1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Neue Infobanner für alten Römerbau

Neue Infobanner für alten Römerbau

Dauerbaustelle Kaiserthermen: Wohl noch zehn Jahre werden Gerüstkonstruktionen und Schutzdächer zum Erscheinungsbild des römischen Gemäuers gehören. Die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) will aus der Optik-Not eine Tugend machen: Sie nutzt künftig die Gerüste als Aufhänger für Bauinformation.

Trier. Es mutet an wie eine Ironie des Schicksals: Nach ziemlich genau 1700 Jahren sind die Kaiserthermen schon wieder Triers größte römische Baustelle. Einst sollten sie ein prächtiger Badepalast für Konstantins Dynastie und ihren Hofstaat werden. Dann überlegte es sich der Imperator anders und investierte in eine neue Hauptstadt, Konstantinopel. In Treveris (Trier), seiner ersten Residenz, blieb das pompöseste Vorhaben ein Rohbau. Erst ein gutes halbes Jahrhundert später ließen die in Trier residierenden Kaiser Valentinian und Gratian wieder Bautrupps anrücken und das Werk vollenden. Allerdings in reduzierter Form. Nicht als Thermenanlage, sondern für eine Bestimmung, über die Wissenschaftler heute rätseln und streiten. Vieles spricht für eine Kaserne von Elitesoldaten, vielleicht der kaiserlichen Leibgarde.
Obwohl nur noch Bruchteile des Monumentalgemäuers die 17 Jahrhunderte überdauert haben, strömen die Touristen. Rund eine halbe Million zahlende Besucher - Tendenz steigend - verbuchen die in der Obhut des Landes Rheinland-Pfalz stehenden und zum Unesco-Welterbe zählenden Römerbauten Porta Nigra, Amphitheater und eben die Kaiserthermen, an denen zum Leidwesen der Mainzer GDKE der Zahn der Zeit bedrohlich nagt und sie zum Sanierungsfall gemacht hat (der TV berichtete mehrfach).
Zeigen, wie es war und ist


Seit Frühjahr 2015 trübt ein gewaltiges Baugerüst die Sehenswürdigkeiten-Optik. Zudem sind einige Bereiche der Kaiserthermen wegen der Sanierungsarbeiten bis auf weiteres unzugänglich. Deshalb will das Land aus der Not eine Tugend machen - mit einer neu gestalteten Bauinformation. "Wir möchten den Besuchern veranschaulichen, wie in der Römerzeit gebaut wurde, und was wir heute tun, um das antike Erbe zu erhalten", beschreibt GDKE-Chef Thomas Metz den Zweck der "Vermittlungsarbeit auf der Baustelle". Dabei würden die Gerüste als Aufhängerkonstruktion für Banner dienen, auf denen antikes Bauwesen und heutige Denkmalpflege dargestellt sind. Auch die unansehnlichen Wassertanks zur Beschwerung der Schutzdächer verschwinden hinter Grafikfolien.
Das Optimum an Information erhält der Besucher, der sich an den eigens entwickelten Parcours übers Thermenareal hält. Für Gestaltung und inhaltliche Konzeption zeichnet die Trierer Architektin Sabine Reiser verantwortlich, mit der die GDKE bereits beim im Sommer 2015 eröffneten Barbarathermen-Besuchersteg zusammengearbeitet hat.
Parcours-Ausgestaltung und Banner-Befestigung sind für September und Oktober geplant. Der "Bauen damals und heute"-Kreis schießt sich aber schon am 11. September: Am Tag des offenen Denkmals soll die neue Kaiserthermen-Schauspielführung Premiere feiern. Titel: "Tödliche In trige - verbannt auf die Baustelle der Macht."
Autor und Regisseur ist wie bei den anderen Erlebnisführungen in antiken Trierer Gemäuern Alexander Etzel-Ragusa.
Konrad Wolf, seit 18. Mai Kulturminister und gestern erstmals in dieser Funktion auf Trier-Visite, zeigte sich "sehr angetan davon, wie das Land insbesondere in Trier seiner Veranwortung für das kultuerelle Erbe gerecht wird". rm.