Nachhaltigkeit Schüler Schweich

Umwelt : „Jeder kann bei sich anfangen”

„Tuesdays for Future”: Statt freitags für Klimaschutz zu demonstrieren, geht die Klasse 8 des Stefan-Andres-Gymnasiums dienstags dem Thema Nachhaltigkeit auf den Grund.

Mit ihren Demonstrationen für eine bessere Klimapolitik erregen Jugendliche derzeit weltweit Aufmerksamkeit. Tausende Schüler gehen freitags auf die Straße, um den Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vor Augen zu führen, wie verschwenderisch sie doch mit der Ressource Erde umgehen. An einem Freitagmorgen nach Trier fahren und demonstrieren statt am Unterricht teilzunehmen – dieses Thema wurde auch in der Klasse 8 b des Stefan-Andres-Gymnasiums Schweich heiß diskutiert.

Man könne an einer Fridays-for-Future-Demo teilnehmen, sagte Erdkunde-Lehrerin Janine Meyer den 29 Schülern ihrer 8 b, man könne aber auch etwas eigenes machen. Sie versprach: Wenn die Klasse dazu bereit sei und etwas bewegen wolle, dann könnten dafür dienstags zwei Erdkundestunden bereitgestellt werden.

Die Schüler hatten so viele tolle Ideen, dass Janine Meyer gerne mitspielte. Und schon war die Nachhaltigkeitsaktion „Tuesdays for Future” geboren. Sie dauerte vier Wochen; kurz vor den Ferien waren die Hefter der Jugendlichen gefüllt mit Texten, Tabellen, Statistiken, Analysen und Interviews.

Was kaufen die Leute eigentlich? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Gruppe um Maximilian Beck (14). Die Schüler gingen in Schweich zu Aldi, Netto, Edeka und Lidl und befragten Kunden. Sie überprüften anhand von 14 vorgegebenen Bioprodukten, darunter Fleisch, Kaffee, Brot, Butter und Eier. Was die Märkte davon anbieten und was sie kosten. Netto sei mit 13 von 14 Produkten und einem Preis von 26,04 Euro der fairste Anbieter, sagt Maximilian. Wie die Schüler herausgefunden haben, achten etwa 70 Prozent der Kunden auf Produkte aus nachhaltigem Anbau, etwa von „Bioland”. 20 Prozent achten manchmal darauf, zehn Prozent überhaupt nicht.

Viele Märkte sind energiebewusster geworden. So lautet ein weiteres Ergebnis der Schüler. So habe beispielsweise Rewe seine Transporte zu seinen Märkten umgestellt. Man fahre nur noch, wenn es sich lohne und nicht mehr alleine für Bananen, wenn die mal ausgegangen seien. Strom für Licht und Kühlsysteme stellten einige Märkte bereits über eigene regenerative Energiequellen bereit.

Das Milchtütenexperiment: Dann hatten die Schüler die Idee zu einem Experiment: Sie legten eine leere Milchpackung auf den Boden und schauten, was passiert. Das Ergebnis: Nur wenige Leute hoben die Packung auf und entsorgten sie. Einige meckerten die Jugendlichen an („Warum hebt ihr die nicht auf?”). Charlotte Dixius (14) erinnert sich: „Als wir die Leute auf das Experiment ansprachen, haben einige gesagt, dass man als Einzelner Plastik ja nicht verhindern könne. Dabei kann doch jeder etwas tun und bei sich anfangen, Plastik zu vermeiden.”

Viele Menschen tun das auch, wie eine andere Schülergruppe herausgefunden hat. Etwa, indem sie Körbe mit zum Einkaufen nehmen anstatt Plastiktüten, Getränke in Glas- statt in Plastikflaschen kaufen, auf Dosen verzichten oder Holzwattestäbchen benutzen. Der Einzelhandel könne hier noch einiges verbessern, glauben die Schüler. Viele Produkte seien unnötigerweise oft mehrfach in Plastik abgepackt.

Die Jugendlichen haben auch die Preise von Bioeiern verglichen. Hier schnitt Aldi am besten ab, Edeka war fast doppelt so teuer, und für die Eier vom Biohof aus der Eifel muss man noch mehr drauflegen. Freilandeier waren mit 50 Prozent der Favorit bei den Kunden, gefolgt von Eiern aus Bodenhaltung (ein Drittel).

Unterschriften für Bienenschutz: Ein Schüler hat einen Imker in Köwerich interviewt, andere haben in Schweich und Umgebung 150 Unterschriften gesammelt und an den Schweicher Stadtbürgermeister Lars Rieger übergeben. Ziel der Petition ist es, dass sich Kommunen und Privatleute stärker für den Schutz von Bienen und anderen Insekten einsetzen. Rieger lobte die Initiative und berichtete den Schülern von einem kürzlich getroffenen Beschluss des Stadtrats, dass weitere blühende Grünstreifen in Schweich angelegt werden sollen. Auch bei der Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Schweich, Christiane Horsch, fanden die Jugendlichen viel Lob für ihren Einsatz zur Erhaltung der Artenvielfalt. Horsch sagte ihre Unterstützung  dafür auf VG-Ebene zu.

Faire Produkte, Verpackungen, Transportwege – die Klasse 8 b hat genau hingeschaut. Foto: Albert Follmann

Die Arbeitsergebnisse aller Gruppen sowie interessante Beiträge zu Umweltschutzthemen, wie etwa die Verschmutzung der Meere mit Plastik, hat eine Schülergruppe beim Onlinedienst Instagram eingestellt. Auf Wunsch der Schüler soll der Account (_save.our.world_) bestehen bleiben und dazu beitragen, das Thema Nachhaltigkeit stärker ins Bewusstsein zu rücken.  Auch Lehrerin Janine Meyer ist von ihrer Truppe begeistert. Das lässt darauf schließen, dass die Erdkunde-Noten der 8 b so schlecht nicht ausgefallen sein können.

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