Nächster Halt: Hafenstraße

Nach vielen Jahren auf dem Abstellgleis nimmt die Regionalbahn Trier wieder Fahrt auf. Der erklärte Wille von Stadt und Schienenzweckverband (SPNV Nord) lässt hoffen, dass neue Haltepunkte in Trier-Nord und an der Ehranger Hafenstraße bald realisiert werden. Züge entlang der Weststrecke stehen zunächst nicht auf der Agenda.

Trier. Leise rollt der Elektrotriebwagen in den Bahnhof an der Hafenstraße in Trier-Ehrang ein. Schüler des benachbarten Mäushecker-Schulzentrums aus Richtung Stadt, Kordel und Schweich steigen aus. Vorbei der umständliche und zeitaufwendige Umstieg am Bahnhof in Ehrang.Das Szenario sollte längst Realität sein. Denn der Schienenhalt am Mäusheckerweg stand 2001 fest im Bahn-Fahrplan. Doch die Kostenexplosion beim Bau von "Ehrang, Ort" hatte die laufenden Planungen gestoppt. Vom ehrgeizigen Regionalbahn-Konzept, vor mehr als 15 Jahren konzipiert, ist in Trier nur die durchgehende Verbindung der Obermoselstrecke von Perl nach Wittlich und der Halt in Ehrang verwirklicht.Seit 2006 ist mit dem Gutachten des Zweckverbands SPNV wieder Bewegung in die Sache gekommen. "Bis 2014 fallen alle Leistungen aus den DB-Verträgen raus", berichtet dessen Verbandsdirektor Thomas Geyer. "Deutlich davor müssen wir wissen, wohin es in den nächsten 15 Jahren geht."Neue Haltepunkte Trier-Nord und Kaiserthermen

Nach dem Stadtratsbeschluss von 2006 sei die Umsetzung des Konzepts erklärtes Ziel der Stadt, teilt Ralf Frühauf vom städtischen Presseamt mit. Beschlossen wurde in der ersten Planstufe der Bau sechs neuer Haltepunkte in der Reihenfolge Trier-Nord, Mäusheckerweg, Kaiserthermen, St. Matthias, St. Medard und Kürenz.Wenn zudem die Züge von Koblenz über den Hauptbahnhof hinaus bis Konz fahren, werde die Fahrgastnachfrage um 17,5 Prozent steigen, 1000 Fahrgäste mehr am Hauptbahnhof in den Zügen sitzen, prognostiziert das Gutachten. Als wichtigster neuer Stopp entpuppt sich der Haltepunkt "Kaiserthermen" mit avisierten 1700 Einsteigern. Er werde mit geschätzten 3,9 Millionen Euro auch der teuerste. Trier-Nord bringe den größten Nutzen im Vergleich zu den Kosten. "Der Halt Mäusheckerweg ist unabhängig von anderen Planungen realisierbar", betont Geyer. Es gebe Überlegungen, ihn in die Höhe der Hafenstraße zu verschieben, um zusätzliche Fahrgäste im Industriegebiet zu erreichen. Eine bestehende Unterführung könnte einbezogen werden und Baukosten senken. Weitere Fahrgäste soll im zweiten Schritt die durchgehende Verbindung von Luxemburg bis Schweich bringen. Ein genauer Zeitplan für die Maßnahmen liegt laut Rathaus noch nicht vor. Dafür seien neben der Finanzierung bahntechnische Zusammenhänge zu prüfen.Die Reaktivierung der Westtrasse für den Personenverkehr sei laut Stadtratsbeschluss nicht vorrangig zu behandeln, heißt es aus dem Rathaus. Die Studie hat sie aus "wirtschaftlichen Gesichtspunkten" nicht empfohlen. Die Option werde jedoch offen gehalten. "Brachliegendes Potenzial", urteilt Verkehrsexperte Raimund Scholzen. "Das ist eine Strecke, die in Frage kommen müsste. Sie würde rechts und links der Mosel das gleiche Fahrgastpotenzial erschließen. Fußgängerbrücken verstärken den Effekt." Städteplanerisch sind die neuen Haltepunkte nicht von anderen Vorhaben zu trennen. So ist der Bau von "Trier-Nord" unmittelbar mit der Umgehung Kürenz verbunden. Die Stadt plant in Höhe der Dasbachstraße eine neue Bahnbrücke mit Zugang zu den Gleisen. Auch die Diskussion um eine Sanierung der Aulbrücke in Trier-St. Matthias hat Auswirkungen auf die Schiene. Falls keine neue Brücke gebaut wird, rückt der geplante Haltepunkt St. Matthias in weite Ferne.

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