Narren in Triers guter Stube

TRIER. Mit gestiegenem Alkoholkonsum kletterte am Abend des Weiberdonnerstags auch die Aggressionsbereitschaft der durch Triers Straßen ziehenden Narren in die Höhe. "Trotzdem hatten wir die Lage jederzeit im Griff", sagt Markus Kohl, Leiter der Polizeiwache Innenstadt.

Ein sicher gestelltes Schaukampfschwert, eine Schreckschusspistole, fünf Männer, die in Gewahrsam genommen wurden, und 13 Anzeigen wegen Körperverletzungen oder Widerstand gegen die Polizei: So lautet die Bilanz des nach Redaktionsschluss unruhig gewordenen Weiberdonnerstags. Doch die Zahlen klingen übler, als die Wirklichkeit aussah: Nach heftigen Auseinandersetzungen und gefährlichen Körperverletzungen im Vorjahr, setzte die Polizei diesmal auf verstärkte Präsenz und griff ein, bevor Rangeleien eskalieren konnten. "Bei den Körperverletzungen ging es um blutige Nasen, gerötete Wangen und blaue Augen - niemand musste notärztlich versorgt werden", berichtet Polizei-Sprecher Karl-Peter Jochem.Torkelnder Ritter in Dienstkleidung

Was von der Nachrichtenagentur dpa als "Kampftour eines Ritters und eines Kriegers durch Trier" beschriebenen wurde, entpuppte sich als wenig blutrünstig: "Die Polizisten haben einen als Ritter verkleideten 19-Jährigen, der nach eigenen Angaben Darsteller bei Antiken-Schauspielen ist, gegen 19.40 Uhr über den Hauptmarkt torkeln sehen. Das rund einen Meter lange Schwert hatte er bei sich, aber nicht etwa gezogen. Es gab keine Bedrohung und bei dem Schwert handelte es sich auch nicht um eine geschliffene oder angespitzte Waffe", informiert Hauptkommissar Markus Kohl. Der Mann habe sich das Schwert widerstandslos abnehmen lassen. "Dabei handelte es sich um eine rein präventive Maßnahme." Der "Krieger" war ein 31-Jähriger, der gegen 21 Uhr an der Ecke Karstadt/Simeonstraße mit einer Schreckschusspistole mehrmals in die Luft schoss. "Der alkoholisierte Mann zielte nicht auf Menschen. Trotzdem ist das Rumschießen mit einer solchen Waffe in der Öffentlichkeit natürlich strafbar, außerdem besitzt der Mann nicht den notwendigen kleinen Waffenschein", sagte Jochem. Bis 16.30 Uhr sei die Lage ruhig gewesen, danach hätte sich das Klientel auf dem Hauptmarkt "umstrukturiert": "Nicht mehr Schüler und Jugendliche, sondern junge Erwachsene, teilweise bereit zu Rangeleien, sammelten sich." Frühes Eingreifen der in großer Zahl vertretenen Polizisten hätte Schlimmeres verhindert. Tatsächlich sprachen die Beamten bereits bei verbalen Streitereien die Beteiligten an. Von den fünf wegen Trunkenheit und Randalierens in Gewahrsam Genommenen zwischen 16 und 39 Jahren musste einer wegen übermäßigen Alkoholkonsums ins Krankenhaus gebracht werden. Positiv verliefen die Kontrollen in den Geschäften: "Unsere Zivil-Beamten stellten keinen Fall von Alkoholverkauf an unter 16 Jahre alte Jugendliche beziehungsweise von Schnapsverkauf an unter 18-Jährige fest", berichtet Kohl. Am Rosenmontag will die Polizei Trier mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei Wengerohr auf das gleiche Konzept setzen: Massive Präsenz und frühzeitiges Eingreifen.Ihre Meinung zum Thema? Ihre Zuschrift sollte maximal 30 Zeilen à 30 Anschläge lang sein und bis heute, 14 Uhr, vorliegen. Fax: 7199439; E-Mail: echo@volksfreund.de

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