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Umwelt : Ausgebüxt statt ausgeflogen: Wie eine Trierer Familie nachhaltigen Urlaub macht

Nachhaltig Urlaub machen ist schwierig. Jana und Patrick Heck wollen durch regionales „Ausbüxen“ die eine oder andere Flugreise ersetzen und der Erde ein paar schädliche Klimagase ersparen.

Jana und Patrick Heck büxen gerne aus. So nennen sie ihre nächtlichen Ausflüge in die Natur. Sie schlafen dann in den Wäldern rund um Trier. Innerhalb einer halben Stunde sind ihre Sachen gepackt, zwei Stunden später liegen sie im Schlafsack unter freiem Himmel – manchmal unter ihrem Tarp. Das ist eine Plane, die vor Wind und Regen schützt.

„Es braucht keine lange Anreise oder geografischen Abstand, um sich vom Alltag zu distanzieren. Im Wald läuft alles langsam, da wird man automatisch entspannt“, sagt die 29-jährige Jana Heck. Im April haben sie zum ersten Mal mit ihrem Baby draußen geschlafen. Auch wegen und für ihren Sohn wollen die Eltern auf diese Art Erholung suchen und weniger in den Urlaub fliegen.

Auch ihr kleiner Sohn hat schon im Wald übernachtet. Foto: TV/Patrick Heck

Der Designer und die Landschaftsplanerin leben den neuen Trend der Mikroabenteuer. Diese kurzen, lokalen Abenteuer locken Menschen aus ihrer Komfortzone. Der britische Autor und Abenteurer Alastair Humphreys beschreibt solche Draußen-Übernachtungen in seinem Buch „Microadventures“ außerdem als sehr kostengünstig, einfach und trotzdem aufregend und herausfordernd. Man kann zum Beispiel an einem normalen Arbeitstag zwischen Feierabend und Arbeitsbeginn am Folgetag ausbüxen. In der Natur ohne Zelt übernachten nennt man Biwakieren. Im Gegensatz zum Wildzelten ist es in Deutschland nicht verboten (siehe Infobox 1).

Das Ausbüxen wird in den Alltag integriert. Inwieweit kann es aber einen ganzen Urlaub ersetzen? Jana und Patrick Heck haben das letzten Sommer ausprobiert. Sie schliefen 30 Nächte unter freiem Himmel – in ganz Deutschland. Weil sie diesen Urlaub auch als Blog im Internet mit Texten und Videos dokumentierten, inspirierten sie andere Menschen, die ihnen per Mail erzählten, dass sie ebenfalls regionale Abenteuer erleben wollen. Die Hecks haben den direkten Vergleich: Vor vier Jahren sind sie gemeinsam durch Asien gereist. „30 Nächte unter freiem Himmel in Deutschland sind für mich mindestens so aufregend wie acht Monate in Asien“, schlussfolgert die 29-Jährige.

Sie versteht aber das Dilemma, dass ein regionaler Urlaub die Sehnsucht nach Meer oder fernen Kulturen nicht stillen kann. „Ich muss auch manchmal eine fremde Sprache hören, und damit meine ich nicht Bayerisch“, sagt sie. Die beiden versuchen deshalb, London mit dem Bus und Kroatien mit dem Auto zu erreichen. Auch wer nur wenige Tage am Stück Urlaub bekommt, könne das versuchen. Auch für solche Zeiträume finde man Interrail- und andere Zugangebote. Ihr Mann findet es nicht sinnvoll, zu glauben, dass man das Recht hätte, jedes Urlaubsziel der Welt in kürzester Zeit zu erreichen. Auch wenn es finanziell möglich sei, glaubt Jana Heck: „Diesen Luxus können wir uns nicht mehr leisten, weil wir die Erde für unser Kind erhalten wollen.“

Das langsame Reisen sei auch erholsam. Das Paar findet eine Fahrrad- oder Bahnfahrt viel entspannter als Fliegen: „Da ist man ganz schnell mit dem Kopf raus und bekommt eine neue Perspektive.“ Gerade für Familien könne es toll sein, mit einem Nachtzug oder in einem Kinderabteil zu fahren. „Der Weg ist dann Teil des Abenteuers, und der Urlaub fängt an, sobald man in den Zug steigt“, sagt Jana Heck. Der 40-jährige Patrick Heck findet den begrenzten Platz im Flugzeug auch weniger babygeeignet. Und es sei schade, dass Zugreisen politisch nicht so stark subventioniert würden wie Flüge – obwohl erstere so viel besser für den Klimaschutz wären (siehe Infobox 2).

Ob sie durch ihre Begeisterung auch andere davon überzeugen können, ihren oft zeitlich begrenzten Urlaub hin und wieder in der Region zu verbringen, wissen sie nicht.

Heck ist auch ausgebildete Natur- und Umweltpädagogin. Sie sagt: „Ich könnte mir vorstellen, dass wir die Menschen in kleinen Schritten erreichen. Wir hören oft, dass Eltern mit ihren Kindern unsere Videos schauen.“ Im Juni 2018 haben beide ihre Jobs gekündigt und sind seither hauptberufliche Blogger. Gerade starten sie als Anbieter von Naturerlebnissen für Familien durch. Davon wollen sie in Zukunft auch leben. In ihrer Webseite „für alle, die mehr Zeit mit ihrer Familie in der Natur verbringen möchten“, schreiben sie zum Beispiel, was man im Mai draußen anstellen kann und veröffentlichen, was in den Rucksack gehört, wenn man mit Baby draußen schlafen will. Sie finden: „In der Natur lernen Kinder auf spielerische Weise Grundlegendes fürs Leben. Zum Beispiel Geduld, Sozialkompetenz, Körperbewusstsein und Respekt. Und sie bekommen ein Gefühl dafür, was nachhaltiges Leben bedeutet.“

Derzeit gründen sie eine Gruppe von Familien in Trier, die monatlich mit ihnen auf einen Waldabenteuertag gehen wollen. Die von ihnen organisierten Tage sollen solidarisch finanziert werden. Interessierte Familien können die beiden über ihre Webseite ausgebuext.info erreichen. Die erste Infoveranstaltung findet schon am Sonntag, 26. Mai, statt.

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