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Naschen im Dienst der Verbraucher

Naschen im Dienst der Verbraucher

Probieren und forschen: Der Trier er Professor Enrico Careglio leitet seit diesem Jahr eine Kommission von rund 250 Ehrenamtlichen, die für die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft Süßigkeiten kontrolliert. Zu Hause in Trier erforscht er die Mysterien der Schokolade.

Trier. Es gibt bitterere Jobs als diesen: 2000 bis 3000 Süßigkeiten im Jahr probieren die rund 250 ehrenamtlichen Prüfer der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) bei ihren regelmäßigen Treffen.
Sie beurteilen Geschmack, Konsistenz und Aussehen von Schokolade, Gummibärchen und Co.Von Bronze bis Gold


Auch die Rohstoffauswahl und die Kennzeichnung auf der Verpackung analysieren sie genau. Je nach Ergebnis vergeben die Prüfer Qualitätsplaketten von Bronze bis Gold - oder informieren bei Mängeln die Produzenten.
Chef der Kommission ist seit Januar Enrico Careglio, Professor am Kompetenzzentrum für Lebensmitteltechnik an der Hochschule Trier. "Um von Verbänden und Forschungseinrichtungen aus der Süßwarenbranche als DLG-Prüfungsbevollmächtigter vorgeschlagen zu werden, muss man sich einen Ruf als Süßwarenexperte erarbeitet haben", sagt Careglio.
Der Trierer Professor hat nicht nur eine Hochschulkarriere vorzuweisen: Bevor er den Lehrauftrag in Trier annahm, arbeitete er 16 Jahre für einen großen italienischen Süßwarenkonzern. Er sei in die Lehre gewechselt, um frei und unabhängig von Vorgaben aus der Wirtschaft forschen zu können, sagt er.
Seit der Einführung des Bachelor- und Masterstudiengangs habe sich in der Fachrichtung Lebensmitteltechnik an der Hochschule viel getan. "Wir haben bei null angefangen. Mittlerweile sind unsere Studiengänge voll belegt", resümiert Careglio.
Seine Berufung durch die DLG versteht er als Würdigung seines gesamten Fachbereichs an der Hochschule Trier.
Die Arbeit dort steht in engem Zusammenhang mit den Aufgaben der Prüfkommission. "Von den Süßwaren bietet Schokolade das meiste Forschungspotenzial", sagt Careglio.
Sie sei gleichzeitig Forschungsschwerpunkt des Kompetenzzentrums. "Wir versuchen, die physikalischen und chemischen Eigenschaften der Schokolade zu entschlüsseln, die Aufschluss über ihre Struktur, Optik, Haltbarkeit und Verarbeitungsmöglichkeiten geben", erklärt Careglio. Ein neues Projekt sei bereits in Planung: In Kooperation mit dem Fraunhofer Institut in München wollen die Trierer Wissenschaftler den Reifeverlauf einer Kakaobohne analysieren, um ein Kontrollverfahren für ihren optimalen Erntezeitpunkt zu entwickeln.