NeroHero: Trierer Stadtvorstand setzt auf Schadensbegrenzung

NeroHero: Trierer Stadtvorstand setzt auf Schadensbegrenzung

Nach der überraschenden Absage des Tanztheaters „NeroHero“ räumt Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe Fehler in der Zusammenarbeit der Akteure ein. Dezernent Thomas Egger steht gewaltig unter Druck, sieht aber „keinen Grund, zurückzutreten“.

30 Minuten hat der Trierer Stadtvorstand für das erste Pressegespräch in dieser neuen Form angesetzt. Alle zwei Wochen sind Medienvertreter eingeladen, Fragen zu beliebigen Themen zu stellen. Die Premiere am Montag dreht sich zunächst um den vom Stadtvorstand gesetzten Schwerpunkt (erfolgreiche) Flüchtlingspolitik. Bei der ersten Frage zu "NeroHero" wird klar: Die Absage des für August geplanten Tanztheaters vor der Porta Nigra wegen finanzieller und politischer Unwägbarkeiten (der TV berichtete) liegt allen schwer im Magen.
Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) versucht es mit einer Doppelstrategie: "Bei dem Projekt gab es zehn Akteure, darunter Land, Mosel Musikfestival, Museen, Trier Tourismus und Marketing GmbH. Jeder hat für sich einen guten Job gemacht. Aber es ist nicht gelungen, die Akteure zusammenzuführen." Leibe findet deutliche Worte: "Wir sind als Tiger gestartet und als Bettvorleger gelandet."

Kulturdezernent Thomas Egger (SPD) nennt als Projektkoordinator das städtische Amt für Kultur und internationale Angelegenheiten, kurz Kulturbüro. "In der gesamten Maschinerie gab es wohl zu wenig Abstimmung untereinander", räumt Egger ein. Die künstlerische Konzeption sei nie als Grundproblem genannt worden. Als Sponsoren nicht so viel Geld wie erwartet zugesagt hätten, sei die Bereitschaft der Stadt zur Übernahme eines höheren Defizits gefragt gewesen. "Das hätte eine 100-prozentige politische Unterstützung gebraucht, aber die gab es nicht", spielt Egger auf kritische Nachfragen besonders von CDU und Grünen an, die ihre Bedenken vorige Woche auch öffentlich geäußert hatten. "Unsere Antworten auf die Fragen der Fraktionen waren zu diesem Zeitpunkt noch in Arbeit."
Inhaltlich liefert Egger keine neuen Erkenntnisse. Beispiel: Warum hatte die Vermarktung noch nicht begonnen? "Es gab ein Vermarktungskonzept. Was nicht heißt, dass es ein gutes Konzept war." Sollten tatsächlich Nackte über die Bühne laufen? "Das stand in einem Vorkonzept, wäre aber so nicht umgesetzt worden. Eine Tanztheaterperformance lässt sich im Vorfeld ganz schlecht beschreiben."

Da Karl Sibelius erklärt hat, nicht mehr zusätzlich zu seinem Intendanten-Job als künstlerischer Leiter für Projekte wie "NeroHero" zur Verfügung zu stehen, läuft die Suche nach einem neuen Kopf dafür. Dezernent Egger will hingegen im Amt bleiben: "Ich habe heute keinen Grund, zurückzutreten. Ich habe einen Auftrag durchzuführen und will diesen auch zu Ende bringen."
OB Leibes Fazit: "Man kann aus Fehlern lernen. Wir müssen eine sauberere Analyse machen. Und wir müssen aufpassen, dass wir das fantastische Projekt Nero nicht beschädigen." Drei Museen zeigen vom 14. Mai bis 16. Oktober die Ausstellung "Nero - Kaiser, Künstler und Tyrann". Die ergänzende Inszenierung "NeroHero" entfällt, doch das Hauptprogramm bleibt unberührt. Meinung

Die Kommunikation war ein Desaster
Viele Köche verderben den Brei. Doch das ist nur die halbe Wahrheit zur Pleite von "NeroHero". Im Alleingang lassen sich solche ambitionierten Projekte nämlich nicht stemmen. Deshalb sind Koordination und Führung so wichtig - und die liegt letztlich in der Verantwortung des Kulturdezernenten. Beispiel: Ein Thomas Egger kann sich nicht um jeden Sponsor persönlich kümmern. Aber er muss sicherstellen, dass wichtige Geldgeber und politische Entscheider hinreichend informiert und bei der Stange gehalten werden. Er muss die große Linie eines Projekts im Blick behalten und rechtzeitig gegensteuern, wenn diese Linie verlassen wird.
Es wäre zu einfach und unfair, Egger allein die Schuld zuzuschieben. Um ein Zitat von OB Leibe umzukehren: Viele Akteure haben ihren Teil zum Scheitern beigetragen. Gerade weil das künstlerische und logistische Konzept (Open Air vor der Porta) so anspruchsvoll und riskant war, hätte die interne und externe Kommunikation (Marketing) um so frühzeitiger und intensiver geführt werden müssen. Doch die war leider ein Desaster. m.hormes@volksfreund.de

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