Nachts, wenn die Krähen kommen

Trier · Sie sind der Ärger vieler Theaterbesucher und Nachtparker: Krähenschwärme fliegen in der Dämmerung ins Stadtzentrum, um in Platanen und Kastanien zu schlafen. Ihre Hinterlassenschaften treffen die Autos unter ihnen. Doch damit müssen die Besitzer leben, sagt das Rathaus.

Trier. Immer wieder müssen Autofahrer bei der Rückkehr zu ihrem geparkten Fahrzeug entsetzt feststellen, dass ihr gutes Stück mit dicken weißen Vogelkotflecken übersät ist. Ob innerhalb des Alleenrings oder speziell auf dem Augustinerhof - wo große Bäume stehen, herrscht Krähenalarm. Doch damit muss man leben oder einfach woanders parken - so lautet die Botschaft der Stadtverwaltung. Bereits im Januar erlebte Trier eine ausführliche Krähendiskussion (der TV berichtete mehrmals).
Im Herbst haben Saat- und Aaskrähen wieder ihre Übernachtungsquartiere bezogen. Mit der Dämmerung fliegen sie in Schwärmen ins Stadtzentrum, um in Platanen und Kastanien auf dem Augustinerhof oder im Alleenring zu schlafen. Bei Tagesanbruch verschwinden sie wieder.
"Die Krähen sind ein Teil der Natur. Ihre Verhaltensweisen lassen sich nur schwer ändern", sagt Udo Ammel von der unteren Naturschutzbehörde im Rathaus. "Sie kommen zum Übernachten in die Stadt, weil es hier etwas wärmer und heller ist als im Umland und es keine natürlichen Feinde gibt."
Ein übergroßes Nahrungsangebot durch Abfälle sei nicht der Grund ihrer Anwesenheit. "Krähen sind tagaktiv. Tagsüber sieht man allenfalls einmal einzelne Vögel in der Stadt, die sich über einen Abfalleimer oder Essensreste hermachen", sagt Ammel. Die Stadt sei so sauber, dass sie keine Nahrungsgrundlage bietet für Schwärme von über 200 dieser großen Vögel.
In anderen Städten habe man versucht, die Krähen mit Böllern, Lichtblitzen oder "Krähenklatschen" zu verscheuchen. "Doch die hochintelligenten Vögel lernen sehr schnell, dass ihnen davon keine Gefahr droht und ignorieren schon bald diese Störungen", betont der Experte. Auch der Einsatz von Falknern habe sich als nicht effektiv erwiesen. Das Jagen der Tiere scheide in besiedelten Bereichen allein schon aus Sicherheitsgründen aus. "Hier darf nicht geschossen werden. Ein Auslegen von Giftködern wäre nicht nur unvereinbar mit dem Tier- und Artenschutz, sondern würde zudem andere Vogelarten, Hunde und Katzen gefährden", so Ammel.
Zwar könne man die Kronen der großen Schlafbäume, wenn sie kein Naturdenkmal sind, um die Hälfte zurückschneiden. Aber so verlagere man das Problem nur auf andere Straßen und Plätze und müsse zudem eine verstärkte sommerliche Aufheizung der Innenstadt und eine verminderte Staubfilterung in Kauf nehmen. Zudem würden die Krähen auf Dächern übernachten, wenn Großbäume nicht mehr zur Verfügung stehen.
"Es bleibt nur übrig, sich mit der abendlichen und nächtlichen Anwesenheit der Krähen zu arrangieren, ihr Spektakel als Naturschauspiel zu betrachten und das Auto in ausreichender Entfernung zu deren Schlafbäumen abzustellen", sagt Udo Ammel. Im Frühjahr verlassen die geschützten Vögel die Stadt wieder, um den Sommer in der freien Landschaft zu verbringen, wo sie ihren Nachwuchs aufziehen. jp