Kostenpflichtiger Inhalt: Infrastruktur : Schweich bekommt eine „Neue Mitte”  

Wiedemann-Komplex im Zentrum: In der überarbeiteten Planung sind wieder Geschäfte im Erdgeschoss vorgesehen.

Die „Neue Mitte”, wie das große Bauvorhaben an der Ecke Brückenstraße/Bernhard-Becker-Straße in Schweich genannt wird, hat eine wichtige Hürde genommen. Nachdem die Pläne zum wiederholten Mal überarbeitet worden sind, hat der Bauausschuss nun dem Projekt einhellig zugestimmt. Das Okay des Stadtrats am Donnerstag, 26. September, ist damit nur noch eine Formsache.

Dabei hatte der Stadtrat noch Ende Mai Pläne für den Wiedemann-Komplex abgelehnt (der TV berichtete). Hauptkritikpunkt damals: In dem 5000 Quadratmeter großen Karree seien nur noch Wohnungen geplant und keine Geschäftsräume mehr. Planer Jörg Weber vom Trierer Büro WW+ hatte dies damit begründet, dass es für gewerbliche Flächen kaum Nachfrage gebe.

Nach zwei Treffen von Schweicher Kommunalpolitikern mit der Investorengruppe wurden die Pläne überarbeitet. Und zwar so, dass offenbar alle Beteiligten damit leben können. Die größten Änderungen: Parterre sind wieder ebenerdig zugängliche Schaufensterpassagen für Geschäfte und Dienstleister vorgesehen.

Statt eines Staffelgeschosses wird es geneigte Dächer mit dezenten, zurückgezogenen Gauben geben. Ferner soll auf einen umlaufenden Sockel verzichtet werden. Das Halbgaragengeschoss bleibe, sagte Planer Weber, das gelte auch für die 21 Außenstellplätze. Die Tiefgarage soll für 50 Fahrzeuge konzipiert werden. 25 bis 30 Wohnungen in der Größenordnung zwischen 80 und 140 Quadratmeter Wohnfläche sind vorgesehen, wobei durchaus auch kleinere Wohnungen ab 60 Quadratmeter denkbar seien, so Weber. Die Unterbringung eines Ärztehauses oder eines anderen Dienstleisters in dem Gebäude der ehemaligen Postagentur in der Brückenstraße werde von den Investoren weiter verfolgt, so der Planer.

Ein besonderer Wunsch sei es, die Tourist-Information Römische Weinstraße in dem Gebäudekomplex unterzubringen: Weber: „Das wäre ein Traum für uns. Die Leute könnten dort Wein kaufen und sich auf der Treppe niederlassen.” Öffentlich zugänglich sollen aber nur die Stufen sein. Der begrünte Innenraum soll als „intimer Bereich” den Bewohnern vorbehalten bleiben.

Verwaltung und Fraktionen lobten die überarbeitete Planung. Stadtbürgermeister Lars Rieger sprach von einem „guten Ergebnis unserer beiden Gesprächstermine mit dem Investor”, Achim Schmitt (SPD) sagte, die Bedenken seiner Fraktion seien zertreut worden. Er hofft nun auf eine baldige Umsetzung inklusive eines neuen Kreisels an der VG-Verwaltung. Johannes Lehnert (FWG) bezeichnete den Plan als „vernünftiges Ergebnis”. Auch Josef Rohr (CDU) war erfreut: „Die Neue Mitte ist uns wichtig. Es wird höchste Zeit, dass wir hier weiterkommen.”

Wenn der Stadtrat am Donnerstag grundsätzlich beschließt, dass ein Bebauungsplan „Neue Mitte” aufgestellt und ein städtebaulicher Durchführungsvertrag abgeschlossen wird, dann könnte in ein bis anderthalb Jahren die Baugenehmigung vorliegen.

Eine Investorengruppe möchte den sogenannten Wiedemann-Komplex an der Ecke Brückenstraße/Bernhard-Becker-Straße in Schweich bebauen. Foto: Albert Follmann

Nun werde verstärkt in die Vermarktung eingestiegen, sagt Architekt Andreas Kardelky vom Büro WW+. Der hohe Bedarf, insbesondere für Wohnungen im Schweicher Stadtzentrum, sei aber schon erkennbar. Einige Anfragen gebe es auch von Geschäftsleuten, die sich innerhalb von Schweich verändern möchten, sagt Kardelky.

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