Nacht der tanzenden Hexen

HEILIGKREUZ. Der Hexentanzplatz in Heiligkreuz ist überfüllt mit Hexen und solchen, die es noch werden wollen. Huschende Gestalten in zerfransten Kleidern und flatternden Umhängen, mit grünlichen Gesichtern und spitzen Hüten schwingen ihre Besen. Das flackernd auflodernde Feuer beleuchtet gespenstisch die Umgebung.

"Hex, hex!" Michelle Reitz (6) und Lea Heinen (4) heben bedrohlich fuchtelnd die Hände. Die Nachwuchshexen weben ihren Zauberspruch, schicken ihn in die Menge und besteigen ihre Besen. Wer ihren magischen Fäden zu nahe kommt, wird verwandelt. "Du bist eine Kröte", beschwört Michelle die Hexenmacht und tanzt auf ihrem Besen um das lodernde Feuer. Dort haben sich schon andere Fabelwesen, Vampire und Hexenkollegen versammelt, backen Stockbrote für ein Hexenmahl und lauschen den Klängen der Spielleute.Hunderte Heiligkreuzer feiern mit

Jan Rolph von Heidweiler, Helene von Holzerode und Albin Saitenschlaeger ziehen fröhlich musizierend über den Platz. "Das Fest wird jedes Jahr besser", freut sich Spielmann Jan Rolph. Das dritte Mal sind die Musikanten zur Walpurgisnacht nach Heiligkreuz gereist. "Es gibt viele Feste am 30. April, aber uns gefällt es hier so gut, dass wir immer wieder kommen. Toll, dass der ganze Stadtteil zusammen feiert", findet Sängerin Helene von Holzerode. Begonnen hat der Heiligkreuzer Hexenritt vor vier Jahren mit einer Fete im Miniformat auf dem Kirchplatz. Kein Vergleich mit der Hexennacht zum fünften Jubiläum. Hunderte Heiligkreuzer zieht die Veranstaltung auf dem Pausenhof der Grundschule mittlerweile an. "Die Verbundenheit des Stadtteils mit der Grundschule erscheint mir gelungen und erfreulich. Das Fest ist eine schöne Angelegenheit, weil hier auch die Kinder integriert werden", sagt Schulleiter Hans-Dieter Biesdorf. Noch mehr Bänke und Tische, Zelte und Angebote hat der Ortsbeirat, Ausrichter des Festes, in diesem Jahr aufgeboten. Ortsvorsteherin Elisabeth Ruschel, die selbst gut gelaunt im Hexenkostüm über den Platz fegt, freut sich über "die frohe und ausgelassene Stimmung". In letzter Minute konnte sie noch die "Vampire" von der Blandine-Merten-Realschule für einen effektvollen Auftritt auf dem Hexentanzplatz gewinnen. Auch einen Maibaum dürfen die Heiligkreuzer in diesem Jahr wieder ihr eigen nennen. Unterstützung bekam der Bürgerverein, der dem Stadtteil dieses Geschenk machte, vom Technischen Hilfswerk. 14 THW-Mitglieder hatten bereits am Freitag den Baum mit einem riesigen Sattelschlepper aus Mariahof geholt und ihn in einer aufwändigen Aktion auf dem Brunnenplatz aufgestellt. Helfende Hände fanden sich auch, um die Spuren der Hexennacht am nächsten Morgen zu beseitigen. Das Jugendorchester "Da Capo" aus Ehrang feierte abends mit und räumte morgens auf. "Wir sind auch in Ehrang über das Fest gehext", sagt der musikalische Leiter Hans-Karl Daus. "Aber wir sind trotzdem nach Heiligkreuz gekommen. Die Hexenfeier ist hier so schön und die Spielleute machen tolle Musik", findet Lorena Maars (10). Und Freundin Anna-Lena Bindges (8) fügt hinzu: "Es ist alles so festlich. Es macht Spaß, hier mitzufeiern und dann auch noch hier zu übernachten." Währenddessen sind die kleinen Hexen Michelle und Lea aufgeregt und trippeln nervös auf der Stelle. "Gleich fängt der Fackelzug an. Da gehen wir mit." Die Spielleute stimmen ein fröhliches Lied an, die Fackeln werden entzündet, singend und lachend machen sich die von Schatten zu Schatten huschenden Gestalten auf den Weg durch die Dunkelheit. Denn das ist der Höhepunkt für die meisten Kinder, die danach Hexen Hexen sein lassen und in ihren Betten weiter von den fabelhaften Spukgestalten träumen - bis zum nächsten Hexenritt auf den Heiligkreuzer Blocksberg.

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