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Neue Händler für Weihnachtsmarkt: Stadt will Mitspracherecht bei Auswahl

Neue Händler für Weihnachtsmarkt: Stadt will Mitspracherecht bei Auswahl

In Mainz und Münster haben die Verwaltungsgerichte den Städten aufgetragen, die Auswahl der Händler auf den dortigen Weihnachtsmärkten transparenter zu gestalten. Auch Trier will mehr Mitsprache. Noch hält allerdings die Unternehmerfamilie Bruch aus Andernach alle Fäden in der Hand.

Trier. Belastbare Zahlen, wie viele Besucher der Trierer Weihnachtsmarkt alljährlich hat, gibt es nicht. Und auch über die Höhe des Umsatzes, den die mehr als 90 Verkaufshäuschen innerhalb der vierwöchigen Marktzeit erzielen, ist nichts bekannt. Doch es dürften Hunderttausende Menschen sein, die wohl mehrere Millionen Euro in Glühwein, Reibekuchen, Weihnachtsschmuck, Bonbons, Wollmützen und Geschenke investieren. Einige Händler bestreiten mit dem Markt den Löwenanteil ihres Jahresgeschäfts und sichern sich so ihre Existenz.
Der Trierer Weihnachtsmarkt - der vom 24. November bis zum 22. Dezember auf Hauptmarkt und Domfreihof stattfindet - ist damit nicht nur ein touristisches Großereignis, sondern auch ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor.
Jedes Jahr bewerben sich daher auch mehr als doppelt so viele Händler wie Verkaufshäuschen zu vergeben sind. Wer ein Stück vom Kuchen abhaben will - sprich: seine Waren verkaufen darf - entscheidet die Unternehmerfamilie Bruch, die den Markt im Auftrag der Stadt seit 1980 organisiert. Die Stadt hat keinerlei Mitspracherecht bei der Händlerauswahl.
Bruchs setzen derweil auf Kontinuität: Jahr für Jahr finden sich an den gleichen Stellen die gleichen Händler. Wechsel gibt es nur selten.
Voriges Jahr hatte ein Anbieter italienischer Wurstspezialitäten vor dem Trierer Verwaltungsgericht dagegen geklagt. Das Gericht regte daraufhin bei der Stadt an, die Vergabepraxis an die Familie Bruch und damit an die einzelnen Händler zu überdenken. Triers Wirtschaftsdezernent Thomas Egger wollte daraufhin den Vertrag mit der Familie Bruch kündigen.
2016 hätte das Unternehmen aus Andernach, das auf dem Markt alle Glühweinstände und auch mehrere Imbisshäuser selbst betreibt, den Markt zum letzten Mal veranstalten dürfen. Auf Betreiben der CDU, die befürchtete, dass die Stadt bis 2017 kein neues Konzept auf die Beine bekäme, setzte Egger die Kündigung allerdings in letzter Minute von der Tagesordnung des Stadtrats ab. Der Vertrag mit Bruch hat sich dadurch bis einschließlich 2019 verlängert.
Getan hat sich trotzdem was: Die Stadt und ihre Marketingtochter - die Tourismus Trier Management GmbH (TTM) - würde gerne einen Beirat gründen, der Mitspracherecht bei der Händlerauswahl haben soll. Mit Angelika Bruch, die den Markt im Wesentlichen im Alleingang organisiert, sei darüber auch schon gesprochen worden. "Eine Entscheidung steht allerdings noch aus", erklärt das städtische Presseamt auf TV-Nachfrage.
Entschließt sich der Stadtrat doch noch dazu, den Vertrag mit Bruchs zu kündigen, kann die Stadtverwaltung sich auch vorstellen, mit der TTM den Markt ab 2019 komplett selbst zu organisieren. Bis dahin sei denkbar, dass die TTM eigenständig den Markt auf andere Plätze der Stadt erweitere, erklärt das Presseamt, ohne konkreter zu werden.
Egal ob durch einen Beirat mit Mitspracherecht oder in Eigenorganisation der TTM: Eine geänderte Vergabepraxis der Verkaufshäuschen an die Händler muss wohl überlegt sein. Sonst läuft Trier Gefahr, ähnliche Bauchlandungen wie Mainz und Münster hinzulegen (siehe Extra). Beide Städte hatten - ebenfalls auf Anraten der jeweiligen Verwaltungsgerichte - die Händlerauswahl transparenter und gerechter gestalten wollen. Mainz kickte einen Traditionsbetrieb, den die Stadt erst wenige Monate zuvor für sein langjähriges Engagement geehrt hatte, vom Weihnachtsmarkt.
In Münster zogen 18 Händler vor Gericht, darunter Schausteller, die den Markt vor mehr als 30 Jahren gegründet hatten.Extra

In Mainz hatte das Verwaltungsgericht der Stadtverwaltung in diesem Jahr aufgetragen, auf dem Weihnachtsmarkt für mehr Transparenz und bessere Zugänglichkeit für andere Beschicker zu sorgen. Wie die Allgemeine Zeitung berichtet, entwickelte eine Jury unter Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte "objektive Kriterien" für die Händlerauswahl. Für die künstlerische oder handwerkliche Herstellung, Familienfreundlichkeit, Eignung für Diabetiker oder Allergiker, regionale Herkunft, Bio- oder Fairtrade-Produkte oder auch den Service für Behinderte wurden Punkte vergeben. Die Bewerber mit den meisten Punkten erhielten den Zuschlag. Wer zu wenig Punkte ergatterte, erhielt eine Absage - als Formschreiben, ohne Begründung. Mehrere abgelehnte Händler, die teilweise seit 1975 alljährlich beim Markt dabei waren, klagten. Das Verwaltungsgericht gab ihnen Recht. Die neue Vergabepraxis der Stadt verstoße gegen "das Gebot der fairen und transparenten Verfahrensgestaltung", da die maßgeblichen Auswahlkriterien nicht bekannt gemacht worden seien. Die Stadt musste das Vergabeverfahren komplett neu aufrollen. Die Mainzer Stadtverwaltung hat aber nicht nur die Händlerauswahl erneuert und ergänzt, sondern auch das Konzept des Weihnachtsmarkts geändert: Auf einem neu geschaffenen Platz stehen 20 große, zum Teil beheizte, Weinfässer rund um ein großes Lagerfeuer im Zentrum. Die Fässer sind so umgebaut, dass sechs bis acht Weihnachtsmarktbesucher darin sitzen können. Mainzer Winzer servieren Glühwein und sonstige Getränke. Der heimelige Lagerfeuerplatz soll dem Mainzer Weihnachtsmarkt ein neues Flair verschaffen. woc