt haben. Ihm seien 560 Euro ausgehändigt worden, mit denen S. laut Staatsanwaltschaft die Filiale verlassen habe. Die beim Überfall benutzten Gegenstände soll S. dann in einer in der Nähe aufgestellten Baustellentoilette deponiert haben.

Die beiden Angeklagten haben im Vorfeld der Hauptverhandlung nicht von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, eine verfahrensverkürzende Absprache zu treffen. Die Verhandlung wird am 21. September fortgesetzt. Dann werden Zeugen vernommen.