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Nacht der offenen Kirchen mit Konzert im Brüderkrankenhaus Trier

Veranstaltung : Licht und Klang entführen in geistliche Welten

In der „Nacht der offenen Kirchen“ überzeugen die Trierer Sängerknaben mit einem Abendlob im Brüderkrankenhaus.

Ein roter Schimmer erfüllt das ganze Kirchenschiff, bricht sich vorne an den Verzierungen des Altars in unzählige Lichteindrücke. Schon die Baumeister der Gotik mit ihren gigantischen bunten Fenstern wussten um die Wirkung solcher Farb­spiele. Auch heute in der Kloster- und Krankenhaus­kirche der Barmherzigen Brüder Trier funktionieren sie. Und wenn im Rücken der Versammelten Orgel und Chormusik der Trierer Sängerknaben erklingen, ist der besondere Eindruck dieser „Nacht der offenen Kirchen“ perfekt.

Nachdem Marcel Berens an der Orgel mit der Fuge C-Dur von Johann Sebastian Bach die Grundstimmung gesetzt hat, wechselt die Beleuchtung auf Blau – und die Sängerknaben treten in Aktion. Gleich mit dem ersten Lied, dem Hymnus „O lux beata trinitas“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, erfahren die Zuhörer, welche sängerische Qualität sie in der folgenden Stunde erwartet. Saubere Tonalität, klare Text­absprachen und ein gut auf den Hall des Kirchen­raums abgestimmter Gesamt­klang sind hier der Standard. Das stellt der Chor unter Leitung von Volker Krebs im Folgenden unter Beweis: mal vierstimmig mit „Tollite hostias“ von Camille Saint-Saëns, mal dreistimmig mit Samuel Wesleys „Si Inquitates“ und ebenso zweistimmig mit Orgelbegleitung bei „Jubilate Deo“ von Wolfgang Amadeus Mozart.

 In der „Nacht der offenen Kirchen“ haben die Trierer Sängerknaben ein Abendlob im Brüderkrankenhaus dargeboten.
In der „Nacht der offenen Kirchen“ haben die Trierer Sängerknaben ein Abendlob im Brüderkrankenhaus dargeboten. Foto: Martin Recktenwald

Doch dieser Abend ist kein reines Konzert, sondern ein christliches Abendlob. Entsprechend gibt es neben den geistlichen Liedern auch Texte mit spirituellem Inhalt. Im Zentrum steht eine Lesung auf dem Matthäus-­Evangelium, in der das Gleichnis der klugen Jungfrauen erzählt wird. Zehn Frauen warten auf den Bräutigam einer Hochzeit. Es ist Brauch, dass sie ihn mit brennenden Öl­lampen empfangen. Doch der Bräutigam verspätet sich und nur fünf der Frauen haben genügend Ersatz-Öl dabei, um ihre Lampen im entscheidenden Moment am Brennen zu halten. Die Botschaft des Textes zielt ab auf die Vor­bereitung für das Reich Gottes: „Haltet euch bereit, denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.“

Nicht fehlen darf in diesem Zusammenhang die am besten bekannte musikalische Umsetzung dieses Bibeltexts: „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ von Johann Sebastian Bach. Die Sängerknaben liefern sie in einer Bearbeitung für vier Stimmen und Orgel von Josef Lammerz – ihre brillante Aus­sprache verleiht dem Text zusätzliches Gewicht.

Der weitere Abend zeigt die Vielfalt geistlichen Liedguts. Da hat ein fünfstimmiger Klangteppich „Mache dich auf, werde Licht (Heinrich von Herzogenberg) ebenso Raum wie ein „The Lord bless you and keep“ im typischen Sound des britischen Komponisten John Rutter. Nach dem Segen wird es sogar jazzig mit Lukas Stolhofs Bearbeitung von „Wäre Gesanges voll unser Mund“. Minutenlanger Schlussapplaus ist die angemessene Antwort der Gäste auf diese sängerische Glanz­leistung.

Mehr vom Chor ist am Sonntag, 28. November, um 18.30 Uhr beim Abendlob in St. Paulin in Trier und am Sonntag, 5. Dezember, um 9.30 Uhr in der Messe im Brüderkrankenhaus zu hören.