Nero wird der neue Konstantin

Nero wird der neue Konstantin

Neun Jahre nach der Konstantin-Ausstellung soll ein anderer Römerkaiser die Massen nach Trier locken. Die Landesregierung plant für 2016 eine große Ausstellung über Nero im Rheinischen Landesmuseum, bestätigt Kultur-Staatssekretär Walter Schumacher auf TV-Anfrage. Hotellerie und Tourist-Information Trier frohlocken bereits: "Das wird ein Knüller."

Trier. Konstantin machte im Jahr 2007 seinem Beinamen der Große alle Ehre. Die Landesausstellung über den Römerkaiser, der seine Herrscherkarriere 1700 Jahre zuvor in Trier gestartet und die Welt nachhaltig verändert hat, zog binnen fünf Monaten 354 000 zahlende Besucher an. Ein echter großregionaler "Blockbuster": Bei Produktionskosten von 6,4 Millionen Euro (die das Land zahlte) spielte Konstantin laut Europäischem Tourismus-Institut einschließlich der Besucherausgaben in Hotellerie und Gastronomie knapp 30 Millionen Euro ein.
Kaiser, Künstler, Tyrann


Der Haken an der Sache: So etwas wie die Konstantin-Schau scheint auf lange Sicht nicht mehr machbar in Trier. Oder vielleicht doch? Marcus Reuter (47), seit 1. Juli 2012 Chef des Rheinischen Landesmuseum, würde gerne den Versuch wagen. Er hat ein Ausstellungsprojekt über Nero konzipiert. Arbeitstitel "Kaiser, Künstler und Tyrann". Aber er hat sich auch bisher beharrlich geweigert, öffentlich darüber zu sprechen. Denn in Mainz sei noch nichts entschieden. "Stimmt, wir sind noch in den Planungen, aber auch fest entschlossen: Die Nero-Ausstellung 2016 in Trier wird kommen", lässt sich Kulturstaatssekretär Walter Schumacher (63) auf TV-Anfrage entlocken.
Nun ist es also offiziell. Halböffentlich frohlockt wird schon seit Wochen. Triers Tourismus-Chef Hans-Albert Becker (58) und Andrea Weber (54), Hotelbesitzerin und Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK), sprechen von einem Knüller: "Ein ganz großes Ding, mit dem Trier auch bei internationalem Publikum punkten kann."
Erstmals in Deutschland

Landesmuseums chef Marcus Reuter. TV-Foto: Roland Morgen.


Aber wieso Nero? Der hat doch - ganz im Gegensatz zu Konstantin - ziemlich wenig mit Deutschlands ältester Stadt zu tun. Wo ist da der Bezug? "Stimmt. Nero war nie diesseits der Alpen", sagt Reuter. "Doch seine Politik und die Unruhen nach seinem Tod hatten direkte Auswirkungen auf die Region."
Das ist nur ein Aspekt, den der Landesmuseumschef würdigen will. Ihm geht es auch darum, eine der bekanntesten und umstrittensten Persönlichkeiten der Weltgeschichte in das Licht aktueller Forschungsergebnisse zu rücken - erstmals in einer Ausstellung in Deutschland. "Nero war nicht nur die Bestie, als die er in vielen Filmen und Romanen dargestellt wird", sagt Reuter. "Er war auch Künstler und Kunstförderer, entwickelte sich jedoch zusehends zum Tyrannen. Vor allem nach der Ermordung seiner Mutter Agrippina nahm seine persönliche Entwicklung groteske Züge an. Seine letzten Jahre waren geprägt von Verschwendung, Dekadenz und Grausamkeit."
So hat er nach der verheerenden neuntägigen Feuersbrunst des Jahres 64 in Rom die Christen der Brandstiftung bezichtigt und damit die erste Christenverfolgung ausgelöst. Wenig später begann der Stern des Kaisers zu sinken. Immer realitätsferneres Handeln und Größenwahn führten zu Widerstandsbewegungen. Nero reagierte mit Hinrichtungen und veranlasste Zwangsselbstmorde. Doch er konnte das Blatt nicht mehr zu seinen Gunsten wenden.
Selbst zum Staatsfeind erklärt, brachte sich Nero 68 um. Die Reichskrise, die er ausgelöst hatte, fand ihren finalen Akt im Aufstand der germanischen Bataver unter Beteiligung der keltischen Treverer. Kaiser Vespasians Truppen besiegten die aufständischen Treverer im Jahr 70 bei Riol. Triers erste (hölzerne) Römerbrücke ging in Flammen auf. Der letzte Versuch der Treverer, sich von Rom zu lösen, war gescheitert. Die Region wurde nun endgültig romanisiert und erlebte eine wirtschaftliche Blütezeit.
Der einst verhasste Kaiser ist heute für Trier ein Hoffnungsträger. Mehr als 150 000 Besucher soll die voraussichtlich fünf Monate dauernde Ausstellung 2016 anlocken. Das Landesmuseum will auf knapp 1000 Quadratmetern Fläche "Leihgaben von Weltrang" (Reuter) unter anderem aus Rom, London, Paris und New York präsentieren. Auch die beiden anderen großen Trierer Museen planen eine Beteiligung. Das Stadtmuseum Simeonstift will sich dem Thema Nero in der Kunst widmen, das Museum am Dom den Christenverfolgungen.
Eine eigene Ausstellungs-GmbH wie 2007 bei Konstantin soll es nicht geben. Jedes der beteiligten Häuser arbeitet, wenn auch in enger gemeinsamer Absprache und mit gemeinsamer Werbung, auf eigene Kappe.
Auch vom finanziellen Aufwand her ist das Nero-Projekt weit entfernt von Konstantin-Dimensionen. Nach unbestätigten TV-Informationen müsste Mainz rund 2,4 Millionen Euro investieren. Staatssekretär Schumacher will sich dazu derzeit nicht äußern und lässt durchblicken: "Wir stehen in vielversprechenden Gesprächen mit potenziellen Unterstützern."

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