Neue regionale Produkte befeuern Faszination um Nero

Neue regionale Produkte befeuern Faszination um Nero

Der Hype um Nero nimmt langsam aber stetig Fahrt auf: Im Landesmuseum haben Einzelhändler, Innungen und Gastronomen Produkte präsentiert, mit denen sie sich an die Ausstellung hängen - und ihrerseits dafür werben. Vom schönen Duft bis zur Badfliese gibt's historische Bezüge - wenn auch meist auf humoriger Ebene.

Trier. Brot, Kaffee, Wurst, Seife. Mit den Waren, die im Landesmuseum Trier an einem guten Dutzend Ständen ausliegen, käme man ganz gut durch den Alltag. Weil hier aber Trierer Einzelhändler und Gastronomen ihre Produkte mit Nero-Bezug präsentieren, findet sich auch einiges Ungewöhnliches: etwa der Kopf des umstrittenen Herrschers als Metallskulptur, extralange Streichhölzer oder, immer praktisch, wenn die Verwandtschaft mal wieder nervt: ein schmucker Silberring mit Depot für ein bisschen Gift.
"Es ist ganz toll, dass die Betriebe auf ganz unterschiedlichen Wegen den Nero-Gedanken in die Stadt tragen", freut sich Marcus Reuter. Während die Buchungszahlen von außerhalb schon den Anfang des Hypes anzeigten, hat es in der Stadt selbst ein bisschen gedauert. "Aber das nimmt jetzt richtig Fahrt auf", glaubt der Direktor des Landesmuseums und lädt zum Umschauen ein.Nach Geschmack des Kaisers

Manfred Schmitt von der Fleischerei Werner Schmitt in Trier-Ehrang überzeugt nicht nur durch seine authentisch antike Toga - sondern auch durch die Begeisterung, mit der er das Produkt der regionalen Fleischerinnung Trier-Saarburg präsentiert: Neros Fackel ist eine, natürlich, feurige Salami, die nach einem einheitlichen Rezept von den Innungsbetrieben hergestellt wird, aber doch individuell schmecken soll. Es sei klar gewesen, dass die Innung bei Nero dabei sein würde, sagt Schmitt - schließlich habe man im Rahmen der Konstantinausstellung mit einer Spezialherstellung schon sehr gute Erfahrungen gemacht.
Die regionale Bäckerinnung hat gleich für drei Brote die antike Ernährung studiert. "Grundlage war daher Weizenmehl mit Sauerteig", erklärt Reinhold Mainitz von der Bäckerinnung Trier-Saarburg. Ein großes, rundes Brot ist dabei mit Honig und Öl etwas dezenter gewürzt als zwei kleinere Varianten, denen noch Walnüsse und Oliven zugegeben werden.
Auch bei Suite au Chocolat habe man sich Gedanken um einen historischen Bezug gemacht, sagt Verkäuferin Maria Kafasi. So habe man sich bei der Kreation von Dragees und blütengedeckten Pralinen an geschmacklichen Vorlieben Neros orientiert. Anders als der durchaus volksnahe Tribun sind die Leckereien aber ein wenig elitär: Es gibt sie nur für Geschäftskunden.
Ganz nah kommen die Düfte und Essenzen, die das Seifenatelier der Yolande-Kooperative im luxemburgischen Betzdorf herstellt. Passend zum Nero-Jahr wurde in den Behindertenwerkstätten nicht nur Flüssigseife mit dem bekannten Konterfei versehen, sondern etwa auch Seifentaler entsprechend verziert. Mehr Bezug zur Antike muss man gar nicht herstellen, sagt Petra Petri von Yolande im Museum: "Die Inhaltsstoffe und grundsätzlichen Prinzipien bei der Herstellung von Seife haben sich seit der Antike ja eigentlich nicht stark verändert."Seife bleibt Seife


Sehr viel verändert hat sich seit Neros Zeiten dagegen in Sachen Unterhaltung: Während es früher reichte, zur brennenden Stadt die Leier zu spielen, vergnügen sich heute die jungen Leute lieber mit ihren Smartphones - und da kommt die Firma Audiobits ins Spiel: "Nero Burner" ist eine App, die aber nicht einfach auf dem Sofa gespielt werden kann, sondern zur Schnitzeljagd durch Trier auffordert: Erst, wenn der Spieler laut GPS an der richtigen Stelle ist, kann er eine der Fragen zu Trier und Nero beantworten - um so dafür zu sorgen, dass nach Rom nicht auch noch Trier in Flammen aufgeht. "Mit der kostenlosen App wollen wir gezielt junge Leute bewegen, die Nero-Ausstellung zu besuchen", erklärt Audiobits-Geschäftsführer Markus Ludwig.
Die Produkte, die Georg Stephanus für die offiziellen Museumsshops zusammengetragen hat, füllen gleich mehrere Tische: Vom ernsthaften Wälzer über Nero-Streichhölzer bis zu römischen Badeenten reicht hier die Palette. Beim Fliesen- und Sanitärbetrieb Scholtes sieht es dagegen recht aufgeräumt aus. Aber Wolfgang Scholtes konnte seine Sonderausstellung nun wirklich nicht ins Museum karren: "Wir zeigen ab dem 11. Juni in unseren Ausstellungsräumen eine Badelandschaft, die von den Abläufen und von der Anmutung her die Badekultur der Römer aufnimmt", erklärt Chef Wolfgang Scholtes.Büste und Bad, Gift im Ring

Feurig: Metzger Manfred Schmitt präsentiert „Neros Fackel“, eine scharfe Salami. Foto: Frank Goebel (fgg) ("TV-Upload Goebel"
Der Ring von Werkform-Mitglied Birgit Maringer hat ein dunkles Innenleben. Foto: Frank Goebel (fgg) ("TV-Upload Goebel"
Zum Durchdrehen: Franz Josef Fries von der Rappelkiste mit Nero-Spieluhren. TV-Fotos (5): Frank Göbel. Foto: Frank Goebel (fgg) ("TV-Upload Goebel"
Brot brechen: Reinhold Mainitz von der Bäckerinnung Trier-Saarburg mit der luftigen und doch nahrhaften Kreation. Foto: Frank Goebel (fgg) ("TV-Upload Goebel"


Und wenn man seine Hände schon in Unschuld waschen kann, darf man sie sich vorher auch richtig schön schmutzig machen: Am Stand der Handwerkergruppe "Werkform" gibt es nicht nur eine monumentale Büste zu sehen oder ein Pergamentbuch, wie es wohl auch in antiken Bibliotheken zu finden war - sondern auch einen Ring, in dessen Geheimfach sich bei Bedarf etwas Gift mitbringen lässt. Eine Anspielung auf den Mord an seinem Stiefbruder - an dem Nero übrigens wahrscheinlich ebenso unschuldig war wie am verheerenden Feuer in Rom.