"Nette Begegnung" zum runden Geburtstag

"Nette Begegnung" zum runden Geburtstag

Mit handgeschriebenen Noten und einem Schifferklavier fing alles an. Kurz nach Kriegsende am Donatuskreuz: die Erfolgsgeschichte des Männergesangvereins (MGV) Morscheid. Nun sind 70 stolze Jahre daraus geworden, die es gebührend zu feiern gilt.

Morscheid. "Hallo, hallo wie geht's - wie steht's?", stimmen die Männer an. "Alles gut soweit, alles gut soweit!" antworten die Frauen prompt und freudig. Mit dem beschwingten Lied "Die nette Begegnung" begrüßt der Chor seine Gäste. Frauenstimmen im Männergesangverein? Aber natürlich und wieso eigentlich nicht? In Morscheid haben die heilige Cäcilia (Patronin des MGV) und der heilige Martin (Patron des Kirchenchores) vor fast zwei Jahren einen Bund geschlossen. Seitdem singen die Sängerinnen des Kirchenchores und die Morscheider Männer in einer Chorgemeinschaft zusammen. Zum Repertoire gehören nun sowohl weltliche als auch kirchliche Lieder. Und das Ergebnis kann sich wahrlich hören lassen, lobt Unterkreisvorsitzender Norbert Faber, der ins Bürgerhaus gekommen ist, um langjährige Mitglieder zu ehren.
Für bemerkenswerte 60 Jahre Singen im Männergesangverein wird Rudolf Nellinger ausgezeichnet. Rudolf Heinz, erster Vorsitzender des Vereins, sagt bewegt: "Bleib noch lange bei uns, wir brauchen dich!" Christian Kiefer, der junge, redegewandte Chorleiter, schlägt einen Bogen zur Fußball-EM und stellt fest: "Einen Khedira kann man ersetzen, einen Rudolf Nellinger aber nicht." Für 25 Jahre aktives Singen werden Heribert Lauer und Erwin Nellinger, der stellvertretende Vorsitzende, ausgezeichnet. Und auch die engagierte Vorstandsarbeit von Schriftführer Stefan Jenetz (20 Jahre) und Rudolf Heinz (30 Jahre) wird geehrt. Als wichtigen Kulturträger in Morscheid würdigt Ortsvorsteher Josef Weber den rührigen Verein und übergibt einen Scheck. Er bemerkt anerkennend: "Als Veranstalter des jährlich im Oktober stattfindenden Viezfestes hat sich der MGV einen Namen in der Verbandsgemeinde Ruwer gemacht."
Nach den Ehrungen und Reden gibt es regen Andrang beim leckeren Fingerfood am langen Büfett. Und vielleicht hätte es ja auch Cäcilia und Martin gut geschmeckt!Extra

Der Männergesangverein Cäcilia Morscheid wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1946, ins Leben gerufen. In den ersten Jahren musste improvisiert werden: Die ersten Proben fanden am Donatuskreuz und in Privaträumen statt, weil es noch kein Vereinslokal gab. Ihr Gesang wurde anfangs vom Schifferklavier begleitet, ein passenderes Instrument war in den schlechten Nachkriegsjahren nicht aufzutreiben. Da es noch keine feste Währung gab und die Notenblätter somit nicht gekauft werden konnten, wurden die Noten mit der Hand geschrieben. Als Namenspatronin wählten die Sänger die heilige Cäcilia, eine frühchristliche Märtyrerin, die Beschützerin der Musik. Morscheid lag damals in der Französischen Besatzungszone. Die französische Militärregierung war deutschen Vereinsgründungen gegenüber sehr zurückhaltend. Erst 1949 konnte dann die offizielle Gründungsversammlung des MGV mit 60 Personen stattfinden. sj