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Neben dem an der Mosel dominierenden Riesling pflanzen Winzer auch wiederentdeckte Historische Rebsorten an.

Weinbau : Wiederkehr der historischen Rebsorten

Riesling ist die dominierende Rebsorte an der Mosel. Doch Winzer entdecken auch historische Rebsorten wieder. So wie das Weingut Kühner-Adams in Mehring.

Mit etwa 300 Rebstöcken ist es ein relativ kleiner, aber besonderer Weinberg. Denn auf der Fläche des Weinguts Kühner-Adams in Mehring reift seit 2017 Gelber Kleinberger, eine sogenannte historische Rebsorte. Lange in Vergessenheit geraten, gilt sie als robust, widerstandsfähig gegenüber Frost und pilzresistent.

Auf Pflanzenschutzmittel könne verzichtet werden, erklären Christa Kühner-Adams und Hans-Josef Adams. Der Anbau erfordere weder den Einsatz von Fungiziden noch von Herbiziden. Und die hohen Temperaturen der vergangenen zwei Jahre habe der Gelbe Kleinberger ebenfalls „gut überstanden“. Damit passt die Rebsorte ihrer Überzeugung nach gut in das Konzept des Familienweingutes, das auf Artenvielfalt, Nachhaltigkeit und auf eine Verbindung von „Alt und Neu“ setzt.

Daran orientierte sich auch der Umbau von Adams Elternhaus in Lörsch, ein moseltypisches Winzerhaus. Hinter Bruchsteinmauern wurden Gästezimmer ausgebaut und giebelseitig ein Glaskubus angebaut, eine moderne Vinothek (der TV berichtete). Die angrenzende Terrasse begrenzen lose aufgeschichtete Natursteinwacken, ein von Salamandern geschätzter Lebensraum.

Daneben wurde eine Blumenwiese gesät und aus recyceltem Gebrauchtem und Natur-Materialien ein Lebensturm errichtet. Er ist einer der von der Regionalinitiative „Faszination Mosel“ erhofften „100 für die Mosel“ und bietet wie die Wiese vielen anderen Kleinlebewesen Nahrung und Unterschlupf.

Die Vielfalt dieser Tier- und Pflanzenwelt ist dem Wunsch der Winzer, „Altes zu bewahren“, zu verdanken. Die Idee, historische Rebsorten mit einzubeziehen, wurde bei einem Fachmessebesuch geboren. Über sie lernte das Paar den Rebhistoriker Andreas Jung, einen führenden Rebsortenforscher, der Hunderte Rebsorten wiederentdeckte, und den Rebveredler Ulrich Martin kennen. Die Entscheidung für den Gelben Kleinberger, der erst seit wenigen Jahren vereinzelt wieder angebaut wird, fiel wohlüberlegt.

Geschmacklich sei das für sie zwar „ein Blindflug“ gewesen, räumt Adams ein. Doch dafür sei es richtig spannend, „schmecken und erleben zu können“, wie eine aus dem Anbaugebiet stammende Rebsorte wieder heimisch werde an der Mosel. Nach einer bescheidenen ersten Ernte eines „goldgelben, leicht würzigen“ Weins mit fruchtigen Aromen, wird demnächst der 2020er abgefüllt. Das Mostgewicht der im Ende September gelesenen Trauben lässt eine gute Qualität erwarten.

Rebsorten

Etwa 140 Rebsorten – allen voran Riesling und Müller-Thurgau, Spätburgunder und Dornfelder – wachsen in Deutschland. Eine namhafte historische Rebsorte und eine der ältesten in Deutschland ist der inzwischen wieder etablierte Elbling. Rebsortenforscher spüren in alten oder aufgegebenen Weinbergen beständig weitere Rebsorten auf. Experimentier- und investitionsfreudige Winzer bauen sie erneut an und gehen damit oft ein finanzielles Risiko ein. Daher ist laut Ansgar Schmitz, Geschäftsführer der Weinwerbung Moselwein e.V., nicht von einem Trend hin zu historischen Reben zu sprechen.

Seit 2016 wächst Gelber Kleinberger auch in Kesten, im Weingut Steffen-Erben von Michael Beers. Das Mülheimer Weingut Max Ferdinand Richter setzt auf Kleinberger, Adel- und Grünfränkisch sowie Weißen Traminer und das Weingut Günther Steinmetz, Brauneberg, auf Rotweine der Sorten Fränkischer Burgunder, Hartblau, Schwarzblauer Affenthaler, Schwarzurban und Süßschwarz. Im Wein- und Sektgut Daniel Anker in Köwerich gibt es mit Rotem Riesling zudem eine Mutation.

Rebsorten-Vielfalt zielt auf eine möglichst große „genetische Breite“ ab. „Zwischen“ wie „innerhalb“ von Rebsorten zählen dazu alte Sorten ebenso wie neu gezüchtete Klone. Denn es gilt nicht nur vergessene Rebsorten zu sichern, sondern ebenso die Vielfalt einzelner Rebsorten wie die „Varietät im Riesling“. Wichtig ist das nicht zuletzt mit Blick auf klimatische Veränderungen, denen sich manche Rebe besser als andere anpasst.