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Neue Online-Plattform: Ein Herzschrittmacher aus dem Wohnzimmer

Mutmacher : Herzschrittmacher aus dem Wohnzimmer

In der Corona-Krise packen gerade viele mit an und suchen nach Möglichkeiten, um andere zu unterstützen und sich solidarisch mit regionalen Unternehmen zu zeigen. Die Stadt Trier hat sich gemeinsam mit Partnern etwas einfallen lassen – und bietet jedem die Chance, vom eigenen Sofa aus zu helfen.

Ideen gibt es gerade zuhauf. Viele Menschen zeigen in Zeiten der Krise ihre kreativen Talente. Eine Gruppe hat mit Unterstützung der Stadt Trier die Plattform herzschlag-trier.de entwickelt. Die Idee dahinter: Es soll ganz einfach werden, regionale Betriebe vom zu Hause aus zu unterstützen. „Wir möchten sowohl richtige Gutscheine anbieten als auch virtuelle Güter“, erklärt Michael Jadischke, der Geschäftsführer des Vereins GamesAhead. Die Idee der virtuellen Güter kommt aus der Gaming-Szene. In die Realität umgesetzt kann man es mit einer Spende vergleichen. Für eine bestimmte Summe erhält man eine virtuelle Kinokarte oder ein anderes Symbol. Auch richtige Gutscheine, die man später vor Ort einlösen kann, gibt es auf der Seite.

Für Jadischke und seinen Verein ist es wichtig, die analoge mit der digitalen Welt zu verzahnen. Zu Beginn hat GamesAhead eine Ideenskizze an diverse regionale Verbände und die Stadt Trier geschickt. Aus der Idee wurde so ein großes Gemeinschaftsprojekt, das am Mittwoch online gegangen ist. Über das Amt für Wirtschaftsförderung und das Amt für Kultur fördert die Stadt die Plattform. Das Projekt hat keinerlei Gewinnabsichten und ist ausschließlich für den guten Zweck geschaffen worden. Wie Michael Schmitz, der Pressesprecher der Stadt Trier, mitteilt, stellt die Stadt Trier 15 000 Euro für die Plattform und den Support für die kommenden sechs Monate zur Verfügung. Dies seien Mittel für die Kultur- und Wirtschaftsförderung.

Der junge Verein GamesAhead erhält zudem Unterstützung des Medien- und IT-Netzwerks Trier-Luxemburg. Weitere Hilfe gibt es von der Hochschule Trier und den Firmen Bejoynt, Intriweb, Skilltree und Zonat. Dank Johannes Kolz bekommt die Seite einen Wiedererkennungswert mit den Zeichnungen des Künstlers hinter dem bekannten Label „Alles Trier“.

Oberbürgermeister Leibe äußert sich über die Plattform herzschlag-trier.de erfreut und ist der Meinung, dass dies die beste Form der Wirtschaftsförderung sei. Die Trierinnen und Trierer ruft er auf: „Machen Sie mit, denn die Teilnahme sichert ganz konkret Arbeitsplätze vor Ort!“.

Die Registrierung ist für alle kostenlos und soll einer großen Bandbreite unterschiedlicher Unternehmen eine Plattform bieten. Vom Friseur über das Café und die Kultureinrichtung bis hin zum Lieblingsrestaurant und Einzelhandelsladen können sich Gewerbetreibende anmelden. Auch weiterführende Infos oder Links zu eigenen Online-Shops können auf der Seite hinterlegt werden. Das eingenommene Geld wird jeweils direkt an die Empfänger ausbezahlt oder auf Wunsch über ein spezielles Konto weitergeleitet. Es wird keine Systemgebühr erhoben und so gewährleistet, dass Beträge grundsätzlich 1:1 (abzüglich externer Zahlungsgebühren) die Betroffenen erreichen. Alleine können diese Mittel Unternehmen nicht retten, doch sollen sie dabei helfen, die finanziellen Ausfälle abzufedern.

Diese Idee an sich ist nicht neu, auch verschiedene andere Städte und Gemeinden denken über ähnliche Plattformen nach, wobei die Initiative oftmals eher von Privatpersonen ausgeht und selten die Stadt mit finanzieller Hilfe dahinter steht. Auch in Trier gibt es bereits ähnliche Projekte. Tobias Steffgen beispielsweise hat die Webseite kaffee-fuer-trier.de ins Leben gerufen. Hier kann man für das Lieblingscafé spenden, wobei die Unternehmen auf dieser Seite ihren eigenen Paypal-Link angeben, um Spenden anzunehmen.

Der TV hat deshalb wegen der Idee bei der Industrie- und Handelskammer Trier nachgefragt. IHK-Pressesprecher Sebastian Klipp sagt: „Die Idee von Verbrauchern, regionale Unternehmen in der aktuellen Krise zu unterstützen, finden wir toll. Das sendet ein schönes Signal an die Unternehmen, dass deren Kunden ihnen in der aktuellen Lage beiseite stehen.“

Klipp hat auch Tipps, wie die Firmen vorgehen könnten, wenn die Kunden mitmachen würden: „Möglich wäre aus unserer Sicht, dass Unternehmen Gutscheine ausstellen und der Empfänger des Gutscheins auf die Einlösung verzichtet“, sagt Klipp. Der Kunde könne seinen Beitrag dem Unternehmen über die Seite www.wir-fairzichten.de mitteilen (siehe Info). Damit die Unternehmen im Nachhinein keine steuerlichen Nachteile bekommen, empfiehlt Klipp: „Die Gutscheine sollten in dem Fall als sogenannte Mehrzweck-Gutscheine ausgestellt werden. Das bedeutet, dass der Gutschein über einen bestimmten Wert ausgestellt wird, der auf eine beliebige Leistung/Ware des Unternehmens eingelöst werden kann.“ So müsse das Unternehmen keine Umsatzsteuer abführen.

In jedem Fall zähle der Gutschein zu den Einnahmen eines Unternehmens, und dieser wirkt sich gewinnsteigernd oder verlustmildernd aus. „Der Verbraucher kann in diesen Fällen jedenfalls keine Spendenquittung erhalten, da es sich in aller Regel bei den Empfängern nicht um eine gemeinnützige Organisation handelt“, sagt Klipp.

Auf der Plattform herzschlag-trier.de können die Nutzer, aber auch die Unternehmen selbst, auswählen, ob sie Gutscheine, Spenden oder beides nutzen wollen. Auch auf verschiedene weitere Hilfsangebote und Hilfsplattformen wird hingewiesen, etwa die Seite Trier hilft sich. Hier können Privatpersonen, aber auch Unternehmen Hilfsangebote, aber auch Gesuche eintragen und finden. Damit soll ein besserer Überblick über die vielfältigen Solidaritäts-Aktionen in der Stadt gewährleistet werden. Eine ähnliche Seite wie herzschlag-trier.de ist zudem die Seite trierhilft.de, auf der ebenfalls Gutscheine von verschiedenen Geschäften und Gastronomiebetrieben gekauft werden können.

Mit der Trier-Bühne bietet herzschlag-trier.de außerdem Künstlerinnen und Künstlern aus der Region die Möglichkeit, eigene Werke einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Hier finden sich unter anderem Videos von Musikern, ein Comic und der Hinweis auf das Online-Benefizfestival „Bleif mim Aorsch dahemm“, das am Freitag, 17. April, um 16.30 Uhr bei Facebook stattfinden wird. Damit sollen fünf Trierer Veranstaltungsorte finanziell unterstützt werden (mehr Infos hierzu auf Seite 20). Die auf der virtuellen Bühne präsentierte Kunst wird in den kommenden Tagen ergänzt und erweitert, ebenso wie die Unternehmen, für die man spenden kann.

Michael Jadischke von GamesAhead hat gemeinsam mit seinen Mitstreitern und Mitstreiterinnen über die Ostertage jede Menge Arbeit in die Plattform gesteckt. Insgesamt betrachtet er die Krise vor allem als Chance, die Solidarität in Trier, aber auch der gesamten Gesellschaft, kräftig zu befeuern. In den vielen Hilfsaktionen, die gerade anlaufen, sieht er seine Hoffnung entsprechend bestätigt. Darum spricht er auch lieber von einem „Physical Distancing“ statt von „Social Distancing“, also einem körperlichen statt sozialen Abstandhalten.

Logo Mutmacher PRINT Foto: TV/Schramm, Johannes

Mit der Plattform ist es jetzt jedenfalls möglich, vom heimischen Sofa unter Beachtung aller Kontakteinschränkungen dafür zu sorgen, dass das Herz Triers weiterschlagen kann – während der Krise und darüber hinaus.