NATUR

Zur Berichterstattung über den Prozess um den tödlichen Baumunfall am Landgericht Trier:

In aller Welt passieren unvorhersehbare Naturkatastrophen größeren Ausmaßes, mit tragischen Schicksalen verbunden. Aber fällt in Trier mal ein Baum, wie geschehen im Jahr 2012 im Rautenstrauchpark, so werden Professoren und Gutachter herangezogen, um bis ins Detail Ursachenforschung zu betreiben. Sozusagen Baumexperten mit Qualifikationspotenzial! Zu verurteilen sind eigentlich die Baumpinkler, die Luftverschmutzer, die Stadt mit ihrem übermäßigen Streuen von Salz, die Hundehalter, die Liebespaare, die Flächenversiegler und alle, die mit der Kastanie in irgendeiner Form in Berührung kamen und diese somit über Jahre vorgeschädigt haben. Dass ein Baum gerade mal kippen möchte, wenn es einem nicht passt, liegt oft in der Natur der Sache. Aber selbst die Polizei, die Verkehrskontrollen durchführt, erkennt nicht immer gleich einen Alkoholiker hinter dem Steuer. Man sollte deshalb nicht voreilig urteilen. Um weiteren Unfällen vorzubeugen, fällte die Stadt sicherheitshalber im Nells Park mehrere Bäume mit gleicher Vorschädigung. Aber eine 100-prozentige Sicherheit hält die Natur nicht bereit. Stefan Mayer, Trier