Nadelöhr Pallien

Eine Moselbrücke im Norden Triers, ein Tunnel von Euren zum Autobahnanschluss bei Trierweiler und der Bau der Meulenwald-Autobahn: Diese Projekte könnten helfen, das Palliener Verkehrsproblem zu lösen. Doch noch nicht mal eines davon kann laut Verkehrsexperte Raimund Scholzen binnen der nächsten zehn Jahre realisiert werden. Scholzens Favorit: eine Regionalbahn im Westen.

Trier-West/Pallien. Eine gute und finanzierbare Lösung kann selbst Raimund Scholzen nicht aus dem Hut zaubern. Auch wenn das Problem zu der gesuchten Lösung "ein Blinder mit Krückstock" hätte voraussehen können, wie der stellvertretende Vorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland (VDC) klagt: Die im April eröffnete Umgehung um Biewer und Pfalzel mündet in Pallien in ein enges, altes Nadelöhr am Kopf der Kaiser-Wilhelm-Brücke. Stoßstange an Stoßstange stehen in Bonner und Kölner Straße und auf der Brücke die Autos und LKW, deren Fahrer noch kurz zuvor über die gut ausgebaute B 53 gebraust sind. Als Alternative zur ständig verstopften "Bitburger" oder zur ebenfalls stark belasteten Zurmaiener Straße entlang des gegenüber liegenden Moselufers wird die neue B 53 gerne genutzt, auch von Schwerlastzügen.Schon vor Öffnung der neuen Umgehung rollten täglich rund 14 800 Fahrzeuge durch die Bonner Straße. Wie genau sich der Verkehr in Pallien entwickelt hat, will die Stadtverwaltung in den nächsten Wochen veröffentlichen.

Scholzen, der von 1970 bis 2004 das städtische Amt für Verkehrsplanung leitete, hat gleich mehrere Ideen, wie Pallien und Trier-West entlastet werden könnten:

Sperrung der neuen B 53 für den Schwerlastverkehr: "Aber das wäre gleichzeitig ein Armutszeugnis", sagt Scholzen. Schließlich sei die Umgehung auch zur Entlastung der Zurmaiener Straße gebaut worden, die bei einer LKW-Sperrung der B 53 wieder stärker befahren würde.

Potenzial für Regionalbahn umstritten

Einsatz einer Regionalbahn auf den Gleisen der Bahntrasse am westlichen Moselufer: "60 Prozent des Verkehrs durch Pallien ist Individualverkehr mit Ziel oder Ursprung in Trier", sagt Scholzen. Der öffentliche Personennahverkehr sei in Triers Westen mit nur fünf Prozent Anteil am Verkehrsaufkommen schwach ausgeprägt. "Auf die gesamte Stadt gesehen, sind es 12 Prozent", erläutert Scholzen, der daraus großes Potenzial für eine Regionalbahn ableitet. "Es ist daher nicht nachvollziehbar, warum Stadtrat und Verwaltung sich so schwer tun, mit der Einbeziehung der Weststrecke in das Konzept der Regionalbahn." Das Rathaus hält dagegen: Ein Gutachten hätte 2005 ergeben, dass die Nachfrage zwischen Biewer und Zewen nicht ausreiche, um dort eine Regionalbahn wirtschaftlich zu betreiben.

Neue Moselbrücke auf Höhe des Verteilerkreises Trier-Nord: "Die Nordbrücke ist seit 50 Jahren Bestandteil des städtischen Verkehrskonzepts", erläutert Scholzen. Die Nordbrücke wird vom Stadtplanungsamt "insgesamt positiv" bewertet. "Es ergäben sich Entlastungen für Pallien, die A 602 und alle anderen Moselbrücken", heißt es aus dem Rathaus. Ehrang, Pfalzel und Biewer wären direkt ans nördliche und östliche Trier angebunden. Anwachsen würde der Verkehr allerdings in Schöndorfer-, Franz-Georg- und Herzogenbuscher Straße. "Parallel wären deswegen der Ausbau der Metternichstraße und der Durchbruch übers Moselbahngelände Richtung Autobahn notwendig", teilt Pressesprecher Jürgen Backes mit. Wegen der hohen Kosten sei der Bau einer Nordbrücke in absehbarer Zeit allerdings "nur als Maßnahme des Bundes" realisierbar. Angesichts des rigiden Sparkurses des Bundes dürfte die nach Scholzens Schätzungen rund 20 Millionen Euro teure Nordbrücke damit aufs ewige Eis gelegt sein.

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Verlängerung der Konrad-Adenauer-Brücke per Tunnel Richtung Autobahnanschluss bei Trierweiler: "Die 3,5 Kilometer mit Tunnelbau dürften rund 120 Millionen Euro kosten", schätzt Scholzen. Der Stadtrat hat die Prüfung dieses "Eurener Aufstiegs" im Januar in Auftrag gegeben. "Allerdings würde dadurch Pallien lediglich vom Fernverkehr entlastet werden, der nur einen kleinen Teil des Verkehrs ausmacht", sagt Scholzen.

Fertigstellung des fehlenden Autobahnteilstücks zwischen der A 64 auf Höhe des Rastplatzes "Dicke Buche" und der A 1 bei Schweich. "Auch diese Lösung würde Pallien und die Kaiser-Wilhelm-Brücke letztlich nur vom Fernverkehr entlasten", kommentiert Scholzen. Egal, welches Bauwerk einst das Palliener Verkehrsproblem lösen soll: "Bis tatsächlich ein Beschluss gefasst, die Maßnahme geplant und der Bau umgesetzt wird, gehen mindestens noch zehn Jahre ins Land", sagt Scholzen.

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