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Neubau der Schweicher Brücke: Longuicher sagen Nein zur Lieblingsvariante der Planer

Neubau der Schweicher Brücke: Longuicher sagen Nein zur Lieblingsvariante der Planer

Auch in Longuich hat der Landesbetrieb Mobilität (LBM) seinen favorisierten Entwurf vom Neubau der Schweicher Brücke angepriesen. Der stellvertretende LBM-Leiter war vom heftigen Widerstand überrascht. Das letzte Wort scheint noch lange nicht gesprochen zu sein.

Longuich. Während Benedikt Bauch vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) auf der Leinwand Entwürfe sowie Visualisierungen zeigt und erläutert, kursiert ein Flugblatt im Saal des Longuicher Dorfgemeinschaftshauses. "Beton-Riegel Longuich-Kirsch, Ruhe in Frieden. Longuich-Kirsch lebt(e) vom Fremdenverkehr", ist unter anderem darauf zu lesen. Frank Borkam hat das Flugblatt unter die rund 70 Anwesenden während der Ortsgemeinderatssitzung gebracht. Vor wenigen Tagen hat er gemeinsam mit einer Handvoll Mitstreiter aus Schweich und Longuich die Initiative Longuich-Activ gegründet.Angst vor mehr Lärm


Wie offenbar alle Anwesenden lehnt Borkam die vom LBM bevorzugte Variante des Brückenneubaus ab. Er fürchtet etwa, dass sich Lärm und Verkehrsaufkommen in Longuich verdoppeln. Eine Sorge, die er mit vielen Bürgern teilt. "Das geht einfach nicht, uns mit noch mehr Lärm zuzudröhnen", schimpft Jürgen Hansjosten.
Die Lieblingsvariante des LBM bedeutet: Die nun 66 Jahre alte und laut Straßenbehörde marode Schweicher Brücke abreißen und 250 Meter weiter in Höhe des Longuicher Ortsteils Kirsch neu und unmittelbar neben der Autobahnbrücke bauen. Dies heißt nach Ansicht einiger Ratsmitglieder und Bürger zufolge auch, dass 20 000 Fahrzeuge täglich näher rücken und neben dem schon bestehenden Lärm von der Autobahn noch mehr Lärm verursachen. Weitere drei Varianten eines Neubaus der Schweicher Moselbrücke stehen im Raum: an gleicher Stelle, unmittelbar neben der jetzigen Brücke und in Höhe des Sägewerks.

Der stellvertretende LBM-Chef Hans-Michael Bartnick und sein Kollege Bauch erklären an diesem Abend, warum die Straßenbaubehörde einen Neubau in Höhe Kirschs den anderen Optionen vorzieht (siehe Extra). Unter anderem geht es um Kosten und eine einfachere Verkehrsführung während der Bauphase der neuen Moselquerung.
Longuichs Ortsbürgermeisterin Kathrin Schlöder (FWG) hält dagegen: "Wir fordern eine städtebauliche Begleitplanung für dieses Projekt, die die Auswirkungen des Brückenneubaus auch vonseiten der Dorf-, Stadt- und Mobilitätsplanung betrachtet." Eine Brücke sei nicht nur eine Straße, sondern sie verbinde Menschen miteinander, und deshalb sei es wichtig, diese Dinge über den Straßenbau hinauszudenken. Paul Zeltinger (Sprecher FWG) fürchtet, bei dieser massiven Werbung für die Variante Neubau in Höhe Kirschs könne die Entscheidung schon gefallen und die drei weiteren Varianten nur der Form halber erwähnt worden sein. Zeltinger kritisiert, der LBM sehe den Brückenneubau ausschließlich unter dem Aspekt der Leistungsfähigkeit des Straßennetzes und betrachte nur die technische Seite. "Was tut der LBM, wenn die Bürgerinnen und Bürger sowie die Räte von Longuich und Schweich diese Vorzugsvariante ablehnen", fragt Zeltinger. Eine klare Antwort gibt es von Bartnick zu dieser Frage nicht. Er ist jedoch gesprächsbereit und bittet die Longuicher Ratsmitglieder, ihre Fragen zusammenzufassen, damit die Mitarbeiter der Behörde sich in Ruhe damit beschäftigen und die Fragen beantworten könnten.

"Wir entscheiden nicht alleine", sagt Bartnick mehrfach. Koblenz und Mainz spielten bei der Entscheidung mit. In Koblenz ist der Hauptsitz des LBM, und Mainz steht für die Landesregierung. Auch die Sprecher der Longuicher CDU- und SPD-Fraktion lehnten den Neubau der Brücke in Höhe Kirschs strikt ab
Und wie steht es um Alternativen? Ortsbürgermeisterin Schlöder sagt, sie bevorzuge einen Neubau unmittelbar neben der alten Schweicher Brücke. "Ich bin wirklich überrascht, mit welcher Vehemenz die Longuicher gegen die Vorzugsvariante sind", sagt Bartnick nach zweieinhalb Stunden Ortsgemeinderatssitzung mit Rederecht für Bürger. Der Stadtrat Schweich befürwortet einen Neubau an bestehender Stelle (der TV berichtete).Extra

Warum der Landesbetrieb Mobilität den Neubau der Brücke in Höhe Kirschs bevorzugt: Abriss und Ersatz der bisherigen Moselbrücke an gleicher Stelle bedeuten eine jahrelange Verkehrsumlagerung auf die Moselbrücken bei Ehrang und Longuich. Die Leistungsfähigkeit des Schweicher Kreisverkehrsplatzes und des Knotenpunktes Longuich/Kirsch können an alter Stelle dauerhaft nicht verbessert werden. Eine aufwendigere Brückenkonstruktion an gleicher Stelle wäre notwendig, um den Anforderungen der Schifffahrt gerecht werden zu können. Während die neue Brücke gebaut wird, kann die alte Brücke weiterhin zur Verfügung stehen. Die Leistungsfähigkeit des Straßennetzes wird durch die Einbindung des neuen Brückenbauwerks mittels Kreisverkehren verbessert. Die neue Brücke erhält einen drei Meter breiten Geh- und Radweg. Sämtliche Radwege werden sicherer und lückenlos vernetzt. Die Planer rechnen mit fünf Millionen Euro weniger Kosten als bei einem Neubau etwa an gleicher Stelle. kat