Netter Empfang, harte Wahrheiten
Ehrang-Quint · Viel aufgestauter Ärger ist dem neuen Trierer Baudezernenten Andreas Ludwig bei seinem ersten Besuch des Ortsbeirats Ehrang-Quint um die Ohren geflogen. Der "Neue" räumt ein, dass im Trierer Rathaus ein Berg Probleme auf Erledigung warte.
Ehrang-Quint. Der neue Mann aus dem Rathaus stand als "erster Punkt" auf der Tagesordnung - doch Andreas Ludwig ließ auf sich warten, weil sein Besuch bei einem anderen Ortsbeirat länger als geplant dauerte. Ortsvorsteher Thiébaut Puel zog daher die geplante Einwohnerfragestunde vor. Es kamen Anregungen aus dem Publikum, die sich mit Anfragen aus dem Rat ergänzten. Viel Stoff, um den dann freundlich begrüßten neuen Baudezernenten zu beharken, wobei nicht alle Fragen in sein Ressort fielen.
Die Liste der Klagepunkte begann mit der Anwohnerumleitung über die Heide für die Zeit der B-422-Sperrung. Zunächst war die Behelfsstrecke durch den Meulenwald weitgehend nur provisorisch befestigt worden und die Unkenrufer behielten recht: Nach einigen Wochen war die Piste fast unbefahrbar und musste gegen grünen Protest mit Asphalt nachgerüstet werden. Doch die Stadt will die Behelfsstraße nach der B 422-Sperrung wieder in einen Wirtschaftsweg zurückverwandeln. Die meisten Ehranger und ihr Ortsbeirat sind dagegen. Die Straße durch den Wald sollte als wichtige Notumfahrung erhalten bleiben und könnte in "normalen Zeiten" durch herausnehmbare Poller gesperrt werden. Dezernent Ludwig - "ich bin schon in den ersten zwei Wochen meiner Amtszeit damit konfrontiert worden" - sah wenige Chancen, denn "der Weg gehört der Forstverwaltung und der Rückbau war fest vereinbart". Er wolle mit dem starken Argument aus Ehrang auf eine Änderung hinarbeiten.
Weitere Themen für Ludwig: Warum soll der dringend erforderliche dreispurige Ausbau der Einmündung Servaisstraße nach Angaben der Verwaltung technisch nicht möglich sein? Was hilft uns ein Fahrradwegkonzept bis 2025, wenn wir seit zig Jahren eine Beleuchtung für den Fußweg zu den Sportanlagen auf der Heide fordern? Was ist mit dem so fundamental wichtigen Supermarktprojekt an der neuen B-422-Ortsumgehung? Warum liegen die Verträge mit dem Investor noch immer ohne Unterschrift im Rathaus? Wenn nicht bald gehandelt werde, steige der aus - was fatal wäre für Ehrang.
Mängel an öffentlichen Bauten
Ludwig - "ich bin ja noch neu in Trier, aber habe mir hier schon vieles angesehen" - findet die Versorgung im Stadtteil mit kleineren Geschäften im Vergleich noch ganz gut. "Aber zum Kaufen fahren die Ehranger nach Schweich, wo wirklich alles zu haben ist", schallte es aus der Runde zurück.
Dann ging es um Mängel an öffentlichen Bauten und die geschlossene Mäusheckerhalle. Ein Thema, das Ludwig heftige Kopfschmerzen zu bereiten scheint. "Wir haben einen riesigen Unterhaltungsstau bei den städtischen Schulen insgesamt", sagt er. Ein Berg, der nicht bis morgen abgearbeitet werden könne. Das verstanden die Ratsmitglieder, doch sie machten weiter ihrem Unmut Luft, denn "Ehrang war bis zur Eingemeindung nach Trier ein reicher Ort und ist heute nur noch ein Anhängsel der Stadt".
Anja Utscheid (SPD) holte zum Rundumschlag aus: "Ohne Blick auf die jeweilige Partei liegt uns das Wohl unseres Ortes am Herzen. Wir haben uns schon so oft den Mund fusselig geredet - und davor jahrzehntelang unsere Vorgänger. Aber am Ende macht die Stadt doch wieder nur das, was sie für richtig hält - ohne auf unsere Probleme einzugehen." Seit Jahrzehnten seien die Ehranger immer nur hingehalten worden.
Der neue Baudezernent Ludwig nahm es mit Haltung und versprach, sich für die Ehranger einzusetzen soweit es in seiner Macht stehe. Jedenfalls schien ihm deutlich geworden zu sein, dass Ehrang kein pflegeleichter Stadtteil der Glückseligen ist.
Extra
Einstimmig gab der Ortsbeirat sein Ja zur Satzungsvorlage des Bebauungsplans Unterm Knieberg. Auf dem rund 29 000 Quadratmeter umfassenden Areal an der Ehranger Straße zwischen Knieberg und Friedhof Biewer soll kurz- bis mittelfristig ein allgemeines Wohngebiet entwickelt werden. Vorgesehen sind Einzel- und Reihenhäuser sowie ein Bauplatz für eine Geschosswohnanlage. Nach Fertigstellung der B-53-Ortsumgehung verfüge diese nun ruhige Lage über eine hohe Wohnqualität, heißt es in der Vorlage der Stadtverwaltung. Dem kann auch der Ortsbeirat nicht widersprechen. Im Rahmen des nun abgeschlossenen Offenlageverfahrens gab es keine Einwendungen, die Änderungen der Gesamtkonzeption erfordert hätten. Der Bebauungsplan kann vom Stadtrat als Satzung beschlossen werden. f.k.